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Nissan NP300 Navara Pickup im Fahrbericht

So geschmeidig fährt der neue Navara

Nissan NP 300 Navara Pickup Fahrbericht Foto: Holger Schaper 22 Bilder

Revolution in der Pickup-Szene: der neue Nissan Navara kommt mit Schraubenfedern. Das haben wir ausprobiert, und den Rest des nagelneuen NP300 natürlich auch.

16.11.2015 Torsten Seibt 1 Kommentar Powered by

Bei den Midsize-Pickups haben wir lange darauf gewartet: als 2009 bei Chrysler der neue RAM-Pickup mit Schraubenfedern an der Hinterachse auf die Bühne der Detroit Autoshow fuhr, klang das nach einem Weckruf für die Branche. Doch nicht nur bei den dicken Brummern, auch bei den im Rest der Welt beliebteren mittelgroßen Pickups blieb es weiterhin bei der Postkutschentechnik für die Hinterachsen. Denn eine Starrachse mit einem Blattfederpaket nicht nur zu federn, sondern gleichzeitig zu lenken, spart ganz einfach Entwicklungs- und Produktionskosten, und Pickups werden mit der ganz spitzen Feder kalkuliert.

Nun ist es also soweit und mit Nissan der erste Anbieter im Midsize-Segment auf dem Markt, der sich von der Antikfederung verabschiedet. Längs- und Querlenker, Schraubenfedern, die Starrachse klingt jetzt schon auf dem Papier der technischen Beschreibung viel komfortabler als zuvor.

Warum der neue Navara übrigens vollständig „Nissan NP300 Navara“ heißt, ist schnell erklärt: wie zuvor, als das Vorgängermodell MD22 als günstige Einstiegsvariante gleichzeitig zum aktuellen Navara angeboten wurde, bleibt auch der (noch) aktuelle Navara MD40 weiter lieferbar, wenn Anfang 2016 die Auslieferung der neuen Generation beginnt.

Nissan Pickup Navara / NP 300 Modelljahr 2015
Der neue Nissan Navara 2015 3:41 Min.

Nissan NP 300 Navara Pickup – vierte Generation

Keine Experimente: das steht als großes Thema über der vierten Generation des Nissan Navara. Keine revolutionär neue Optik, sondern eine moderne Interpretation des bekannten Outfits stand für die Designer auf dem Programm.
 
Bei der Frontgestaltung wurden Anleihen beim (in Westeuropa nicht mehr angebotenen) Nissan Patrol genommen. Dazu gehört der Chrom-Kühlergrill mit zwei „Kammern“ neben den Streben und die üppigen, trapezförmigen Chromeinfassungen für die Nebelscheinwerfer in der weit  nach unten gezogenen Schürze. Die Scheinwerfer des Nissan Navara Modelljahr 2016 mit markanter LED-Tagfahrlichtumrandung sind weit nach hinten, die Motorhaube an den Seiten nach oben gezogen, was der Frontpartie eine abgestufte Optik verleiht.

NissanDouble-Cab Single-TurboDouble-Cab Twin-Turbo
Motor:R4-TurbodieselR4-Biturbodiesel
Hubraum:2.298 ccm2.298 ccm
Leistung:160 PS190 PS
Drehmoment:403Nm450 Nm
Getriebe6Gang-Schaltung6G.-Schalt./7G.-Autom.
Beschleunigung 0-100 km/h12,0 s10,8 s/k.A.
vmax172 km/h184/180 km/h
Normverbrauch6,4 l6,4/7,0 l
CO2 g/km169169/183
Abmessungen L/B/H5.330/1.850/1.805 mm5.330/1.850/1.810 mm
Ladefläche L/B/H1.560/1.130/474 mm1.560/1.130/474 mm
Leergewicht1.948 kg1.963
Zuladung1.062 kg1.047 kg
max. Anhängelast3.500 kg3.500 kg
Preis Visia29.295 EUR
Preis Acenta31.144 EUR33.029 EUR / –
Preis N-Connecta34.294 EUR36.095 / 37.745 EUR
Preis Tekna38.175 EUR39.974 / 41.625 EUR

Optisch keine Experimente

In der Seitenansicht fällt die gestrecktere Optik auf. Die wird durch kleinere, weiter nach oben gezogene Fensterflächen erreicht und durch die im oberen Bereich längs abgestufte Motorhaube noch unterstrichen. Wie beim Vorgänger steigt die Fensterlinie ab der B-Säule nach hinten an, allerdings in einem weniger steilen Winkel. Die A-Säule ist – auch für einen günstigeren Luftwiderstand – weiter nach hinten geneigt, die Stufe vom Kabinendach zur Pritschen-Oberseite ist nicht mehr so ausgeprägt. Ebenfalls dem cw-Wert geschuldet ist eine neue Gummilippe, die den Spalt zwischen Kabine und Pritsche reduziert.
 
