Nissan GT-R: Erster Fahrbericht

Die scheinbar festgefügte Sportwagen-Welt steht vor einer Neusortierung. Diesen Eindruck bekommt jedenfalls, wer die Gelegenheit hatte, den neuen Supersportler Nissan GT-R zu fahren.

Das maskulin breitschultrig geformte Coupé hat so gar nichts vom ästhetischen Reiz deutscher Supersportwagen - drängt aber dank seines überzeugenden Auftritts mitten hinein in die Ober-Liga.

Noch ist der Nissan GT-R in Deutschland ein Unbekannter - anderswo, beispielsweise in den USA, sorgte schon der Vorgänger für Furore. Der Neue hat mit 480 PS genau so viele Pferdestärken unter der Haube wie der Porsche 911 Turbo, nur in puncto Drehmoment muss er sich mit 588 statt 620 Nm geschlagen geben. Seine Kraft zieht er aus einem 3,8-Liter-V6-Biturbo, der bei niedriger Drehzahl zivil wie der Motor einer braven Familienkutsche wirkt. Erst bei 3.500 bis 4.000 Kurbelwellenumdrehungen schreit er los und begeistert mit einem unglaublich kraftvollen Antritt.

3,6 Sekunden von Null auf Hundert

Binnen 3,6 Sekunden soll er von Null auf 100 km/h sein, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 314 km/h - übrigens auch in der ab März 2009 nach Deutschland rollenden Version. Die Nürburgring-Rundenzeiten lägen - so versichern die Nissan-Techniker - bei etwas über 7:30 Minuten und damit deutlich unter denen des Elfer Turbos. Dabei glänzt der mit 20-Zoll-Rädern ausgestattete Allradler mit einem mustergültigen Fahrverhalten und klebt förmlich auf dem Asphalt.

Wir bewegten uns außerhalb dieses anspruchsvollen Geläufs - und wagten uns ins mit dem Japan-Porsche in das Verkehrsgewimmel der Millionenmetropole Tokio. Wer hätte geglaubt, dass ein so kompromissloser Sportwagen so alltagstauglich ist? Von den seitenhaltfördernden Sitzwangen eng umschlossen, ergibt sich die perfekte Sitzposition fast wie von selbst. Der Instrumententräger erinnert uns indes an das gute alte Mäusekino - mit einem vielfach veränderbaren Display, das nicht für die Navigation zuständig ist und über Ladedruck und Öldruck und -temperatur Auskunft gibt, sondern wahlweise auch über Kraftverteilung, Querbeschleunigung und Rundenzeiten informiert. Das Ganze lenkt nur ab, hier wäre weniger mehr gewesen. Noch ein Kritikpunkt ist die schlechte Rundumsicht - aber das war es dann auch schon.

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Eberhard Kittler

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Kann der Nissan GT-R dem Porsche Turbo das Wasser reichen?
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