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Bezahlbares Kult-Coupé der 90er

Der beste Opel Calibra für Sie

Opel Calibra, Frontansicht Foto: Archiv 25 Bilder

Es ist still geworden um bürgernahe Coupés. Kaum jemand baut sie noch. Das war in den 90ern anders, und mit dem Calibra hatte Opel einen erfolgreichen Familiensportler im Programm.

12.03.2016 Michael Harnischfeger 2 Kommentare Powered by

Dass ein Calibra heute nicht wirklich auffällt, kann man im Guten wie im Schlechten deuten. Die Nörgler sagen vielleicht, dass an seiner glatt gelutschten Karosserie kein Gedanke haften bleibt und er schon vergessen ist, wenn er nur um die Ecke gebogen ist - falls man ihn überhaupt registriert hat.

Die positiver Gesonnenen sehen das Tarnkappen-Dasein des Rüsselsheimer Coupés als Ausdruck seiner Fortschrittlichkeit - zumindest in Design-Belangen. Denn der Nachfolger des Opel Manta B war - glatt wie ein Rochen, flach, lang gezogen und bis ins Detail unaufgeregt gestaltet - eben so sehr auf aerodynamische Effizienz gebürstet, dass er auch heute noch im Vorderfeld seiner Klasse mitfahren könnte, die nach dem Tod vieler Großserien-Coupés kaum wahrnehmbar auf dem Sterbebett liegt. Selbst der VW Scirocco III läuft eher schlecht als recht, obwohl ihm kein Opel und kein Ford das Leben schwer machen. Allenfalls der Golf GTI.

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Opel Calibra als Aerodynamik-Kunstwerk

Das war anders im Falle des Opel Calibra, bei dessen Entwicklung die Aerodynamiker eine ganze Menge zu sagen hatten und den Designern Wayne K. Cherry und Erhard Schnell sicher schon in der frühen Formfindungsphase manches Mal auf den Wecker gingen. Der flache Keil mit dem langen Heck, der aus bestimmten Perspektiven durchaus Ähnlichkeiten mit dem mächtigen 8er Coupé von BMW aufweist, verkaufte sich prächtig, war begehrt bei der Opel-Stammkundschaft und auch bei Umsteigern.

Im Verlauf von knapp acht Produktionsjahren entstanden fast 240.000 Calibra. Jene Exemplare, die in guten Händen bis heute überlebt haben, sind mittlerweile auch nicht mehr für ein Taschengeld zu haben wie noch vor einigen Jahren. Da gingen Calibra mit ein wenig Rest-TÜV für Kleines als Winterauto über die Theke, nachdem sie von einem der Vorbesitzer schon tiefergelegt, gepimpt und verbastelt worden waren. Für Wartung war danach kaum noch Kohle da.

Der König der Nüchternheit

So wie die Karosserie, die einen mit schmalen Kühllufteinlässen und nur sieben Zentimeter hohen Scheinwerfern anschaut, ist auch das Interieur des Opel Calibra eher sachlich denn aufgeregt gestaltet. Das liegt natürlich vor allem daran, dass man sich in Rüsselsheim die Entwicklung eines neuen Cockpits sparte. Der Fahrer guckt also auf die Instrumente des Vectra, von dem das Coupé die Bodengruppe, das Fahrwerk inklusive der Schräglenkerachse des Vectra 2000 und auch das Cockpit übernahm. Groß ist der Tacho, rechts rücken Tank- und Kühlwassertemperatur-Anzeige dicht zusammen, links liegt der Drehzahlmesser, der seine Skala über einen Viertelkreis ausrollt. Im Alter verblasst die Folie mit den Skalierungen gelegentlich. Ersatz ist nicht leicht zu finden.

Tasten, Lenkradhebel und so weiter: alles bekannt - wie auch die Materialqualität. Größtenteils harter Kunststoff begegnet den Fingerkuppen, schon im Neuzustand nicht immer knarzfrei verarbeitet und heute nicht besser in Form. Wie auch? Dazu zum Teil heftig gemusterte Bezüge auf den komfortablen Sitzen, die mit dicken Lehnenwangen Seitenhalt geben. Hinter der stark geneigten Scheibe tiefer sitzend als im Opel Vectra, hat man sehr schnell das Coupé-Gefühl. Sehr schön.