Die Heckansicht ähnelt dem Vorgänger, allerdings fehlt die großflächige Kunststoffabdeckung am Klappengriff und die Rücklichter sind weit nach vorne gezogen. Die Heckklappe des neuen Nissan Navara 2016 ist oberhalb des Griffs mit einem „Spoiler“ versehen.
 
Die Cockpit-Gestaltung des neuen Nissan Navara hat aktuelle Nissan-SUV als Vorbild. So entspricht das Multifunktionslenkrad im Design jenem im neuen Nissan Qashqai, zwei Rundinstrumente rahmen einen zentralen Farbbildschirm ein, der mittige Armaturenträger wurde gründlich entschlackt. Unterhalb des Multimediaschirms befindet sich die Bedieninsel für die Klimasteuerung, auf dem Armaturenbord ist jetzt wie beim VW Amarok eine Ablageschale mit 12V-Steckdose untergebracht. Die Verarbeitung im Vorserien-Testwagen ist einwandfrei, alles fasst sich gut an, das Material entspricht dem Preisniveau.

Kleine Sensation: Twin-Turbo und Schraubenfedern

Technisch läuft es in vielen Details, jedoch nicht ausschließlich traditionell beim Nissan NP300 Navara. Der Pickup ist weiterhin mit dem klassischen Zuschalt-Allrad mit Untersetzung ausgestattet, der per Drehschalter aktiviert wird. Wahlweise stehen Schalt- und Automatikgetriebe zur Verfügung. Unter der Haube kommt ein neu entwickelter 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel zum Einsatz. Zwei Leistungsstufen sind verfügbar: 160 PS/403 Nm und 190 PS/450 Nm. Die stärkere Variante verfügt über einen Biturbo. Dazu gesellen sich auch neue Getriebe: ein Sechsgang-Handschalter und wahlweise eine siebenstufige Automatik, die sich aber nur mit der 190-PS-Variante bestellen lässt. Und eben die Schraubenfeder-Hinterachse: die besitzen exklusiv alle Doppelkabiner-Modelle, während die Anderthalb-Kabiner (KingCab) weiterhin mit Blatfederpaketen unterwegs sind.

Innerorts, Überland, Geländeparcours: meine erste Ausfahrt mit dem neuen Nissan NP 300 Navara hat alle Aspekte zu bieten, um die neue Technik im Heck einschätzen zu können. Und der Aha-Effekt folgt wirklich bereits auf den ersten Metern, wo einige Kanaldeckel und ein Bahnübergang den zuvor bewegten Blattfeder-Kingcab in der üblichen Pickup-Weise zum Rumpelfüßler geraten ließen.

Riesenfortschritt beim Komfort

Der Doppelkabiner, schraubengefedert und präzise angelenkt, schreitet dagegen sehr souverän über die Unebenheiten, keilt nicht aus, wippt nicht nach. Auch wenn spürbar ist, dass da hinten eine beleibte, schwere Starrachse im Zaum gehalten werden muss – der Komfortgewinn ist ein Riesenunterschied.

Gleiches gilt auch für den Geländeteil der ersten Testfahrt. Geröll, größere Findlinge, ein paar knackige Abfahrten: Obwohl unbeladen und daher noch verhältnismäßig steifbeinig, er hat eindeutig den Flow, der neue Nissan NP 300 Navara. So geschmeidig, wie er durch das Gelände fließt, verschränkt er auch: Trotz hinterem Stabi ist der Ein- und Ausfederweg beachtlich und dem Blattfedermodell klar überlegen. Die Hinterachssperre kann bei dieser ersten Testfahrt ausbleiben, sie ist arbeitslos.

Auf der Straße überzeugt neben dem klar besseren Fahrkomfort auch die bessere Achsführung an der Hinterhand, was zu einem präziseren Fahrgefühl und bei engagierter Kurvenfahrt außerdem zu einem sauberen „Strich“ führt.

