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Opel Commodore B Youngtimer des Monats

Sportlimousine aus Rüsselsheim

Opel Commodore B, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 15 Bilder

Redakteur Alf Cremers stellt in jeder Ausgabe einen attraktiven Youngtimer vor. Diesmal ist es der Opel Commodore B, der zwar längst im H-Kennzeichen-Alter lebt, aber das Siebzigerjahre-Gefühl automobiler Unbeschwertheit wie kein anderer Wagen rüberbringt.

29.08.2014 Alf Cremers Powered by

Schon sein Name klingt eindrucksvoll und sogar ein wenig autoritär. Der Dienstgrad Commodore bezeichnet einen Geschwaderkommandeur bei der Marine oder bei der Luftwaffe. Er klingt fast italienisch, und das passt sehr gut zur spielerisch leichten mediterranen Linienführung des Sechszylinder-Opels, der in seiner zweiten Auflage mit der Tradition des amerikanischen Straßenkreuzer-Stylings bricht. Die Opel-Designer Chuck Jordan, Erhard Schnell und George Gallion zeichneten bereits die Opel Commodore-B-Basis, den Rekord II, wohltuend schlank und sachlich.

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Youngtimer des Monats Opel Commodore B
Motor Klassik 03/2014
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Opel Commodore B mit bewährten Sechszylindern

Der Opel Commodore B ist ein Rekord II mit ein paar sehr wirkungsvollen optischen Akzenten: eine feine Zierlinie im Profil, ein markanter Waffelgrill, ein bisschen mattschwarzes Make-up um die gecleanten Rückleuchten. Kosmetik, die nicht aufträgt, aber den formalen Reiz des Wagens betont. Seine großen Fensterflächen, die schmalen Dachpfosten, die stark eingezogene Seitenlinie, die man an der Wölbung der geöffneten Tür sieht, all das unterstreicht die formale Ausgewogenheit des wohlproportionierten Wagens. Länge und Radstand passen harmonisch zueinander, selbst das Coupé als einzige Alternative zur viertürigen Limousine ist nicht verkürzt wie üblich, sondern zwischen den Achsen gleich lang.

Commodore bedeutet schon beim A-Modell so etwas wie Autobahn-Kurier. Er beginnt dort, wo der Rekord angestrengt aufhört. Der laufruhige, elastische Sechszylinder unter der langen Haube erlaubt in allen Leistungsvarianten ein entspanntes Reisen mit Tempo 160. Ursprünglich stammt das Vollgusstriebwerk aus dem Admiral, es hat noch nicht mal einen Querstrom-Zylinderkopf und noch dazu die Opel-typische Eigenart der hochgelegten Nockenwelle, die zwar oben im Zylinderkopf liegt, aber noch kurze hydraulische Stößelstangen braucht, um die Kipphebel der Ventile zu betätigen.

Der Opel Commodore B übernimmt die bewährten Sechszylinder, die zwar nicht ganz so geschmeidig sind wie die von BMW, aber die Leistung entspannt über 300 Kubikzentimeter mehr Hubraum holen. Spitzenmodell ist mit anfangs 160 PS aus 2,8 Liter der Commodore GS/E, den es auf Wunsch auch als Coupé mit schwarz-gelber Kriegsbemalung gibt.

Der Commodore ähnelt dem BMW 528

Dezent als Viertürer geordert, kommt der Opel Commodore in seiner knackigen Kompaktheit und mit seiner stürmischen Leistungsentfaltung einem BMW 528 sehr nahe. Auch die vordere Doppelquerlenker-Achse und die sorgfältig von fünf Lenkern geführte hintere Starrachse des Commodore B sorgen für ein mustergültiges neutrales Fahrverhalten, selbst bei sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten.