Start mit 115 und 150 PS

Lang sind die Türen, und wer sich nach hinten durchgewurstelt hat, findet auch als Erwachsener genügend Platz. Der Hinterkopf thront dann zwar unter dem Glas der Heckklappe des 300 Liter großen Kofferraums, doch ja: Dies ist ein Vollwert-Viersitzer, der dank umklappbaren Rücksitzlehnen und stattlichen 980 Litern Stauvolumen auch dann mitspielt, wenn mal Sperriges von A nach B muss.

Dahin gelangen Käufer der ersten Jahre mit 115 oder 150 PS unter der Haube. Die schicken die bekannten Zweiliter-Vierzylinder ins Rennen, die zu den solidesten und langlebigsten Opel-Triebwerken gehören. Sie finden sich im Opel Kadett, im Opel Vectra und auch im Opel Omega B. In den zieht 1994 die 136-PS-Version des Vierventilers ein, der im Opel Calibra in der 150-PS-Ausführung startet. Sie macht den Opel Kadett GSi 16V von 1989 an zum Jäger des Golf GTI 16V. Standfeste, robuste Triebwerke also, die zwar hin und wieder nach einer neuen Wasserpumpe verlangen und wegen des Zahnriemenantriebs der Nockenwellen erhöhte Wartungskosten verursachen, die aber eben grundsolide konstruiert und gebaut sind. Ganz im Zeichen des alten Slogans "Opel, der Zuverlässige", den der GM-Sparwahn von Ignacio López später kräftig beschädigen wird.

Mit den 115 PS des Einstiegsmodells, das 1990 inklusive Servolenkung, ABS, Leichtmetallrädern und Kassettenradio SC 220 mit strammen 20 Watt Verstärkerleistung 34.850 Mark kostet, ist der Opel Calibra zwar nicht berauschend, aber ordentlich motorisiert. Die gute Aerodynamik schenkt ihm eine Spitze von mehr als 200 km/h, und eine kurze Abstufung der fünf Gänge egalisiert das leicht phlegmatische Wesen des Zweiventilers. Eilfahrten führen aber zu hohen Drehzahlen, schon 175 km/h entsprechen 5.000 Umdrehungen. Und dann dröhnt der Limousinenmotor schon nervig in den Innenraum. Besonders laut wirkt er auch auf seine Insassen, weil es kaum Windgeräusche gibt.

Mehr Power für den Opel Calibra

Lustiger ist der Opel Calibra mit dem 150-PS-Vierventiler, der 1990 heftige 6.250 Mark mehr kostete, aber mit mehr Drehfreude und mehr Drehmoment besser zu diesem Coupé passt.

Heute, beim Umstieg aus aktuellen Autos mit einer Geräuschdämmung, die schon Kleinwagen so leise macht wie früher Luxuslimousinen, wirkt dieser etwas rauer laufende Motor zwar beim Ausdrehen leicht rabaukig, doch treibt er die Spitze mal so eben in die Region von 230 km/h und manche anderen Verkehrsteilnehmer dadurch gelegentlich in den Wahnsinn. Von 1994 an sank die Leistung des 16V dann im Tausch gegen saubere Abgase auf 136 PS; spüren tut man es nicht wirklich.

Waren diese zwei Zweiliter von Beginn an gegen 4.560 Euro Aufpreis mit einem per Visco-Kupplung gesteuerten Allradantrieb erhältlich, war der beim Über-Calibra 4x4 Turbo Serie. Die Macher dieses 245 km/h schnellen Establishment-Schockers verzichteten zum Glück auf ausladende Spoiler oder anderes Gedöns. Fast schon unschuldig steht das 1992 präsentierte Topmodell mit dem von Ingenieurslegende Fritz Indra entwickelten Turbomotor da. Es gefällt auch heute noch mit gleichmäßigem Dampf von unten heraus und mächtig Zug an der Kette obenherum.

