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Extra New Holland CR 10.90

Der Feldmeister

New Holland Agriculture, Jeep Cherokee, Fahrbericht Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Eigentlich könnte der größte Mähdrescher der Welt, der New Holland CR 10.90, ganz allein zur Ernte aufs Feld. Immerhin ist er Weltmeister darin und kann das alles auch noch ganz autonom. Schön, dass er uns dennoch mitgenommen hat.

04.12.2014 Sebastian Renz

Die Felder hügeln sich bis zum Horizont nordwärts über die Uckermark, von Abwechslung oder gar Ansiedlungen weitestgehend ungestört. Man könnte Größeres hier einfach verstecken, einen Flughafen, Berlin – oder einen Berliner Flughafen. Und als wir im Osten einen Staubsturm sehen, erkennen wir nicht gleich, dass ihm ein Mähdrescher vorausfährt und ihn wie eine Schleppe in der Sommerhitze aufwirbelt. Ja, hier und von Weitem schaut der größte Mähdrescher der Welt etwas unscheinbar aus.

New Holland CR 10.90 mit 14.500 Liter Korntank

Von Nahem eher nicht. Wir rumpeln aufs Feld, stoppen mit einem Jeep Cherokee ein gutes Stück entfernt vom New Holland CR 10.90. Das heißt, vor seinem 12,5 Meter breiten Mähwerk, das in jeder Sekunde 1.000 Getreidehalme abschneiden und sich pro Stunde durch fünf Hektar Feld fressen kann. Im Oktober hat der CR 10.90 einen Weltrekord eingefahren, als er mit maximaler Druschleistung (heißt wirklich so) in acht Stunden 798 Tonnen Getreide erntete. Er ist eine Maschine mit den Dimensionen eines kleinen Hauses.

Wir besteigen zunächst die Dachterrasse des New Holland CR 10.90, statten dem 14.500 Liter großen Korntank und dem 16 Liter großen Sechszylinder-Common-Rail-Diesel einen Besuch ab. Er ist groß wie ein Telefonhäuschen, leistet 653 PS, erfüllt die Abgasnorm Euro 6 und zapft sich pro Hektar rund 20 Liter Diesel aus dem 1.200-Liter-Tank.

Genau, es sind doch andere Dimensionen, wenn allein der Harnstofftank 120 Liter fasst. Oben auf dem Rücken des New Holland CR 10.90 weht der Wind nun herber, wir klettern wieder herunter, wo uns ein kleiner Begleittross mit einer Frage erwartet: Wie viel Ar Mähfläche wir denn wohl brauchten. Fotograf Hans-Dieter und ich schauen uns. Puh, was sagt man da so, ohne sich lächerlich zu machen? Mit entschlossener Stimme bitten wir um drei Ar, es liegt ja genug Feld in der Gegend herum. Man schaut uns erstaunt an, und wir wissen nicht, ob wir für besonders ambitionierte Mäher oder für besonders ahnungslose Medienheinis gehalten werden.

New Holland CR 10.90 fährt autonom

Wir flüchten daher in die Kabine. Wobei: Laut New Holland ist das hier eine Ernte-Suite, mit 3,7 Kubikmetern etwa so groß wie ein Einfamilienhaus in Tokio. Dazu ist sie für beste Aussichten mit 6,2 Quadratmetern Fensterfläche verglast, klimatisiert und mit Kühlschrank sowie heiz- und kühlbaren Ledersitzen möbliert. Eine Stereoanlage ermöglicht es dem Maschinisten, sich die Zeit zu vertreiben. Das Fahren übernimmt ja der New Holland CR 10.90, auf 2,5 Zentimeter genau.

