Das ist mal Solidarität. Während die Politik noch eifrig streitet, ob und wie Opel geholfen werden kann, scheinen Autokäufer die Rettung der Traditionsmarke selbst in die Hand nehmen zu wollen: Trotz ungewisser Zukunft freuen sich die Händler über den besten Auftragseingang in einem Februar seit fünf Jahren, was nicht nur an der Abwrackprämie liegt, von der überwiegend Kleinwagen profitieren, sondern auch am neuen Topmodell Insignia, das mit inzwischen europaweit 75.000 Bestellungen die Erwartungen seiner Macher deutlich übertrifft.
Sports Tourer statt Caravan
Der Opel Insignia Sports Tourer dürfte ab sofort für weiteres Interesse sorgen. Schon die Namensgebung zeugt von einer neuen Zeitrechnung: Erstmals seit einem halben Jahrhundert heißt ein Opel-Kombi nicht mehr Caravan. Doch die Rüsselsheimer staubten nicht nur die Modellbezeichnung ab - nach dem braven Stauraum-Optimierer Opel Vectra verströmt der bullige Sports Tourer endlich auch Sieger-Flair. Mit bogenförmig abfallender Dachlinie, flacherer Heckscheibe und selbstbewusst breiten Radhäusern, in denen bis zu 20-Zoll-Räder Platz finden, scheint er das zu schaffen, was GM-Vize Bob Lutz dem Vorgänger noch absprach: nämlich die Portemonnaies der Kunden zum Aufspringen zu bringen.
Dass sich Opel als Designer-Marke profilieren will, zeigt schon die Kofferraumklappe. Damit die Hinteransicht nicht durch eine zusätzliche Fuge verunstaltet wird, klappt das gesamte Heck mitsamt der wuchtigen Rückleuchten in einem Stück nach oben - auf Wunsch auch elektrisch mit programmierbarer Öffnungshöhe für niedrige Garagen. Doch auch die große Klappe täuscht nicht darüber hinweg, dass der Neue trotz Längenwachstum auf 4,91 Meter 320 Liter weniger Gepäck schluckt als bisher. Mit 1.530 Litern reiht er sich jedoch immer noch zwischen den Avant-Versionen von Audi A4 und A6 ein.
Praktische Details im Innenraum
Anstatt durch maximale Größe überzeugt der Opel Insignia-Kombi lieber mit praktischen Details wie den Zusatztaschen vorn an den Sitzen, Fächern für Münzen und sonstigen Kleinkram im Handschuhfach, Platz für 1,5-Liter-Flaschen in den Vordertüren oder dem ebenen Ladeboden mit zusätzlichem Kellergeschoss. Für 150 Euro Aufpreis bewahrt ein auf Schienen verschiebbares Ordnungssystem Gepäckstücke vor dem Verrutschen. Zudem bietet die Kombivariante das, was den Limousinen mit Stufen- und Fließheck fehlt: ausreichend Kopffreiheit für die Fondpassagiere.
Da sich die drei Karosserievarianten erst ab der B-Säule unterscheiden, verfügt der Opel Insignia Sports Tourer über den gleichen hochwertig verarbeiteten Innenraum mit bequemen Vordersitzen und blickgünstig hoch untergebrachtem Bordmonitor. Zusammen mit dem Kombi liefert Opel den Insignia ab sofort mit zwei neuen Motoren aus. Der Top-Diesel, ein Zweiliter-Biturbo mit 190 PS, ist vorerst allerdings nur mit Allradantrieb zu haben. Deutlich günstiger kommt daher der frontgetriebene 1,6-Liter-Benziner, der es ebenfalls dank Aufladung auf 180 PS bringt.
Gute Beschleunigung trotz kleinem Hubraum
Trotz seines Hubraumdefizits hat der Vierzylinder erstaunlich wenig Mühe mit dem 1,6-Tonner. Nach kurzem Luftholen dreht der Turbo freudig hoch und lässt nur selten den Wunsch nach mehr Kraft aufkommen. Bei vollem Leistungseinsatz trötet der Vierzylinder den Insassen allerdings vorlaut ins Ohr. Obwohl der Testwagen mit straffen Serie-45-Reifen ausgerüstet war, überzeugen die optionalen adaptiven Dämpfer auf Stellung Komfort mit geschmeidigem Schluckvermögen, ohne allzu hohe Seitenneigung zuzulassen. Agilität vermittelt auch die leichtgängige und direkt ausgelegte Lenkung, der es lediglich etwas an Rückmeldung mangelt.
Moderater Aufpreis zum Fließheck
Da der Aufpreis zum Fließheck-Insignia mit 900 Euro moderat ausfällt, traut Opel dem Sports Tourer hierzulande einen Anteil von 70 Prozent zu. Bereits das Basismodell bietet für 23.990 Euro Klimaanlage, Dachreling, Mittelarmlehne und CD-/MP3-Radio, während das gut 3.000 Euro teure Edition- Paket mit 17-Zoll-Alufelgen, Tempomat und Europa-Navigation nur noch wenige Wünsche offenlässt. Der schicke Sports Tourer dürfte also weitere Opel Insignia-Bestellungen nach sich ziehen, was für Opel im Moment besonders wertvoll werden kann. Volle Auftragsbücher sind schließlich das beste Fundament aller Rettungspläne.






