Die Nummer mit der Drahtbürste hat was. Thomas Ebeling von Nissan Europa schmirgelt fiese Schlieren in die Murano-Heckklappe. Auf einer Fahrzeugpräsentation muss das einen Grund haben, und der ist schnell ausgemacht: etwas heißes Wasser über die Stelle, abtrocknen, und schon glänzt das Silbermetallic wieder wie zuvor.
Ein neuer, elastischer Kunstharz- Lack, der sich unter Wärmeeinwirkung selbst repariert, nimmt kleinen Kratzern den Schrecken. Doch Nissan hat beim neuen Murano nicht nur den Lack aufpoliert. Mit seiner spitz zulaufenden D-Säule und den wuchtigen Radhäusern soll der um 65 Millimeter auf 4,83 Meter gewachsene SUV stilistisch zwar an den Vorgänger anknüpfen, die gepfeilte Chromschnauze samt den spitzen Lichtern lässt ihn aber noch futuristischer aussehen.
Edel-SUV mit zahlreichen Helferlein
Größerer Handlungsbedarf bestand allerdings im Innenraum, wo beim Ur-Modell zu viel grobes Hartplastik Premiumgefühle unterband. Jede Menge Leder, Chrom- und Aluminiumdekor schaffen nun eine deutlich behaglichere Atmosphäre. Dennoch dürften die Kuhhäute an den bequemen Lounge-Sesseln ruhig etwas weniger glatt und aseptisch wirken. Passend zum feineren Interieur wurde auch die Ausstattung veredelt.
In der Executive-Version kümmern sich zahlreiche Helfer um einfache Handhabung: Neben der motorisch betätigten Heckklappe, die auch auf Kommandos der Schlüsselfernbedienung reagiert, surrt sogar die Rückbank nach dem Umklappen elektrisch in ihre Ausgangsposition zurück. Und da der Trick mit dem selbstreparierenden Lack nur bei kleinen Kratzern funktioniert,ergänzt eine Kamera im rechten Außenspiegel das Rückfahrauge um eine Seitenansicht. Das ist mehr als eine Spielerei, weil der Nissan-SUV zwar reichlich Platz und bequeme Sitze für fünf Passagiere bietet, aber auch sehr unübersichtlich geriet.
Speziell sein toter Winkel nach schräg hinten verschluckt schon mal einen kompletten Kleinwagen. Zur komfortablen Ausstattung passen der leicht modifizierte, von 234 auf 256 PS erstarkte 3,5-Liter-V6 sowie das ebenfalls überarbeitete stufenlose CVT-Riemengetriebe geradezu ideal. Damit setzt sich der Allradler auffallend leise, wenngleich nicht allzu stürmisch in Bewegung.
Ende 2009 soll ein Diesel die Antriebs-Monokultur beenden - wichtig für einen größeren Erfolg auf den europäischen Märkten. Ob als Vier- oder Sechszylinder steht noch nicht fest, wohl aber dass der Selbstzünder mit einer Wandler-Automatik kommt. Das CVT-Getriebe verträgt nämlich maximal 380 Nm - zu wenig für einen standesgemäßen Diesel. Auch bei der Fahrwerksauslegung stand nervenschonendes Reisen im Vordergrund:Verschlissene Asphaltdecken werden höchstens beiläufig wahrgenommen, größere Wellen schluckt der 1,9-Tonner souverän.
Im Vergleich zu SUV-Dynamikern à la BMW X5 ruft er dafür in zügig durchfahrenen Kurven schon früh mit Untersteuern und wimmernden Reifen zur Mäßigung. Falls der Fahrer diesem Appell nicht nachkommt, ziehen starke ESP-Eingriffe rigoros den Fahrspaß-Stecker. Im normalen Betrieb fährt der Murano wie viele seiner Artgenossen als reiner Fronttriebler. Reicht die Traktion der Vorderachse nicht mehr aus, leitet eine Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent der Motorkraft an die Hinterräder weiter. Trotz deutlich verbesserter Ausstattung steht der Murano II ab Ende September für unverändert 46.740 Euro beim Händler, die Executive-Version kostet 3.800 Euro Aufpreis.






