Nissan GT-R: Japanischer Sportwagen auf dem Ring

Nissan GT-R

Sie ist schon legendär, er will es noch werden. Für Auto­Straßenverkehr trafen die Nürburgring-Nordschleife und der 485 PS starke Nissan GT-R aufeinander.

Gleich kommt sie, die Quiddelbacher Höhe, der erste Prüfstein der Nürburg­ring-Nordschleife. 20,6 Kilo­meter lang, windet sie sich durch die Landschaft, passiert Ortschaften, begleitet Land­straßen, stürzt in Senken - oder erklimmt steile Anstiege. Und wir mittendrin. Im neuen Nissan GT-R, mit dem die Ja­paner der Sportwagen-Gilde inklusive Porsche zeigen wol­len, wo der Hammer hängt. Die Leistungsdaten (485 PS) ha­ben sie vom 911 Turbo abge­guckt, das Konzept nicht: Der Motor sitzt vorn, das Doppel­kupplungsgetriebe an der Hin­terachse (Transaxle), die Kraft fließt - wie beim Porsche - an alle vier Räder.  

Mit dem sauber abgestimmten Allradantrieb bleibt der Nissan GT-R stets in der Spur

Und wie. Ungerührt erstürmt er die Quiddelbacher Höhe, igno­riert die tückische Sprungkuppe mit der darauffolgenden Rechtskurve. Wer hier einen Fehler macht, landet ein paar Meter weiter oben in der Walachei. Doch das Nissan-Fahrwerk schluckt die Unebenheiten, bleibt ruhig, so dass sich der Pilot aufs Lenken konzentrieren kann. Überraschende Heck­schwenks wie bei manchen hinterradgetriebenen Sportwa­gen sind nicht zu befürchten. Mit seinem sauber abgestimm­ten Allradantrieb bleibt der Nissan GT-R in der Spur, passiert die lange Links am Schwedenkreuz mit 260 km/h und massig Querbe­schleunigung.

Die lässt sich neben anderen Informationen auf einem großen Berührungsbildschirm im Stil einer Playstation ablesen - im Eifer des Gefechts aber nur für den Beifahrer empfehlens­wert. So erfahren wir beim An­bremsen der engen Aremberg-Kurve, dass die 380 Millimeter großen Scheiben den 1,8-Ton­ner mit fast elf m/s² zusam­menstauchen. Und während wir eben noch im Gurt hingen, schiebt uns der Nissan schon mit der Macht seiner 588 New­tonmeter in die legendäre Fuchsröhre. Mit rund 230 km/h fallen wir in die Senke, wo uns wie im Kampfjet das Blut in die Beine schießt. Trotz­dem heißt es kühlen Kopf be­wahren, denn die enge Piste verlangt exakte Manöver. 

Mit dem Nissan GT-R gelingen Querbeschleunigungen von über 1,4 g

Mit dem Nissan GT-R kein Problem. Nur auf einseitige Anregungen rea­giert er etwas biestig, ansons­ten trifft er immer die ge­wünschte Linie. Dabei schafft der Nissan GT-R mit seinen enorm griffigen Dunlop-Reifen sowohl in lang­samen wie auch schnellen Kurven Querbeschleunigungen von über 1,4 g, viel mehr als die Erdanziehungskraft. Kör­perlich spürbar, wenn der Kopf an der Seitenscheibe klebt. Im so genannten Karussell mit seinen holprigen Betonplatten sollte man zudem die Zunge drin lassen, sonst wird sie von den aufeinanderklappernden Zähnen abgebissen. Trotz sei­ner fein ansprechenden Adap­tiv-Dämpfer wird der Nissan GT-R samt Insassen bei Tempo 85 hier nämlich kräftig durchge­schüttelt. Ruhiger, aber deut­lich schneller geht es später Richtung Schwalbenschwanz.

Der Nissan GT-R durcheilt die Nordschleife in 7.47 Minuten

Wie im schnellen Vorlauf frisst der mächtige Nissan die Stre­cke, hangelt sich von Rand­stein zu Randstein, um seine Passagiere auf der langen, sanft ansteigenden Döttinger Höhe etwas verschnaufen zu lassen. Bei Spitze 275. Und schon ist sie zu Ende, eine Runde Nordschleife im Nissan GT-R. Die Zeit? 7.47 Minuten. 

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Jörn Thomas

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Kann der Nissan GT-R dem Porsche Turbo das Wasser reichen?
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