Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Audi 100 CD 5E und Opel Commodore 2.5E Berlina

Unterwegs im Wohnzimmer

Foto: Dino Eisele 22 Bilder

Warme Farbtöne, plüschiges Velours. Der lichte Pavillon schafft ein großzügiges Raumgefühl. Das Stereo-Cassetten-Radio spielt leise Musik, während der Motor kraftvoll summt. Im Audi oder Opel lässt es sich gut leben. 

30.12.2008 Alf Cremers Powered by

Piëchs Motto: Vorsprung mit Frontantrieb
 
Er war Diamantsilber mit lachsrotem Velours. Vergessen werde ich ihn ebenso wenig wie meine erste Liebe. Trotzdem fanden wir nicht zueinander – weder Monika noch der Audi 100. Manchmal bekam ich, obwohl erst zarte 19 Jahre alt und mit Fahrpraxis nicht eben reichlich gesegnet, den stolzen Wagen von meinem Onkel geliehen. Für einen Samstagabend, um ein Rendezvous einzufädeln. Dabei genoss ich es sehr, wenn das Lokal möglichst weit weg war. Es ist noch heute eine Angewohnheit von mir, die Instrumentenbeleuchtung möglichst weit runterzudimmen. So ein großer Audi 100 GLS schindete Ende der Siebziger mächtig Eindruck. Er hatte, man mag es kaum glauben, etwas Progressives, auch in der Linienführung.
 
Der Slogan „Vorsprung durch Technik“ war schon geboren, Frontantrieb in dieser Wagenklasse blieb noch lange eine Seltenheit. Seinen Vorgänger, den Studienrat- Audi 100, ließ er alt aussehen, obwohl er dessen Radstand und Konzept übernahm. Der Audi 100 lag im Prestigewert weit über einem Mercedes W 123 Diesel, gewann Vergleichstests am laufenden Band und stellte die konventionell gebaute Konkurrenz von Opel und Ford trotz ihrer geschmeidigen Sechszylinder- Motoren in den Schatten. Der neue große Audi 100, so nannte ihn damals die Werbung – Typ 43 heißt er intern. In den Tiefen seiner Brennräume trägt er bereits die ehrgeizige Handschrift des damaligen Audi-Entwicklungschefs Ferdinand Piëch.
 
Den unrunden Fünfzylinder mit eigenwilligem Zündabstand zu zähmen, das war sein Ding. Für Daimler-Benz konstruierte er zwischendurch freischaffend den Fünfzylinder-Diesel OM 617 für den 240 D 3.0. Selbst als Vierzylinder mit 115 PS lief der GLS glatte 180 km/h. Das habe ich damals nie ausprobiert, war jedoch elektrisiert vom Sound des 5E. Einer führte es mir einst vor, in einer engen Gasse zwischen zwei alten Fabriken. Ungerade fünf Zylinder waren meinem Onkel suspekt und außerdem zu teuer. 20.000 Mark mussten für einen Audi reichen. Sechs Jahre später, der Kaufpreis war bereits verhandelt, traf ein Renault 12 seine B-Säule tödlich. Aus der Traum vom großen Wagen, statt dessen kam ein sehr vernünftiger Ford Taunus 1.6 L.

Idealer Reisewagen: Sechszylinder-Commodore
 
Auch zum Opel Commodore C habe ich eine enge Beziehung. Mein bester Freund Rolf fuhr Mitte der Achtziger ein paar Jahre einen 2.5 S in der sündigen Nagellackfarbe Karneolrot-metallic, gebraucht gekauft bei einem Opelhändler in Düren. Schiebedach, Servolenkung, flauschige Berlina-Ausstattung mit curryfarbenem Plüsch, Radio Blaupunkt Coburg, Antenne in der Frontscheibe à la Opel. Aber das Wichtigste war der summende Reihensechszylinder mit 115 PS. Stolz wie ein Monument steht er unter der schweren Motorhaube.
 
Der Vorbesitzer hat ihm den schönen geriffelten Leichtmetalldeckel der Einspritzmodelle spendiert. Der Opel begeisterte uns – ein idealer Reisewagen für unsere Touren ins Ruhrgebiet, nach Amsterdam, Berlin oder München. Zwölf Liter brauchten wir im Schnitt. Legendär ist unsere „Elastizitätsmessung“ frei nach auto motor und sport. Vierter Gang bei 40 km/h auf einer breiten flachen Betonstraße mit wenig Verkehr, dann Vollgas bis Tempo 120. Das schaffte der Vergaser-Commodore eindrucksvoll in 22 Sekunden. Die Starrachse hat uns nie gestört, der Wagen federt mit seinem Gewicht – er ist weder zu hart noch zu weich. Die Betonstraße ist eine einzige lang gezogene Kurve, sie verträgt 160.

