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Lotus Evora mit 280 PS

Neuer 2+2-Sitzer von Lotus im Fahrbericht

Lotus Evora Foto: Lotus 17 Bilder

Mit dem 2+2 sitzigen Evora beschreitet Lotus neue Wege und versucht den Spagat zwischen Fahrspaß Tradition und GT Zukunft. 13 Jahre hat es gedauert, bis bei Lotus eine eigenständige zweite Modellreihe das Produktportfolio bereichert.

06.06.2009 Jochen Übler

Gut Ding will auch in Großbritannien Weile haben. 13 Jahre hat es gedauert, bis bei Lotus eine eigenständige zweite Modellreihe das bislang eher durch Purismus geprägte Produktportfolio bereichert. Noch im Mai rollt der Lotus Evora zu den Händlern. Ein neuer Lotus auf neuen Wegen, ohne jedoch den Pfad der altbekannten Tugenden deswegen gänzlich zu verlassen.

Meilenstein der Lotus-Geschichte

Als derzeit einziger 2+2-Sitzer mit Heck-Mittelmotor ruht das kräftig und harmonisch gestylte Coupé auf einer neu konzipierten Aluminium-Plattform mit vorderem und hinterem Hilfsrahmen. Lediglich der hintere besteht dabei aus Stahl – dafür angerichtet, einen weiteren Meilenstein der Lotus-Geschichte aufzunehmen.

Sechs Kolben komprimieren nun ein Volumen von 3,5 Litern. Quer vor der Hinterachse in V-Form drapiert, und wie die Vierzylinder von Lotus Elise und Exige stammt auch der V6-Motor aus dem Toyota-Regal. Das manuelle Sechsganggetriebe (eine Automatik wird nachgereicht) ist gleicher Herkunft und an die neuen Rahmenbedingungen angepasst. Beim optionalen Sportspack fallen dann die Gänge vier bis sechs etwas kürzer aus. Kurz sind auch die Schaltwege selbst. Beim hurtigen Durcheilen derselben flutscht der Schaltstock jedoch nicht mit letztem Präzisionsbewusstsein durchs H-Schema.

Aber letztlich firmiert der Evora per se mehr als Reiser denn als Reißer. Exklusiv dosiert – pro Jahr werden zunächst 2.000 Einheiten produziert – und für Enthusiasten gedacht, denen komfortschwangere Gran Turismo ein unsportlicher Dorn im Auge sind. Allzu viel Verzicht ringt der ab 59.990 Euro angebotene Hecktriebler seinen Insassen deswegen jedoch nicht ab. Es sei denn, man gehört zu den +2. Die hintere Sitzreihe (3.510 Euro Aufpreis) taugt für Zwerge, Schlangenmenschen oder Kinder. Für diese steht auch ein Isofix-System in der Optionsliste. Grundsätzlich gilt die weit verbreitete 2+2-Regel: Es gibt zwei Hocker für den Notfall.

Der Lotus Evora zeigt sich im Innenraum großzügig

So eng es hinten zugeht, so luftig empfängt der Lotus Evora seine vordere Besatzung. Ein großer Türausschnitt und ein schmalerer Seitenschweller gestatten den Einstieg in einer für Lotus geradezu eleganten Art. Nahezu verrenkungslos schlüpft man in wohlgeformte, ausreichend gepolsterte und bestens konturierte Recaro-Sitze. Bis auf den beengten Ruhebereich für den linken Fuß gibt es an Ergonomie und Raumgefühl nichts zu mäkeln: großzügig genug, um sich wohl- und klein genug, um sich Lotus zu fühlen.

Lotus Evora auch für Langstrecken geeignet

Es geht los: Im kleinen, durchgestylten Display schnalzen die Zeiger zur Begrüßung. Der mit reichlich Plastik abgedeckte V6 bleibt cool: kein heiser röchelndes Ansauggeräusch, keine ungepflegten Zitterpartien. Der Lotus Evora übt sich spür- und sichtbar in Anstand. Obwohl der mit feinem Leder ausgeschlagene Brite nicht ganz an routinierte Großserienqualität herankommt, ist der in Handarbeit ausgeführten Herstellung ein solides Zeugnis auszustellen. Und auch das Abspulen einer größeren Strecke erfordert in einem Lotus nun keine harten Entbehrungen mehr - von der Anfälligkeit der Lenkung auf Spurrillen einmal abgesehen.

Das Fahrwerk beweist, dass der Lotus Evora ein Sportler ist

Jedenfalls ist das ausgewogen abgestimmte Fahrwerk dazu angetan, kurze Stöße zu absorbieren, ohne den sportlich-straffen Faden zu verlieren. Die Servolenkung arbeitet präzise genug, um traditionsbewusst Kurven zu durcheilen. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten kommt dabei keine unangenehme Zappeligkeit auf. Und die Bissigkeit der Bremsanlage ist einmal mehr der Beweis dafür, dass sich ein echter Sportwagen nicht zuletzt durch eine entsprechende Verzögerung auszeichnet.

Mit dem Lotus Evora gibt es keine Zitterpartie

Eine standesgemäße Beschleunigung ist ohnehin Ehrensache. Im unteren Drehzahlbereich zeigt sich der Sechszylinder im Heck noch zurückhaltend. Zwischen 4.000 und den maximal möglichen 7.000 Umdrehungen hängt er dann giftiger am Gas, begleitet durch eine kehlige, aber unaufdringliche Stimme. Aus der fahrdynamischen Fassung ist der Lotus Evora nur mit roher Gewalt zu bringen. Notfalls werden die 280 PS dann von einer Traktionskontrolle gezügelt. Ein ESP folgt in Kürze – kein Grund für eine Zitterpartie also.

Technische Daten
Lotus Evora
Grundpreis68.410 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4342 x 1848 x 1223 mm
KofferraumvolumenVDA160 L
Hubraum / Motor3456 cm³ / 6-Zylinder
Leistung206 kW / 280 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit262 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,0 s
Verbrauch9,3 L/100 km
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