Kurve? Gut, machen wir

Mit angeschärftem, breiter bereiftem Fahrwerk geht der Turbo auch beherzter um Ecken als die schwächeren Modelle. Die wanken schon etwas kräftiger und zeigen mit relativ frühem Untersteuern an, dass sie Kurven zwar machen, aber nicht wirklich von Herzen lieben. Auch der Turbo hat dieses leicht Teigige in der Lenkung, das normal talentierte Autos von Natural-born-Kurvenküssern wie etwa dem Mazda MX-5 oder dem BMW Z3 unterscheidet.

Heute kommt bei vielen Modellen sicher auch Spiel im Fahrwerk dazu. Ein Rundum-Tausch aller Gummis bringt da schon einiges an Handling und an Komfort, von dem der 1993 eingeführte Opel Calibra 2.5 V6 motorseitig natürlich am meisten bietet. Mit der seidigen Laufruhe eines BMW-M50-Reihensechsers kann der brave 2,5-Liter-V mit dem krummen Zylinderwinkel von 54 Grad nicht aufwarten, er läuft rauer und dreht auch wegen mächtiger Schwungmassen nicht so gierig hoch, wenn das Gaspedal in die Fußmatte drückt. Seine 170 mit erstaunlich kernigem Sound produzierten PS ermöglichen zwar fast 240 km/h Spitze und bessere Beschleunigungswerte als der Zweiliter-Vierventiler. Gebrauch davon machen möchte man aber heute nicht mehr: Das lässige Cruisen bei mittleren Drehzahlen ist eher Sache dieses Opel Calibra, zu dem die optionale Vierstufenautomatik mit drei Fahrprogrammen ausgezeichnet passt.

So einen Sechsender-Calibra in gutem Zustand zu finden, ist gar nicht mal so schwer. Denn sein Wesen reizte nicht zum Heizen und zum Tunen. Da waren die Zweiliter eher in Gefahr - auch der Turbo. Schließlich sprach sich schnell herum, dass die serienmäßigen 204 PS längst nicht das Ende der Fahnenstange sind. A bisserl was am Ladedruck geht ja bekanntlich immer, und auch der kleine, für schnelles Ansprechen sorgende KKK-16-Lader muss ja nicht auf immer bleiben …

Augen auf also beim Calibra-Kauf

Übermäßigen Rost muss man nicht befürchten, da hat Opel ganz solide vorgesorgt, wenngleich schludrig beseitigte Unfallschäden natürlich ihre Folgen haben und Wind und Wetter auch an gut behandelten Exemplaren ihre Spuren hinterlassen haben. Das letzte echte Coupé aus Rüsselsheim (den mädchenhaften Tigra ignorieren wir hier mal locker), das übrigens auch bei Valmet in Finnland gebaut wurde und irgendwie Monza und Manta-Käufer gleichermaßen bei der Stange halten sollte, entwickelt langsam seinen Reiz, gefällt in seiner kühlen Schlichtheit.

Da das Facelift im Sommer 1994 außer minimalen Retuschen am Bug und im Cockpit nichts Weltbewegendes brachte, spielt das Baujahr nicht wirklich eine Rolle bei der Suche. Vielleicht stolpert man ja über eines der üppig ausgestatteten Sondermodelle. Classic hieß eines, DTM Edition oder Cliff Motorsport Edition andere. Nicht zu vergessen, na klar, die Last- Edition-Serie.

Fazit

Wenig spricht dagegen, sich einen Calibra für sein ganz persönliches Coupé-Revival an Land zu ziehen. Die Ersatzteillage ist abgesehen von teils hohen Preisen gut, die Technik problemfrei. Und, ganz wichtig: Das große Coupé aus Rüsselsheim macht echt Spaß.

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Neuester Kommentar

Da bin ich doch glücklich, stolzer Besitzer eines Calibra Keke Rosberg Edition, BJ. 95 zu sein! Wäre froh, wenn GM grünes Licht für ein neues Coupé geben würde...

Trrruls 31. Mai 2016, 17:03 Uhr
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