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Opel Corsa OPC im Fahrbericht

Mit dem Top-Corsa über die Nordschleife

Opel Corsa OPC 2015 Foto: Rossen Gargolov 23 Bilder

Einer wie der neue Opel Corsa OPC muss sich nicht beim örtlichen Pflegedienst herumdrücken. Er darf auf die Nordschleife – mit allem, was seine 207 PS hergeben.

24.04.2015 Jörn Thomas Powered by

Der Tag begann so schön für – nennen wir ihn Benjamin H. Wie immer hatte er seinen BMW M3 E46 akribisch von Hand poliert, die Racer-Schuhe geschnürt, den 3,2-Liter-Sechszylinder behutsam warm gefahren. Auch ein Nürburgring-Tool braucht schließlich Liebe. Auf dem Parkplatz an der Ring-Zufahrt passt er noch schnell den Reifenluftdruck an, streicht versonnen über den Überrollkäfig seines Schatzes, bevor er an der Schranke die Karte an den Automaten hält und durchzieht. Antoniusbuche, Hatzenbach, Metzgesfeld.

Ach, die Welt ist schön – wenn da bloß nicht dieser komische rote Fleck im Spiegel wäre. Seit ein paar Minuten klebt er da. Penetrant. Wird größer. Am Wehrseifen verschwindet er aus dem Rückspiegel, geht längsseits – und dann vorbei. Da kann Benni noch so herzhaft ins Lenkrad beißen, das war’s. Ganz schön frech für seine 24.395 Euro, der neue Opel Corsa OPC. Aber er hat ja auch Heimvorteil. Nürburgring-Nordschleife: Hier kommt er her, hier gehört er hin. Bestätigt OPC-Chef Volker Strycek, der uns mit auf eine schnelle Runde nimmt. Und beim Dozieren über den Aufwand der gradgenauen Abstimmung der Torsionsstrebe an der Hinterachse noch ein paar andere schnelle Jungs eintütet. Das nennt man dann wohl Authentizität.

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Fahrbericht Opel Corsa OPC auf der Nordschleife
auto motor und sport 10/2015
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Opel Corsa OPC, Frontansicht
Opel Corsa OPC im Fahrbericht 1:10 Min.

„Bei der Hinterachsabstimmung arbeiten wir eng mit dem Zulieferer zusammen. Er schweißt uns verschiedene Muster, wir testen sie nacheinander auf der Strecke. So nähern wir uns dem Optimum, gehen bewusst einen Tick darüber hinaus, sodass wir wissen: bis hierher und nicht weiter.“

Opel Corsa OPC bietet bekömmlichen Komfort

Natürlich sind die Entwickler verlockt, bei einem Sportmodell auch mal ins Extreme zu gehen. Doch Strycek betont die Fahrbarkeit. So ist der neue Opel Corsa OPC von den Kennlinien her grundsätzlich straffer ausgelegt als der alte, wegen des sensibleren Ansprechens der Dämpfer dennoch komfortabler. Obwohl mit Performance-Paket gerüstet, spricht er regelrecht sanft auf Unebenheiten an, lenkt leichtgängig präzise. Das Performance-Paket (2.990 Euro) entspricht in etwa der bisherigen Nürburgring-Edition. Es enthält neben 18-Zoll-Schmiederädern eine größere Bremsanlage von Brembo, eine straffere Fahrwerksabstimmung sowie eine mechanische Drexler-Differenzialsperre.

Ganz trivial war es nicht, auf die kompetente Vorgängerbasis noch eins draufzusetzen, deshalb die neue elektrisch unterstützte Lenkung, neu entwickelte Dämpfer, Detailarbeit am Fahrwerk und eine Leistungs- und Drehmomentsteigerung des Motors. Der turbogeladene 1,6-Liter mit Saugrohreinspritzung erhielt einen neuen Ansaugtrakt, Ladeluftkühler sowie eine andere Abgasanlage. Er erfüllt nun Euro 6, schiebt den Opel Corsa OPC untenrum etwas besser an und marschiert zügiger durch die Mitte.

Dank kürzerer Schaltwege und einer modifizierten Kulisse arbeitet die Sechsgangbox des neuen Opel Corsa OPC endlich standesgemäß präzise. Hier nutzte man Erfahrungen aus dem Cup-Astra, wie Strycek verrät. Aber vermutlich würde der ausgebuffte Ring-Profi auch mit einem alten Krückstock gnadenlos durch das Touristenfahrerfeld pflügen.

