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Nissan GT-R Nismo im Fahrbericht

Mit dem 600 PS-Godzilla beim Trackday

Nissan GT-R, Frontansicht Foto: Wolfgang Groeger-Maier 20 Bilder

Ist ja schön, dass die Nissan-Jungs für 2014 an den Umgangsformen des normalen GT-R schliffen. Noch schöner: Sie gebaren den GT-R Nismo – 600 PS stark, mit steiferer Karosserie, trackdaytauglicher Fahrwerksabstimmung und UHP-Reifen. Godzilla rules!

20.01.2014 Jörn Thomas Powered by

Es dauert keine zwei Kurven auf dem Sodegaura Forest Raceway, und wir sind baff: Wie zum Henker kann dieser gut 1,7 Tonnen schwere Sportwagen-Sumo so agil um die Kurven pfeilen? Schon der Standard-GT-R genoss es ja, Traditionen zu brechen und vermeintlich unantastbaren Pistenhelden ordentlich in den Hintern zu treten. Doch wenn der Nissan GT-R Nismo loslegt, raubt es selbst Leistungsgewohnten schon mal kurz den Atem und stretcht deren Nackenmuskeln.

Nissan GT-R Nismo mit schneller Nordschleifen-Runde

Nordschleifen-Dauergäste ahnten schon so was, schließlich treiben in auffälliger Camouflage beklebte Nissan GT-R Nismo seit Längerem ihr dynamisches Unwesen auf dem Ring. Jetzt ist klar, warum: um ihn in der Hand von Werksfahrer Michael Krumm am 13. September in 7:08.679 Minuten zu umrunden. Womit Nissan die schnellste Runde für Großserienautos für sich in Anspruch nehmen darf.

Klingt etwas sperrig – aber was soll’s, Hauptsache geschafft. Fakt ist, dass die 20,8 Kilometer lange Eifelpiste japanischen Entwicklern ähnlich heilig ist wie deren Berg Fuji, ja, den Vorgänger R34 gab es sogar mal als Sondermodell Spec Nür. Und auch der aktuelle GT-R R35 genießt beim zweitgrößten japanischen Autohersteller Heldenstatus.
Wie mag das erst beim Nissan GT-R Nismo werden, der ab Sommer 2014 käuflichen Sportvariante, Basis für Krumms Nordschleifen-Turn?

Werkstuner Nismo feiert im kommenden Jahr 30. Geburtstag und hat sich und uns da mal ein Geschenk gemacht: Größere Turbolader aus dem GT-3 Renner, versorgt durch stärkere Benzinpumpen, und noch sorgfältigeres Motor-Mapping sind nur eine Seite des Nissan GT-R Nismo. Schließlich könnte man die nunmehr 600 PS und mehr als 650 Newtonmeter ohne weitere Modifikationen gar nicht ausnutzen, wie Michael Krumm zugibt. Erst zusammen mit optimiertem Fahrwerk, Reifen und Aerodynamik wird ein schlagkräftiges Paket draus.

Verklebungen an der Karosserie anstelle von Punktschweißungen

Die Verfeinerung zum Nissan GT-R Nismo beginnt bereits im Karosseriewerk, wo man der GT-R-Karosserie an neuralgischen Stellen zusätzliche Verklebungen anstelle reiner Punktschweißungen verpasste. Hinzu kommen veränderte Radaufhängungen vorn, solidere Fahrwerksschrauben (M14 statt M12) und ein geänderter Stabi, der Seitenneigung und Gewicht reduziert. Wichtig nicht nur auf der Nordschleife: fein ansprechende Federelemente, weshalb die in drei Stufen verstellbaren adaptiven Bilstein-Dämpfer ein neues Setup erhielten.

Nicht so straff wie die ersten GT-R-Generationen, dafür spürbar feinsinniger, was der Traktion zugute kommt. Ebenso wie die UHP-Reifen von Dunlop in spezieller Nismo-Konfiguration. Obwohl der Raceway nahe Tokio nur eine ernsthafte Bodenwelle enthält, wird schnell klar, dass die Entwickler die GT-R-Philosophie gekonnt weiterdrehten.

Der 1,7-Tonner zuckt nur kurz, bevor sich der Biturbo-V6 mit Allradantrieb und 20-Zöllern wieder dem gnadenlosen Herausbeschleunigen widmen kann. Okay, die 600 PS des 3,8-Liter stehen also nicht nur im Datenblatt des Nissan GT-R Nismo. Wobei Spezialist Hiroshi Tamura nachdrücklich auf den günstigen Drehmomentverlauf verweist, erst der erlaube die lineare Kraftentfaltung.

„Klanglich können wir mit dem VR38 DETT nicht ganz mithalten“

Tamura räumt auch ein, dass der Nissan GT-R Nismo klanglich nicht hundertprozentig mit den Tenören der Sportwagenbranche mithalten kann, dafür sei bei ihm alles echt und nicht per Lautsprecher eingespielt. Und ehrlich gesagt: Das animalische Fauchen und Turborauschen unter Volllast hat schon was.Der Punch sowieso. Tamura hat recht, vor allem im mittleren Drehzahlbereich stempelt der Nismo seinen Piloten in die Recaro-Schalen.

