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Opel Adam, Frontansicht 58 Bilder Zoom

Opel Adam im Fahrbericht: Eva kann Adam erschaffen, wie sie will

Der neue Stadtflitzer Opel Adam zielt mitten ins weibliche Herz. Ob die Evas seinem Reiz verfallen zeigt unser Fahrbericht im portugiesischen Lissabon.

Im Juni 1988 war Lifestyle einfach. Damals genügte es, Stefanie Maria Graf auf der Motorhaube eines tennissocken-weißen Corsa A zu drapieren, ein pixeliges Dekor auf die Flanke zu kleben (also dem Corsa) und das Ganze dann als Opel Corsa Steffi Special zu verkaufen. Heute reicht Tante Corsa nicht mehr aus, um stylemäßig vorn mit dabei zu sein. Dafür liefert der Kleinwagen das Unterzeug für den Opel Adam.

Der übernimmt Antrieb, Fahrwerk und auch das etwas gemütliche Wesen des großen Bruders. 30 Zentimeter weniger Länge und der um 20 Zentimeter gekürzte Radstand mindern zwar Ladeabteil und Rücksitzraum erheblich, das Gewicht aber nur um rund 35 Kilo. Also kaum Erleichterung für den 1,4-Liter-Vierzylinder mit 87 PS, dem das kurz gestufte Fünfganggetriebe über seine Durchzugsschwäche hinweghilft. So stemmt sich der Opel Adam energisch von Ampeln weg und flitzt temperamentvoll durch die Stadt, kommt aber auf der Autobahn ins Dröhnen. Schon bei Richttempo tourt der Sauger bei knapp 4.000/min.

Langstreckenpotenzial als einzige Einschränkung

Es bleibt die einzige Einschränkung im Langstreckenpotenzial des Opel Adam, der Pilot und Co ungedrängt auf bequemen Sitzen platziert. Selbst mit dem Sportfahrwerk (Serie ab 17-Zoll-Rädern) und trotz des knappen Radstands bietet er einen für die Klasse guten Federungskomfort. Opel selbst hält ihn darüber hinaus für besonders dynamikbegabt.

Tja nun, da zeigt sich wieder mal der Unterschied zwischen Handling und Handlichkeit. Ja, der Opel Adam wuselt trotz seiner Breite von 1,72 Meter (Fiat 500: 1,63 Meter) locker und wendig durch die Stadt, lässt sich mit der zuschaltbaren und besonders leichtgängigen Stadtkennlinie seiner elektrischen Servolenkung mit einem Finger in Parklücken kurbeln. Doch auf etwas engagierter gefahrenen Landtouren stört ihre geringe Rückmeldung. In Kurven schubbert der Adam buglastig mit den Vorderrädern zum Kurvenrand, wird dabei vom rigiden ESP früh auf Linie zurückgebremst. Alles gut abgestimmt und passend für die Zielgruppe aus Fahranfängern und Wenigfahrern, aber eben eher maximal sicher als ein wenig herausfordernd wie der Mini.

Das gelingt besser mit dem günstigen, leicht bedienbaren Infotainment, den attraktiven Preisen und dem enormen Individualisierungspotenzial. Opel errechnete eine knappe Million verschiedene Möglichkeiten, den Opel Adam zusammenzustellen. Beim Corsa Steffi Special gab es gerade mal sechs.

Opel Adam auf Stadttour in Lissabon

Ein erster Blick, und es gibt keinen Zweifel: Dieser Opel Adam ist durchaus ein Charmeur. Ein Typ, der auffällt, mit guten Konturen. Nicht groß, aber kräftig gebaut. Er steht an der Straße, als hätte er auf mich gewartet, und sein vorwitziges Grinsen macht mir Hoffnung. Es ist Herbst in Lissabon, ein lauer Wind streicht heran, er duftet nach Grillsardinen und Jacaranda. Zeit, die Stadt gemeinsam zu erkunden. Ein schicker kleiner Stadtflitzer von Opel? Bisher stand die Marke vor allem für funktionale Solidität. Das soll sich nun ändern. Das Unternehmen macht sich bereit, ins Segment der Lifestyle-Modelle vorzustoßen. Doch wie attraktiv wirkt er auf moderne Frauen? Lissabon scheint wie gemacht für die Suche nach Antworten: eine pulsierende Stadt mit einer unnachahmlich lässigen Eleganz, mediterrane Prachtmetropole und Zentrum für junge Kreativität.

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Auf dem Praça Luis de Camões stockt der Verkehr; wir schieben uns mit dem Opel Adam durch das Gedränge zur apricotfarbenen Fassade des Hotels Barrio Alto voran. Dort begegnen wir der ersten Eva dieses Tages. Maria Machado steht neben einem livrierten Concierge und sagt: "Wir haben uns gerade schon über das Auto unterhalten." Maria kennt sich aus in Fragen von Stil; sie ist in dem edlen Boutique-Hotel für Guest Relations zuständig und nähert sich dem Wagen auf Pfennigabsätzen. Ihre schmale Silhouette spiegelt sich in der gewölbten Motorhaube mit dem markanten Knick in der Mitte. Sie lässt die kompakte Form auf sich wirken, den Kontrast zwischen feuerrotem Unterteil und schwarzem Dach, die Zierclips an den Felgen, das knackige Heck. "Ziemlich cool und sportlich", sagt Maria. "Er gefällt mir sehr, vor allem die zweifarbige Lackierung. Und mit seiner Größe ist er ideal für Lissabon."