Aber erst mal müssen wir das Mähmonster ausparken. Langsam natürlich, wie alles im Umgang mit dem New Holland CR 10.90. Selbst geübte Mähdrescherfahrer empfehlen, die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auch auf geteerten Straßen nie auszunutzen – schon wegen des hydraulisch gefederten Raupenlaufwerks vorn. Dieses allein kostet 70.000 Euro, drückt aber mit jeweils 1,4 Quadratmetern Auflagefläche nicht so heftig aufs Ackerland wie normale Reifen. Joystick nach vorn drücken, und der Mähdrescher bricht zur Feldarbeit auf. Ich achte darauf, dass mir nichts ins Mähwerk gerät – ein Häschen, ein Rehlein, ein Kleinwagen –, und nähere mich einem Getreidefeld, auf dem schwere Ähren bis zum Horizont im Sommerwind wogen. Das ist unseres.

Oder besser gesagt, das des New Holland CR 10.90. Joystick zurück, der Mähdrescher verlangsamt. Mit dem breiten Pedal festbremsen. Das linke Pedal aktiviere die Differenzialsperre vorn, falls sich der CR mal festfahre; so informiert mich der Instruktor. Komme das Fahrzeug damit nicht frei, empfehle es sich, für die Bergung einen etwas umfangreicheren Bagger vorrätig zu haben. Knopfdruck, das Mähwerk rotiert los, die Erde bebt. Noch ein Knopfdruck, und der CR 10.90 frisst sie auf. Ganz allein. Ich habe die Hände längst von Lenkrad und Joystick genommen. Über den 10,5 Zoll großen Touchscreen ließe sich das Tempo noch ändern oder die Schnittgröße des Strohs einstellen, das hinten aus dem Mähdrescher herausstürmt. Doch alles andere erledigt der CR 10.90 allein. Er misst dabei selbst die Feuchtigkeit des Ernteguts, um die Druschart zu optimieren.

Intellisteer-System ermöglicht das autonome Fahren

Fürs autonome Fahren nutzt er das Intellisteer-Sytem, das über ein per Korrektursignal optimiertes GPS sowie drei Gier- und drei Bewegungssensoren verfügt. Sie leiten ihn bei jeder Ernte immer auf den exakt gleichen Spuren, um mit dem 18 Tonnen schweren New Holland CR 10.90 so wenig Boden wie möglich zu verdichten.

New Holland CR 10.90 läuft mit 4,5 km/h durch das Feld

Mit 4,5 km/h mampft sich der New Holland CR 10.90 nach Süden, zieht das Getreide in einen Kanal, gibt es dann weiter an zwei Rotoren, die das Korn von den Halmen trennen. New Holland informiert, dieses sanfte Verfahren sorge weniger als 0,2 Prozent Kornbruch und höchste Strohqualität. Da sagen wir als Fachfremde mal ganz kritisch: Wird schon so sein. Allein der Strohhäcksler zapft derweil 109 PS von der Motorleistung ab. Sie ist übrigens der einzig limitierte Faktor der gefräßigen CR 10.90.

So füllt sich der Korntank des New Holland CR 10.90 eilig, wie ich durch ein kleines Fenster hinter mir sehen kann. Da eilt auch gleich ein Traktor heran, mit einem Anhänger in der Größe eines Containerschiffs. Ich stoppe den Mähdrescher und drücke mal wieder einen Knopf. Nun fährt das zehn Meter lange Abtankrohr nach links aus, aus dem das Korn dann in den Anhänger gepumpt wird, fast 100 Kilo pro Sekunde.

Als der Hänger voll ist, dauert es kurz, bis die Sonne wieder durch den Staub flirrt. Joytick voraus, der New Holland CR 10.90 darf noch ein paar Bahnen mähen. Ein Stück Uckermark ist noch da.

Wer ist CNH?

Zu CNH Industrial zählen zwölf Marken, unter anderem Magirus, Steyr, New Holland und Iveco. Mit 71.000 Angestellten, 62 Produktionsstätten, 10.000 Händlern und einem Jahresgewinn von 2,3 Milliarden Dollar ist CNH einer der größten Nutzfahrzeughersteller und verkauft Feuerwehrautos, Busse, Bagger, Agrarfahrzeuge, Lastwagen und Militärfahrzeuge in 190 Länder. 2011 wurde CNH von Fiat Industrial abgespalten, hat aber weiterhin denselben Mehrheitseigner, die Exor S. p. A. Die wiederum gehört der Fiat-Gründerfamilie Agnelli.

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