Damit das Drehmoment auf dem Asphalt ankommt, schickt der Allradantrieb im Normalfall die komplette Kraft an die Hinterachse des Nissan GT-R Nismo. Und, wenn nötig, bis zu 50 Prozent nach vorn. Beim Rekordwagen sogar noch früher, wie Michael Krumm berichtet. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe könnte zwar noch einen Tick verschliffener arbeiten, lädt die Gänge jedoch flink und effizient nach. Leichtes Ruckeln im Stop-and-go-Betrieb? Geschenkt, wir halten die Drehzahlmessernadel zwischen 4.000 und 6.000 Touren, lassen VR38 DETT aus voller Kehle und den vier Endrohren fauchen und uns Richtung nächster Kurve pushen.

Nissan GT-R Nismo fühlt sich leichter an

Anbremsen, einlenken. Holla, hat der Sumo etwa Diät gemacht? Es fühlt sich an, als ob mindestens drei Zentner in Yokohama liegen geblieben wären. Sind sie aber nicht, das größte Gewicht-Sparpotenzial liegt in der herausnehmbaren Rücksitzanlage. Doch eigentlich hat man sich nur weiter der Philosophie gewidmet, das Gewicht gemeinsam mit dem Abtrieb in Dynamik umzusetzen.

So wie es Mizuno-San, der inzwischen pensionierte Schöpfer des GT-R (R35), einst erdachte. Und es funktioniert besser denn je, willig lässt sich der Nissan GT-R Nismo in die Kurve hineinbremsen, hält wie betoniert die Linie, setzt sich richtig rein und zieht mit mächtig Schwung raus. Das Eigenlenkverhalten bleibt neutral, man spürt, dass der Grenzbereich des Nismo ein ganzes Stück weiter oben liegt.

Dabei sind es auch Kleinigkeiten, die das Leben an Bord des Nissan GT-R Nismo weiter erleichtern: das griffigere Sportlenkrad mit Alcantara-Bezug oder die Recaro-Schalensitze aus karbonfaserverstärktem Kunststoff. Die neu geformten Teile, wie Frontspoiler, Kotflügel vorn, Schweller und Diffusor, bestehen ebenso daraus wie der Kofferraumdeckel und der Heckflügel.

Scharfes Nismo-Time-Attack-Paket für den GT-R

Jener unterscheidet nicht nur den Nissan GT-R Nismo vom normalen GT-R, sondern auch vom Time-Attack-Paket, das Nissan dem im Sommer 2014 erscheinenden Nismo nachschieben will. Es erhält einen in Höhe und Anstellwinkel einstellbaren Heckflügel sowie zusätzliche Aerodynamik-Anbauteile. Sogar eine für Fahrten im Straßenverkehr abnehmbare Spoilerlippe als Motorhaubenabschluss dürfte dabei sein. Und damit schnelle Jungs nicht im Dunkeln stehen, strahlt schon der Standard-GT-R serienmäßig mit adaptiven LED-Scheinwerfern, die neben besserer Ausleuchtung auch ein gesteigertes Überholprestige liefern dürften.

Denn schnell kann er auch, deutlich über 300 km/h soll der Nissan GT-R Nismo marschieren und dabei dank der aerodynamischen Veränderungen 100 Kilo Extra-Abtrieb generieren. Das können wir in Sodegaura nicht ausloten, mehr als Tempo 200 ist nicht drin. Wird Zeit, dass der Nismo zu uns in den Supertest kommt. Wir freuen uns drauf.

Komfortablerer „Normalo“-GT-R im Modelljahr 2014

Mit dem Modelljahr 2014 bietet Nissan den GT-R in zwei Varianten an. Neben dem ab Sommer erhältlichen stärkeren und sportlicheren Nismo soll das bereits ab Frühjahr käufliche Standardmodell stärker Richtung GT tendieren. Die Motorleistung von 550 PS bleibt gleich, dafür widmete man sich dem rauen Charakter von Godzilla. Das Ziel: die mechanischen Geräusche von Kraftübertragung, Fahrwerk und Reifen reduzieren sowie die Fahrbarkeit verbessern. Dazu veränderte man die Abstimmung von Federn und Dämpfern, sie arbeiten jetzt sanfter und mit größerem Weg.

Ein neues Reifenprofil soll die Rückmeldung ebenso verbessern wie Versteifungen am Chassis. Zudem verspricht Nissan ein harmonischeres Ansprechen von Bremsen und Lenkung sowie verbesserte Richtungsstabilität. Obwohl wir bei einer kurzen Testfahrt in Japan sogar für einen Moment den Tacho aus den Augen ließen – allzu groß sind die Unterschiede des 2014er Nissan GT-R zum Vormodell (hier im Supertest) nicht. Etwas leiser wirkte er allerdings, und das Türschließgeräusch kommt eine Spur satter rüber. Fazit: Der besondere Charakter blieb erhalten. Wenn das mal keine gute Nachricht für den Godzilla- Freundeskreis ist. Glatt gelutschte Sportler gibt es ja schließlich schon genug.

Fazit

Der Baureihensplit beim GT-R ist konsequent: das im Wettbewerbsumfeld preiswerte Standardmodell als Alleskönner mit zarten Ecken und Kanten, der teurere Nismo als fähige Sportskanone mit hoher Alltagskompetenz. Und wem das nicht reicht, der packt für die ultimative Nordschleifen-Zeitenhatz noch das Time-Attack-Paket obendrauf.

Technische Daten
Nissan GT-R Nismo
Grundpreis149.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4680 x 1895 x 1370 mm
KofferraumvolumenVDA315 L
Hubraum / Motor3799 cm³ / 6-Zylinder
Leistung441 kW / 600 PS (652 Nm)
Höchstgeschwindigkeit315 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h2,7 s
Verbrauch11,8 L/100 km
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