Die markentypischen Hosenträger sind beim Opel Commodore längst passé. Allerdings wird das sportliche Fahrverhalten durch eine gesunde Härte erkauft. Der Commodore ist nicht besonders komfortabel. Er rollt sehr trocken ab. Dafür verzögert er selbst mit hinteren Trommelbremsen erstaunlich gut und lässt sich mit der präzisen Servolenkung leicht dirigieren. Ein gutes Auto also, mit dem man gerne unterwegs ist. Aber ist das alles? Nein, heute ist so ein Commodore reizvoller denn je, weil man ihn weniger nach seinen angenehmen Eigenschaften beurteilt, mehr nach seinem Flair.

Ewig währende Zuverlässigkeit

Im Spätsommer hatte ich die Gelegenheit, ein sonniges Wochenende mit einem Opel Commodore B GS/ 2.8 zu verbringen. Ein Viertürer, signalorange mit schwarzen Polstern, bis ins Detail original und in einem bestechend guten Zustand. Vor mir die hübsch drapierten sechs Instrumente, schön in Holzimitat eingerahmt, der Automatikwählhebel mit handfestem T-Griff, die schwarzen Samtpolster wie Clubsessel. Die Sitzposition angenehm tief, das Lenkrad schön steil, ein Auto, das mir passt wie ein gut geschnittener Maßanzug.

Alles bestens übersichtlich, drüben im Beifahrer-Fußraum steckte wie immer das Opel-Serviceheft und kündete augenzwinkernd von ewig währender Zuverlässigkeit. Es ist ein wenig wie zu Hause, aber doch unterwegs. Der Sechszylinder des Opel Commodore klingt sonor und wahrhaftig, man glaubt ihm alles, seine Unzerstörbarkeit, seine hohe Durchzugskraft, ja selbst seinen moderaten Verbrauch, wenn man die Zweivergaser- Anlage nicht zu sehr mit dem Gaspedal stimuliert.

Keine Antriebswellen stehen der Lenkung im Weg

Er fühlt sich wahnsinnig handlich an, der Opel Commodore, keine Antriebswellen stehen der Lenkung im Weg. Seine perfekte Übersichtlichkeit unterstreicht die Leichtigkeit des Seins hinter dem formschönen GS -Lenkrad. Okay, die Türen schließen nicht so satt wie bei einem 280 E, aber was ist schon Tresorklang gegen Wohlbefinden.

Das Blaupunkt Coburg nimmt artig „Rumours“ von Fleetwood Mac an, die schmale Landstraße windet sich schüchtern, mündet in eine schnurgerade Allee. Die Baumwipfel grüßen rauschend durchs Schiebedach, der Sechszylinder murmelt bei 2.500/min entspannt vor sich hin. Hoffentlich ist es noch weit bis zum Ziel, der Tank des Opel Commodore ist noch drei viertel voll.

Opel Commodore B auf einen Blick

Der Opel Commodore wird von Sechszylinder-Reihenmotoren mit 2,5 bis 2,8 Liter Hubraum angetrieben, die zwischen 115 und 160 PS leisten. Die gusseisernen Triebwerke überzeugen nicht unbedingt mit faszinierender Technik, dafür aber mit legendärer Zuverlässigkeit. Sie tragen ihre Nockenwelle im Zylinderkopf (c.i.h. ), werden von Registervergasern oder einer Bosch D-Jetrinoc mit zündfähigem Gemisch versorgt und die Kurbelwelle rotiert in 7 Lagern.

Die Kraft gelangt beim Opel Commodore über ein Viergang-Schalt- oder ein automatisches Dreigang-Getriebe an die Hinterräder, die von einer schraubengefederten Fünflenker-Starrachse geführt werden. Vorne sorgt eine Doppelquerlenker-Achse für sportliches Fahrverhalten. Der Radstand beträgt 2.668 mm, die Länge4.607 mm.

Gebaut wurde der Opel Commodore von 1972 bis 1977 in 140.827 Exemplaren. Im Zustand 2 kostet ein Commodore B GS/E laut classic-analytics 10.000 Euro, ab 4.100 Euro gibt es mäßige Fahrzeuge..

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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