Neuer Dieselmotor im Navara

Die neue Maschine, im Testwagen war der 190 PS-Biturbo verbaut, macht ihre Sache ganz gut, ohne dabei spektakulär zu wirken. Der Druck bei niedrigen Drehzahlen ist vorhanden und es geht rasch vorwärts, eine Rakete ist der Navara in Verbindung mit der ebenfalls neuen Siebenstufen-Automatik jedoch nicht. Klar ein Nutzfahrzeug, moderne SUV fahren mit ähnlicher Leistung erheblich dynamischer als der Fünfmeter-Dampfer. Ein bisschen schade, wo sie ihm schon so viele neue Technik eingebaut haben: es gibt auch weiterhin keinen permanenten Allradantrieb.

Praktisch beim parken, im Gelände und beim ankuppeln von Anhängern: Das internettaugliche NissanConnect-System kann um einen „Arroundview“-Modus erweitert werden, der den Wagen mit vier Kameras aus der Vogelperspektive auf dem Monitor abbildet. Ohne dieses System kann eine Rückfahrkamera geordert werden, die ihr Bild im Innenspiegel darstellt. Bemerkenswert: Der neue autonome Notbremsassistent ist bereits bei der günstigsten Visia-Ausstattung verbaut, ebenso wie Bergan- und -abfahrassistent, Sitzheizung und ein freisprechtaugliches Radio. Dafür muss man im Visia mit offenen Fenstern für Kühle sorgen, eine Klimaanlage gibt es erst ab der Acenta-Ausstattung.

Im Doppelkabiner nimmt Nissan mehr Rücksicht auf die hinten reisenden Passagiere als beim Vorgänger. Das zeigt sich in der bequemeren Lehnenneigung der Sitzbank und der eigenen Klima-Steuerung in der Mittelkonsole: der neue NP 300 Navara soll auch im Familieneinsatz punkten. Und damit der Familienfrieden auch im Falle eines Defekts nicht nachhaltig gestört wird, hat Nissan nun bei der Werksgarantie ordentlich nachgelegt. Fünf Jahre oder maximal 160.000 Kilometer steht Nissan künftig für Fehler am NP300 Navara gerade. Das gilt übrigens auch für den bisherigen Navara und ist im Nutzfahrzeugbereich eine recht generöse Regelung.

Die Preisspanne des neuen Nissan NP300 Navara ist relativ übersichtlich, sie reicht von rund 30.000 Euro für den einfach ausgestatteten 160-PS-Doppelkabiner bis zu rund 40.000 Euro für die Topversion mit 190 PS und voller Tekna-Ausstattung. Beim blattgefederten KingCab. ausschließlich mit dem 160-PS-Turbodiesel zu haben, startet es für die Allradversion bei 27.400 Euro.

Fazit:

Ein erheblicher Komfort-Gewinn, moderne Ausstattung und ab sofort fünf Jahre Garantie. Gut möglich, dass der neue Nissan NP300 Navara im kommenden Jahr bei den Pickup-Verkäufen kräftig abräumt. Das Gesamtpaket passt. Lange Lieferfristen sind hoffentlich nicht zu befürchten, denn die Europamodelle kommen ausnahmslos aus dem spanischen Nissan-Werk nahe Barcelona.

Technische Daten
Nissan Navara NP300 Double Cab 2.3 dCi VISIANissan Navara NP300 Double Cab 2.3 dCi ACENTA
Grundpreis29.295 €33.030 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5330 x 1850 x 1805 mm5330 x 1850 x 1805 mm
Hubraum / Motor2299 cm³ / 4-Zylinder2299 cm³ / 4-Zylinder
Leistung120 kW / 160 PS (403 Nm)140 kW / 190 PS (450 Nm)
Höchstgeschwindigkeit172 km/h184 km/h
Verbrauch6,4 L/100 km6,4 L/100 km
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    Neuester Kommentar

    Ich habe den D23 bestellt und sollte ihn im Juli 2016 geliefert bekommen. Auf Nachfrage sagte der Verkäufer dass sich die Ausliefeung um einen Monat verzögert weil Nissan nochmal die Software für die Motorsteuerung ändert. Nach schlechten Erfahrungen mit dem MD 22, der Motor hat sich nach 120 Tkm mit krummer Kurbelwelle, Hitzerissen im Zylinderkopf und ein paar Kleinteilen in der Ölwanne verabschiedet, komme ich ins grübeln, ob die Bestellung schlau war. Der D40 hat bis jetzt 100 Tkm prima gehalten. Kann die Redaktion die Ursache für die Softwareänderung mal beleuchten?

    ibW 11. Juli 2016, 17:30 Uhr
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