Ring-Tool für Einsteiger

Beeindruckend, wie präzise und schwungvoll der vier Meter lange Opel Corsa OPC durch das Bergabgeschlängel hinterm Metzgesfeld pfeilt. Hier kommt es nicht so sehr auf die Motorleistung an, sodass man selbst Stärkere ärgern kann. Die Bremse mit den 330er-Scheiben vorn passt, der Druckpunkt steht, die Untersteuerneigung hält sich in Grenzen. Angenehm, speziell für Novizen: Opel verzichtet beim Corsa auf übertriebenes Lastwechselfeuer. So kann man notfalls auch in der Kurve etwas vom Gas gehen, um die Linie zu korrigieren, ohne dass das Heck Richtung Grünstreifen und Planke zickt.

Schweißnasse, zum Blitzgegenlenken bereite Handflächen braucht niemand zu befürchten, wie wir selbst bei ein paar schnellen Runden feststellen. Es erfordert keine vierstellige Rundenerfahrung, um den Opel Corsa OPC zügig durch die Grüne Hölle mit ihrem Auf und Ab, den hängenden Kurven und dem teils undurchsichtigen Streckenverlauf zu führen. Na ja, nicht undurchsichtig für Herrn Strycek, der hier schon ein paar, äh, paar Tausend Mal unterwegs war und dennoch – oder gerade deshalb – schwärmt, wie ruhig der OPC bleibt.

Ob kurze Curb-Hüpfer oder saftige Sprünge wie beim Pflanzgarten zwo, der Opel Corsa OPC steht sofort wieder, bockt nicht, wippt nicht nach. Ein Verdienst der mit Koni entwickelten Dämpfer. Zwar arbeiten diese nicht elektronisch adaptiv, besitzen jedoch ein Ventilsystem, das auf die Bewegungsfrequenz des Wagens reagiert. Bei kurzen Unebenheiten öffnet es, um das Abrollen geschmeidiger zu gestalten, bei längeren Unebenheiten verringert es den Öldurchfluss, um die Bewegung der Karosserie zu reduzieren. Läuft. Der Opel Corsa OPC liegt satter, als man es so einem kurzen, relativ hohen Kleinwagen zutrauen würde. Wobei sich die Designer beim Neuen extra Mühe gaben, das Kleinwagenhafte zu verschleiern. So habhaft die Änderungen unterm Blech, so kosmetisch sind jene an der Karosserie. Fette Atemschlünde an der Front? Ebenso Fake wie die GT3-Kante auf der Motorhaube. Sei’s drum, Hauptsache, der 1,3-Tonner marschiert. Und das tut er.

Opel Corsa OPC mit deaktivierbarem ESP

Sogar mit aktiviertem ESP, das die Entwickler so kundig abstimmten, dass man es eigentlich nicht bemerkt. Und dann gibt es ja noch die Sportstellung für größeren Schwimmwinkel sowie ESP off. Aus ist aus, garantiert Strycek. Erst bei einem drohenden Überschlag versucht die Elektronik, dann noch einzugreifen.

Eine Situation, die wir während unserer Testrunden jedoch nicht erlebten. Wohl aber eine kurze Warnung (akustisch und per LED) wegen zu geringen Abstands zum Vordermann. Vorhin, hinter Benni. Der ist Geschichte, wir sind auf der Döttinger Höhe und finden Muße, die hervorragend stützenden Recaro-Schalen zu preisen und am Touchscreen des Infotainment-Systems zu spielen. Für 300 Euro extra koppelt Intellilink Smartphones – falls die Wartezeit vor der Ring-Schranke mal etwas länger ausfällt. Und sollte es am Schluss noch dunkel werden: Bi-Xenon-Licht ist Serie.

Fazit

Schön, dass es so etwas noch gibt: einen sportlich kompetenten Kleinwagen, der sowohl im Alltag als auch auf der Piste überzeugt. Spätestens mit dem Performance-Kit inklusive Differenzialsperre und großer Bremse taugt der Opel Corsa OPC als Ring-Tool für Einsteiger. Gelungene Fahrwerksabstimmung, problemlose Lenkung und das sichere, kalkulierbare Handling ergeben ein spaßiges Paket, dem man sogar noch ein paar PS mehr zumuten dürfte. Aber auch so rennt der Opel ordentlich, ohne im Alltag mit Disharmonie zu nerven, wozu auch die gelungene Fahrwerksabstimmung beiträgt.

Technische Daten
Opel Corsa OPC
Grundpreis24.395 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4036 x 1736 x 1479 mm
KofferraumvolumenVDA285 bis 1050 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung152 kW / 207 PS (245 Nm)
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,8 s
Verbrauch7,5 L/100 km
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