Autos zum Leben jenseits steriler Perfektion
 
Treffpunkt Alter Bahnhof. Was klingt wie der Titel eines Felmy-Tatorts aus den Siebzigern ist für mich wirklich ein prickelndes Déjà-vu-Erlebnis à la Klassentreffen nach 30 Jahren: Audi 100 Typ 43 und Opel Commodore C. Okay, aus dem GLS von einst ist das Topmodell CD 5E geworden, und auch der Commodore hat sich zum 2.5 E des letzten Modelljahres 1982 gemausert. Beide treten mit einer komfortablen Dreigangautomatik an – der Audi 100 stammt noch aus der ersten Serie, die bis August 1979 gebaut wurde. Ich finde die Frontpartie mit den Blinkern in Orange und den schmaler geschnittenen Scheinwerfern weit ausdrucksvoller als die spätere, weichgespülte Variante. Auch der 82er Commodore bekam neben dem zusätzlich erhältlichen sparsameren Einspritzmotor mit 130 statt 115 PS ein paar milde Retuschen mit auf den Weg.
 
Aber den Overdrive, beim Vergasermodell längst serienmäßig, gab es paradoxerweise für den Einspritzer nicht. Audi und Opel sind Autos aus einer heilen Welt. Nicht nur weil sich Autobiografisches mit ihnen verbindet, sondern wegen ihres unschuldigen Charakters jenseits steriler Perfektion. Es sind Autos zum Leben – großzügig, gemütlich und mit jener spießigen Attitüde, die an einen Verwandtenbesuch zum Sonntagskaffee erinnert. Sie geben Halt in unsicherer Zeit. Das elementare Bedürfnis nach Heimweh wird gestillt. Startet man den Wagen, so weckt der typische Opel-Klang des sonoren Sechszylinders freudige Gefühle. Es ist die Melodie der Zuverlässigkeit und das Lied vom hart erarbeiteten bürgerlichen Luxus. Alte Werte und Tugenden gelten hier noch etwas. Auch Bescheidenheit, denn der Commodore ist gemessen an heutigen Autos dieser Klasse von zierlicher Eleganz und angenehmer Zurückhaltung. Er sieht fast aus wie ein Rekord, sein Understatement macht ihn sympathisch. Und seine heutzutage fast unanständigen zwölf Liter auf hundert Kilometer gönnen wir ihm von Herzen.

Der Opel: Simple Ergonomie, italienische Fragilität
 
Der Commodore ist eng auf Taille geschnitten, die Gürtellinie ist niedrig, die Fensterflächen sind groß. Satt fällt die Tür hinter mir ins Schloss. Er wirkt in der Qualität gediegener als der Audi, trägt den Leichtbau nicht gar so demonstrativ vor sich her. Auf dem Opel-Sitz hat der Fahrer dank simpler Ergonomie alles im Griff. Die Bedienkräfte sind gering, Lenkung, Wählhebel, Pedalerie, alles passt. Die GMAutomatik schaltet weich, der Motor hängt gut am Gas, es kommt sogar Temperament auf, die sprichwörtliche Zähigkeit mancher Opel-Motoren ist hier wie weggeblasen. Aber das Drehzahlniveau liegt hoch, das stört Laufruhe und Verbrauch. Es fehlt ein Gang, 4.000 Touren bei 120 km/h sind eine Menge, der Audi kann es nicht viel besser. BMW-Sechszylinder sind oben heraus deutlich leiser. Der Opel ist kein Wunderauto, sondern eines mit Schwächen – man liebt es dafür besonders. Auch stilistisch ist nicht alles pure Harmonie. Die Frontpartie ist zu flach und zu lang für das kurze kantige Heck, Tribut an Sechszylinder und Aerodynamik.
 
Ich finde den Commodore schön, seine fragile Zierlichkeit hat etwas Italienisches. Auch dem Audi 100 CD 5E ist Seele wichtiger als nüchterne Technokratie. Heimeliges Grün dominiert im Interieur. Das bananenförmige Lenkrad ist von Funktionalität so weit entfernt wie die CD-Schmusekissen im Fond. Trotzdem ist der Audi ehrgeiziger als der Commodore, er will mit fünf Zylindern mehr erreichen als andere mit sechs. Das Motorgeräusch ist einen Ton schärfer und aggressiver, gefällt aber beim Beschleunigen mit dem herrlichen Stakkato- Klang, der bei technophilen Zeitgenossen eine Gänsehaut erzeugt. Die Gäste sitzen tiefer im Audi als im Commodore, er bietet innen viel mehr Platz – ein Raumwunder. Der CD ist die S-Klasse der Mittelschicht, die Staatskarosse des Biedermanns. Üppig schöpft vor allem der CD aus dem Vollen. Komfortabel schwebt er über Landstraßen wie einst sein Bruder, der silberne GLS. Geruch und Gefühl sind wie damals. Typisch auch das starke Untersteuern in schnell gefahrenen Kurven, die voreilig quietschenden Reifen, die den Fahranfänger erschreckten, aber nur ein Wetterleuchten des Grenzbereichs sind. Der Audi gewinnt die Emotionswertung. Er steht für etwas ganz Bewegendes – für die unerfüllte Liebe. 

Technische Daten
Opel Commodore 2.5 E BerlinaAudi 100 CD 5E
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4705 x 1722 x 1410 mm4695 x 1768 x 1390 mm
Höchstgeschwindigkeit190 km/h193 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Login mit Ihrem Profil
    Anzeige
    Audi 100 Audi ab 147 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
    Kommentar schreiben

    Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

    Neues Heft
    Empfehlungen aus dem Netzwerk
    Gebrauchtwagen Angebote