Opel-Brennstoffzellenauto: Der Hydrogen 4 im Alltagstest

Opel Hydrogen 4

Ein Brennstoffzellenauto im Alltag: auto motor und sport hat eine Woche getestet, wie sich die Wasserstoff-Technik des Opel Hydrogen 4 bewährt.

Vor 13 Jahren hat der Autor zum ersten Mal ein Brennstoffzellenauto gefahren. Damals war die Euphorie groß, und die Entwickler glaubten, die Serienproduktion würde lediglich einige Jahre in der Zukunft liegen.

Der Opel-Hydrogen soll ein ganz normales Auto sein

Der angeblich bald bevorstehende Serieneinsatz überraschte angesichts der fragilen Prototypen, die sich etwas mühselig, aber laut schnarrend bewegten, während streng dreinblickende Techniker, die stets mitfuhren, sämtliche Lebenszeichen der Autos am Laptop überwachten. Heute wissen wir, dass die Begeisterung der Ingenieure zwar groß, die vor ihnen liegenden Probleme aber noch größer waren. Einer, der seit 15 Jahren an der Opel-Brennstoffzellen- Entwicklung mitwirkt, ist Rittmar von Helmholt. Rückblickend konstatiert er, dass in der Vergangenheit jedem gelösten Problem zwei neue folgten: "Seit etwa vier Jahren ist es anders, grundlegende Fragen tun sich seither nicht mehr auf."

In einigen Jahren soll deshalb die Serienproduktion endlich wirklich beginnen. Die Zuversicht ist so groß, dass von Helmholt auto motor und sport ein Brennstoffzellenauto für eine Woche zur Verfügung stellt. Techniker schickt er keine nach Stuttgart, die ständige Überwachung scheint nicht mehr nötig. Der Opel Hydrogen 4 - die Ziffer weist auf die vierte Brennstoffzellenauto-Generation hin - könne wie ein ganz normales Auto benutzt werden, sagt der Opel-Experte.

In Stuttgart gibt es nur eine Tankstelle für den Opel Hydrogen 4

Um es vorwegzunehmen: Den Testzeitraum überstand das weitgehend handgefertigte Modell auf Basis eines Chevrolet Equinox, ohne irgendwelchen Ärger zu bereiten - viele herkömmliche Autos schaffen dies nicht. Startvorgänge bei leichtem Frost, Fahrten auf die Schwäbische Alb zum Fotografieren, Kurzstrecken-Verkehr in der Stadt und längere Touren zu Interview-Terminen wechselten sich ab. Zu beobachten war, dass die vom Bordcomputer angezeigte Restreichweite schneller dahinschmolz, als die Zahl auf dem Tageskilometerzähler wuchs.

Längere Strecken beschränkten sich daher auf maximal 100 Kilometer, denn die Wasserstoffversorgung ist ein Problem. Opel gibt zwar eine Reichweite von 320 Kilometern an, aber tanken kann man in Baden-Württemberg nur an einer öffentlichen Tankstelle, die glücklicherweise am Flughafen Stuttgart steht, aber nicht immer funktioniert: Einmal ging eineinhalb Tage gar nichts, nach der Wiederinbetriebnahme gab die Anlage dann wirre Füllmengen an.

Der Opel Hydrogen 4 sorgt nicht für Aufsehen

6,7 Kilogramm Wasserstoff - zu neun Euro pro Kilogramm - hätte die Zapfstelle ins Auto gepresst, so steht es zumindest in der Anzeige. Völlig ausgeschlossen angesichts von lediglich 4,2 Kilogramm Tankinhalt. Die erst wenige Wochen alte Anlage hätte dringend eine Überarbeitung nötig gehabt, leider sollte dies aber erst nach Testende geschehen. Dafür läuft ein Tankvorgang kaum komplizierter oder langwieriger ab als mit einem LPG-Gasauto. Überraschenderweise reagieren andere Verkehrsteilnehmer kaum auf den Opel Hydrogen 4. Dass er beinahe unhörbar leise läuft, nehmen sie nicht wahr, weil die Autos drumherum für die übliche Geräuschkulisse sorgen. Erst beim Abstellen gucken Passanten interessiert, weil das in der Brennstoffzelle anfallende Wasser-Dampf-Gemisch ausgeblasen wird und der Wagen sich am Heck in eine Dampfwolke hüllt.

Vermutlich denken die Fußgänger, der Kühler sei geplatzt. Die Passagiere erleben das Autofahren dagegen neu, weil wie bei jedem E-Mobil - nichts anderes ist ein Brennstoffzellenauto - in der Stadt neben Abrollgeräuschen nur das leise Wimmern des Elektromotors zu hören ist. Vorbei ist das Lärmen der Kompressoren, die bei vergangenen Vorserien-Generationen die Gase durch die Brennstoffzelle gepresst haben. Im Stand erinnern die Lebensäußerungen an die Geräusche eines Computers, der seine Festplatte defragmentiert; man achtet schon am zweiten Tag nicht mehr darauf. Lange währt dagegen die Freude am kräftigen Durchzug des elektrischen Antriebs - ein ähnlich verzögerungsfreies Anfahren gelingt nur sehr wenigen Autos mit Verbrennungsmotor. Es scheint nun wieder Zeit für ein wenig Euphorie rund um die Brennstoffzelle zu sein.

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Christian Bangemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 23 / 2009

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