Opel Adam mit glänzendem Klavierlack im Innenraum

Dann fällt ihr Blick durch das Seitenfenster auf den glänzenden Klavierlack im Opel Adam. "Komm mit, ich zeig dir was." Dann führt sie hinein, durch die Lobby in die Bar des Hotels. In der Mitte steht ein Tisch wie ein riesiger Seestern mit weit ausgreifenden Armen – aus Klavierlack. "Sieht toll aus, oder? Ein Designerstück", meint Maria. "Nur die Putzfrau hat eine Heidenarbeit damit."

Adam und ich ziehen am Tejo entlang, über uns kreisen Möwen. Wir biegen in ein weit verzweigtes Netz aus verwinkelten Gassen ein. Überall leuchten bunte Kacheln an baufälligen Häusern. Das Nachmittagslicht bricht sich in den glasierten Fassaden. Von links nähert sich die zitronengelbe Straßenbahn, die berühmte Linie 28. Wir folgen ihr eine Weile bergauf und bergab. Leichtes Herzklopfen stellt sich ein. Adam ist der perfekte Begleiter für ein paar unbeschwerte Stunden. Oder vielleicht mehr? Nahe dem Praça do Comércio erstreckt sich eine Zeile Fischrestaurants und Straßencafés. Rafaella Duvalli legt das Besteck auf den Tischen der Taberna Moderna zurecht. Die brasilianische Gastarbeiterin tritt vor das Lokal. Als sie den Opel Adam sieht, beginnt sie zu strahlen. "Wow", haucht sie, "wunderschön."

31 Rad-Varianten und Felgen-Zierclips in sechs Tönen

Es gibt zwölf Farben, dazu drei Dachlackierungen, mit 31 Rad-Varianten und Felgen-Zierclips in sechs Tönen. So kann jede Eva ihren persönlichen Adam erschaffen. Rafaella ist das egal, sie ist der Verführung bereits erlegen. Sie lässt sich auf den Sitz sinken, streichelt den Stoff auf der poppig blinkenden Konsole mit den Fingerspitzen, ihr Blick tastet über das Lederlenkrad, über Ziernähte und Chromleisten. Sie legt den Kopf in den Nacken, um das Schachbrettmuster auf dem Dachhimmel zu sehen. "Wenn ich so ein Auto hätte", seufzt sie, "würde ich jeden Tag damit fahren." Sag, Rafaella, was ist dein größter Traum im Leben? "Sonho de Vida", wiederholt sie verwundert. Schulterzucken. Dann wird sie unruhig, sie muss wieder los. Im Gehen wendet sie den Kopf, schaut dem Opel Adam ein letztes Mal nach.

Wir machen uns auf den Weg hinunter zum Wasser. Auf dem Gelände LX Factory nahe dem Hafen, einem stillgelegten Industriekomplex, ist die Moderne eingezogen. In ehemaligen Speichern und Produktionshallen haben Architekturbüros, Cafés und Galerien eröffnet. Die Licht-Designerin Barbara Rodriguez blickt von ihrem Schreibtisch auf, als der OpelAdam vor dem Fenster ihres Büros über das Kopfsteinpflaster holpert. Sie läuft zur Tür und ruft: "Ich stehe total auf Autos! Lass mich mal sehen." Barbara schreitet den Opel Adam der Länge nach ab. "Er ist niedlich, aber gut gemacht", meint sie, "ich mag ihn." Ob so ein kleiner Adam genug Raum bietet? Diese Eva lässt sich nicht so leicht blenden. Sie öffnet die Tür und späht prüfend hinein. "Das ist eine Menge Platz – dafür, dass das so ein kleines Auto ist." Schnell sind die wichtigen Punkte abgehakt: Der Fahrersitz ist bequem, die Beinfreiheit passt, das Lenkrad lässt sich genau in der richtigen Höhe fixieren. Praktisch wäre so ein Citycar, überlegt Barbara, mit ihrem Van findet sie nirgends einen Parkplatz auf dem Fabrikgelände. "Also nehme ich an den meisten Tagen den Zug, um zur Arbeit zu kommen."

Adam bringt mich noch einmal hoch in die Oberstadt. Wir haben keine Route abgesteckt, wir lassen uns treiben. Vor dem Miradouro do Torel breitet sich ein Ausschnitt der Stadt aus, rote Ziegeldächer, schwarzweiße Mosaike auf den Plätzen. Es wird spät, bald müssen wir Abschied nehmen. Aber nicht jetzt. Jetzt gibt es nur diesen Moment, mit Opel Adam und dem Blick auf Lissabon, in der Stille des Abends.

Autor

,

Foto

Hardy Mutschler

Datum

4. Dezember 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 25/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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