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Morgan Threewheeler im Fahrbericht

Viel Spaß irgendwo zwischen Motorrad und Auto

Morgan Threewheeler, Frontansicht Foto: Dani Heyne 18 Bilder

Die Geschichte des Morgan Threewheeler ist fast 110 Jahre alt. Sein Konzept? Grenzenloser Spaß – irgendwo zwischen Motorrad und Auto, geschmacklich nah am Flugzeug. Wir wollten wissen: Wie baut man so ein Geschoss?

05.03.2017 Dani Heyne

Der Reiz von Beständigkeit liegt wohl auch darin, die Mode einfach mal auszutricksen. Und mit den gleichen Zutaten in unterschiedlichen Epochen hip und gefragt zu sein.
Bei der kleinen Automanufaktur Morgan in Malvern Link in der Grafschaft Worcestershire (West Midlands) haben sie es über die Jahre immer wieder geschafft. Vor allem heute: Da stehst du in dem beschaulichen Hof der über 100 Jahre alten Fabrik, bist von flachen Ziegelgebäuden umzingelt und weißt beim Aufziehen eines der abgeschrammelten Holztore nicht, ob sich dahinter das coolste Start-up Englands verbirgt oder die Old-School-Produktion eines alten Familienclans.

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Impression Morgan Threewheeler
auto motor und sport 04/2017
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Am Tor unserer Wahl steht "3 Wheeler". Als es zur Seite gleitet, quietscht es leicht und offenbart ein Reich, in dem nicht nach Arbeitstakten geschraubt wird, sondern zum Beat der Musik. Bevor die Reise in diese Welt beginnt, hier noch eine kleine Geschichte zur Einstimmung: Der Threewheeler begründet die DNA von Morgan. Er war das Baby von Harry Frederick Stanley Morgan, einem technischen Zeichner, dessen erstes motorisiertes Erlebnis um 1900 in einer rasanten Bergabfahrt endete – am Steuer eines gemieteten Benz mit 3 PS. Die Reparaturkosten beliefen sich auf 28 Pfund.

Morgan Threewheeler, WerkstattFoto: Dani Heyne
In der Werkstatt werden sieben Modelle von Hand gefertigt. Die Threewheeler-Montage braucht weniger Platz als eine Turnhalle.

1906: Eröffnung der Morgan-Werkstatt

Nach diesem Zwischenfall wartete der junge Morgan, bis er 21 Jahre alt wurde, und kaufte sich einen Eagle Tandem – einen Threewheeler mit 8 PS starkem, wassergekühltem De-Dion-Motor. Schnelles Teil, aber nicht zuverlässig. 1906 eröffnet Morgan eine Werkstatt in Malvern Link und kurz darauf einen der ersten Linienbusdienste im Lande. Den 7 PS starken Peugeot-Motor kauft er, um drumherum ein Motorrad zu bauen. Nur so zum Spaß.

Das Ergebnis besaß dann aber doch drei Räder, beim Chassis half ein befreundeter Chefingenieur. Morgan nannte die leichte, spritzige Kreation Runabout und fuhr sie mit größter Freude. Das war 1909 – damals gab es noch keinen Plan für eine Serienfertigung, nur wohlwollende Kommentare von Freunden. Aus einer Laune heraus beschloss Morgan, ein paar Exemplare zu bauen. Sein Vater steuerte Kapital bei, eine größere Werkstatt bot sich an, und schwupps, schon nahm die Geschichte ihren Lauf. 1910 gab’s das erste Patent, 1911 einen Messeauftritt – der 30 Bestellungen brachte.

Gold-Sieg bringt Kaufverträge

Nebenbei startete Morgan mit seinem ersten Threewheeler immer wieder bei Trialwettbewerben und holte bei der London – Exeter-Fahrt Gold. Heute würde man es als Guerillamarketing feiern, damals fügte sich einfach alles richtig zusammen.
Auf einen Zweisitzer mit drei Rädern und zwei Zylindern folgten Händler- und darauf so viele Kaufverträge, dass dem guten Morgan angst und bange wurde. In seiner Not bat er einige Automobilhersteller des Landes um Hilfe, doch keiner wollte bei der Produktion helfen. Also setzte er alles auf eine Karte, investierte mit seinem Vater in neue Gebäude und Maschinen und legte los.

Morgan Threewheeler, WerkstattFoto: Dani Heyne
Ein Trauzeuge führt hier mittels Flaschenzug die Hochzeit zwischen Antriebsstrang und Chassis durch. Der V2-Motor stammt vom amerikanischen Hersteller S&S, das Getriebe vom MX-5.

Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um eine dieser Hallen zu betreten. Die kleine Fabrik besteht seit 1914, heute werden hier sieben Modelle von Hand gefertigt. Darunter auch wieder ein Threewheeler, in einer eigenen kleinen Abteilung. Sie nimmt weniger Platz ein als eine Turnhalle. Links sitzt der Chef der Modellreihe in einem Büro. Rechts stehen auf alten Holzböcken mehrere Threewheeler in unterschiedlichen Reifegraden: Auf der einen Seite feiert gerade ein neuer Gitterrohrrahmen Hochzeit mit dem Antrieb. Ein Trauzeuge reicht, er dirigiert den luftgekühlten V2-Motor des amerikanischen Herstellers S&S und das angeflanschte MX-5-Getriebe via Flaschenzug an die richtige Stelle.

Tradition und Handwerk

Am Modell daneben wird die vergleichsweise einfache Elektrik verkabelt. ABS? ESP? No way! Eine Station weiter findet eine frisch lackierte Alu-Karosserie ihren Platz. Wer genau hinschaut, erkennt, dass ihr Rahmen aus Eschenholz besteht. Tradition und Handwerk stehen in diesen Hallen für Beständigkeit. Genau wie die Chefs der Firma: Morgan befindet sich noch immer in Familienbesitz – mittlerweile ein Weltrekord. Ähnlich verhält es sich mit der Art der Produktion. Bewundernswert, dass sie im Zeitalter der Automatisierung beibehalten werden konnte. Wo wir schon bei Tradition sind: Das älteste Spezialwerkzeug stammt aus den 1950ern.

Die Männer in der Produktion arbeiten ohne Stoppuhr, befolgen keine einstudierten Arbeitstakte. Rund 40 Stunden brauchen sie, um eines der Dreiräder aufzubauen. Dabei wippen sie nicht selten mit den Köpfen zum Beat, der aus den Boxen wummert, erzählen sich ein paar Witze und haben alles im Griff. Wer zufällig reinplatzt, könnte sie für ein paar Freunde halten, die nach Feierabend zusammen schrauben und ein paar Bierchen leeren.

Morgan Threewheeler, HeckansichtFoto: Dani Heyne
Tolle Rundumsicht, kurze Schaltwege und nullhundert in 6 Sekunden. Der Morgan macht einfach nur Spaß.

Der Erfolg der britischen Marke rechtfertigt die Gepflogenheiten. Pro Jahr werden rund 1.000 Morgan ausgeliefert, darunter sind stets rund 200 Threewheeler – die Wartezeit schwankt zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Dafür bekommen die Kunden ein unbezahlbares Extra gratis: Bei richtiger Pflege verliert ein Morgan niemals an Wert. Wenn ein Threewheeler einsatzbereit durch das alte Holztor geschoben wird, geht’s nicht selten auf die schmalen umliegenden Landstraßen. Ein obligatorischer Test, ob alles sitzt, wie es muss.

Ab auf die Teststrecke

Wir dürfen mitfahren und sind schon nach zwei Kilometern berauscht. Nicht nur vom dumpfen Knurren des Zweiliter-V2, den knackig kurzen Schaltwegen und der tadellosen Rundumsicht.

Es ist das Gesamtkunstwerk! Du sitzt im Jahr 2017 in einer gut lackierten Badewanne mit drei Rädern und fliegst, 15 Zentimeter über dem Boden kauernd, durch wunderbar kurviges Land. Die Ränder des eigenen Blickfeldes verwischen, so sehr fokussierst du die schmalen Asphaltstreifen, die kaum breiter sind als die Spur der Vorderachse. Wie anständig die Reifen da vorn von den doppelten Querlenkern auf Kurs gehalten werden und wie reichhaltig die Rückmeldung am Lenkrad ist – als würden die Hände über die Straße tasten.

Natürlich ist das alles andere als ein Alltagswagen, von der Sicherheit ganz zu schweigen. All das überlässt der Threewheeler anderen. Ihm genügt es, schon bei Tempo 80 so viel Fahrspaß zu servieren, dass einem die Freudentränen zu den Ohren fließen.
Hut ab, Morgan – vor diesem Geschenk und der Beständigkeit, an guten Traditionen festzuhalten.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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