Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Nissan Skyline GT-R im Fahrbericht

Hakosuka!

Nissan Skyline GT-R, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 4 Bilder

So lautet der Spitzname des Nissan Skyline 2000 GT-R Coupé von 1970, dem Uropa des heutigen GT-R. In Japan sind sie heilig und werden nur selten ins Ausland verkauft. Wir haben eines der frühen Skyline Coupés in Amerika aufgestöbert.

18.09.2013 Dani Heyne Powered by

Die halbe Nacht hat Paul mit der Benzinpumpe gekämpft. Das war so nicht geplant. Eigentlich wollte der 41-Jährige sein silbernes Baby nach der Spätschicht in der Werkstatt nur kurz entstauben und den Ölstand checken. Letzte Vorbereitungen für unser Fotoshooting. Doch als er den Nissan Skyline aus der Garage holte, sägte dessen Reihensechser wie eine Kettensäge mit Schluckauf. Also zog sich Paul die Latzhose wieder an und startete mit der Fehlersuche: „Nach zwei Stunden schnurrte er wieder friedlich.“

Geschichte des Nissan Skyline GT-R

Paul ist offensichtlich schon viel zu lange mit dem Kätzchen zusammen, denn was für ihn unter schnurren fällt, läuft bei uns unter Fauchen. Ein durchaus passender Sound für einen Skyline GT-R der frühen 70er Jahre. Warum? Kurzer Rückblick: Es war die japanische Marke Prince, die den Skyline einst entwickelte und als Limousine einführte. 1963 entstand eine Coupé-Version – der erste Sportwagen Japans überhaupt. Keine vier Jahre später kaufte Nissan den Laden und integrierte die meisten Prince-Modelle ins eigene Programm. Heute sind drei frühe Skyline- Versionen besonders begehrt: die Generation „Prince“ bis 1968, die meistgefragte Version „Hakosuka“ (1969 bis 1972) und der „Kenmeri“ (1973 bis 1977).

Paul steht mittlerweile unter einer Palme nördlich von San Diego und schlürft einen Kaffee, vor ihm knistert der Nissan Skyline. Obwohl der Tag keine fünf Stunden alt ist, hüllt die Sonne das Coupé bereits in warmes Licht.

Mix aus GT und GT-R

„Es ist kein echter GT-R, sondern ein optimierter GT“, fängt Paul an, ohne traurig zu klingen. „Ein Original dieses Baujahres ist extrem selten und sauteuer“, erklärt er. Der Unterschied zwischen GT und GT-R? Letztere Version trug neben den auffälligen Radverbreiterungen, Front- und Heckspoilern und speziellen Speichenrädern den begehrten Zweiliter-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und drei freundlichen Weber-Vergasern. Ein scharfes Teil, bekannt für sehr schnelle Gasannahme und hohe Drehzahlen.

Mit seinen 160 PS schob sich der 1100 Kilo leichte Skyline damals sehr erfolgreich um die japanischen Rennstrecken und machte sich unsterblich.

Pauls Modell ist ein Skyline GT Coupé (gab es auch als Limousine), der original ebenfalls mit Heckantrieb, Schräglenker hinterachse und einem Sechszylinder bestückt war. Pauls 200 PS starker Motor stammt jedoch aus einem 1997er Skyline. Das Triebwerk vermählte der GT-R-Fan anschließend mit einem Fünfganggetriebe, wie es auch der Ur-GT-R trug. Zudem montierte er – wie in Japan üblich – den Bodykit des GT-R inklusive den originalen Watanabe Type-R Felgen in den Dimensionen 8,5 x 15 (vorn) und 10,5 x 15 (hinten). Fertig war sein GT-X – ein Mix aus GT und GT-R.

Wie er fährt? Vor allem die E 30-Fans unter uns würden ihn lieben, denn er beschert ein ähnliches Fahrgefühl wie der kantige 3er-BMW. Die technischen Zutaten sind ja auch erstaunlich ähnlich – nur dass Nissan alles schon ein paar Jahre früher servierte ...

Nach dem Kaffee nimmt Paul auf dem Beifahrersitz Platz, zwinkert und befiehlt auf der ersten langen Geraden Vollgas.

Mythos Skyline GT-R

Das kann er haben. Bis 2000 Umdrehungen bleibt der Motor angenehm entspannt und grummelt. Bei 4000 Touren beginnt er ordentlich zuzupacken und legt bis 7000 Umdrehungen nach.

Zum brutalen Antritt gibt es einen wunderbar mechanischen Sound. Der Wagen faucht und dreht wie ein besseres Bike und lässt die Bodenbleche vibrieren. Im zweiten Gang holt der Skyline wie ein hungriges Tier Anlauf und lässt im Übergang zur dritten Stufe die hinteren Pneus aufjaulen. Die fangen sich aber sofort wieder – der Spaß an der Drehzahl beginnt erneut.

„In Japan trifft man sich mit alten Skyline gern bei Nacht und fährt kleine Sprintrennen“, erzählt Paul, der von 1977 bis 1989 in Okinawa gelebt hat und den Kult dieser Autos aufsog. Sein Baby fand er erst 2003 – ohne Motor, Getriebe, Räder und Innenausstattung. Mit Hilfe von Freunden kam er an alle fehlenden Teile.

Nun träumt er noch von einem originalen GT-R Motor. „Ich bin kurz davor“, schmunzelt er und verabschiedet sich mit einem lupenreinen Burnout.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote