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Opel Speedster 2.2i im Fahrbericht

Donnernder Blitz

Der hautenge Body des neuen Opel Speedster zeigt einen Appeal, wie es ihn bei der Marke mit dem Blitz noch nie gab. Gerade deshalb ist der offene Zweisitzer ein echtes Männerauto.

02.04.2000 Bernd Stegemann

Zwei knapp geschnittene Sitzplätze im Freien, konsequenter Leichtbau, ein Fahrwerk wie aus dem Motorsport – dahinter können nur die Engländer stecken. Tun sie auch, obwohl der stilisierte Blitz an Front und Heck den Speedster als Mitglied der Opel-Familie ausweist. Das Konzept des nur 1,11 Meter hohen Flachmanns jedoch spricht eine andere Sprache – die des Lotus Elise.

Opel Speedster 2.2i kantiger als englisches Vorbild

Der Eindruck täuscht nicht, denn aus Zeit- und Kostengründen stand der britische Mittelmotor-Roadster Pate für den ersten echten Sportwagen von Opel. Keine schlechte Wahl ohne Zweifel, wenngleich der Speedster die kreuzbrave Modellpalette aufmischt wie der Außerirdische Alf die TV-Familie Tanner. Aber gerade das hatten die Techniker und Marketing-Strategen im Sinn, um das lädierte Markenimage zu polieren und Zeichen für eine dynamische Zukunft zu setzen. Wenn man dem Design des Opel Speedster glauben darf, wird es auch eine Zukunft mit Ecken und Kanten sein. Denn während sich das technische Layout weitgehend am Lotus-Vorbild orientiert, ersetzten die Opel-Stilisten unter Leitung des Briten Martin Smith die rundlichen Linien des Elise durch eine eigenständige Form mit harten Sicken und Kanten. Etwas gewachsen ist der Opel Speedster 2.2i außerdem: in der Länge um sechs, im Radstand um drei und in der Spurweite um einen (vorn) respektive drei Zentimeter (hinten). Das schafft nicht nur Platz für einen brauchbaren Kofferraum im Heck (206 Liter), sondern dient zugleich dem Geradeauslauf und der Stabilität im Kurvengrenzbereich.

Rüsselsheimer verzichten auf Komfort

In Verbindung mit zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen wie ABS, Fahrer-Airbag und Bremskraftverstärker sorgen die größeren Dimensionen allerdings dafür, dass der Opel Speedster 100 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als der Elise 111 S (870 statt 770 kg). Weitergehende Zugeständnisse an Komfort oder Alltagstauglichkeit sind jedoch im puristischen Konzept nicht vorgesehen. Es gibt keine Servolenkung, keine elektrischen Fensterheber oder Außenspiegel, keine verstellbaren Rückenlehnen und erst recht keine Klimaanlage, dafür aber ein leichtes Stoffverdeck, das sich schnell zusammenrollen und in einer Tasche hinter den Sitzen verstauen lässt.

Ein Hardtop für den Winter gehört neben Metallic-Lackierung, Lederpolsterung sowie einem maßgefertigten Kofferset zu den entbehrlichen Extras des Opel Speedster 2.2i, wenngleich man auf das Innenraum-Alupaket (Schalthebel, Fensterkurbel, Pedale, Fußstütze) schon wegen der optischen Konsequenz nicht verzichten möchte. Schließlich ist das tragende Rückgrat für die aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigte Außenhaut ein Aluminium-Chassis, das ohne Anbauteile nur 71 Kilogramm wiegt und eine ungewöhnlich hohe Steifigkeit und Crashsicherheit im Opel Speedster 2.2i bieten soll.

Daran sind doppelte Querlenker vorn und hinten verankert, die für eine exakte Radführung sorgen. Ein Hilfsrahmen aus Stahl im Heck nimmt Motor und Getriebe auf. Die quer installierte Antriebseinheit stellt die einzige Verbindung zur Opel-Palette her, denn sie wurde praktisch unverändert von Astra, Zafira und Vectra übernommen. Das muss kein Nachteil sein, denn selbst der Lotus verwendet Großserientechnik – von Rover.

Sound des Opel Speedster 2.2i ist verbesserungswürdig

Rein sachlich kann man dem drehfreudigen und kultivierten 2,2-Liter-Vierventiler ohnehin wenig vorwerfen, allein der banale Vierzylinder-Sound passt nicht so recht zum sportiven Charakter des Opel Speedster 2.2i. Ansonsten kommt schnell jener Fahrspaß auf, für den der Speedster geschaffen wurde. Die breiten Seitenschweller stimmen ein auf einen spartanischen Innenraum, in dem kein überflüssiges Detail von der ursprünglichen Funktion ablenkt. Notdürftig gepolsterte Sitzschalen gewähren mehr Seitenhalt als Bequemlichkeit.

Echte Sprinterqualitäten

Doch wer fragt nach Komfort, wenn erst der zentral auf dem Armaturenbrett platzierte Startknopf den Motor des Opel Speedster 2.2i zum Leben erweckt. Dann spürt man schon auf den ersten Metern, wie viel 147 PS in so wenig Auto ausrichten können. Unversehens schnellt die Nadel des Drehzahlmessers in den roten Bereich, und nach einem kurzen Griff zum Schalthebel setzt erneuter Schub ein. 5,9 Sekunden verspricht Opel für den Sprint von null auf 100 km/h, was beim Blick auf das Leistungsgewicht kaum überrascht: Mit 5,9 Kilogramm pro PS liegt es unter dem eines Porsche Boxster (6,1 kg/PS). Mehr noch als diesen drängt es den  Opel Speedster 2.2i zu kurvigen Landstraßen, wo Tempo keine Zahl auf dem Tachometer, sondern am ganzen Leib und mit allen Sinnesorganen erlebte Fortbewegung ist.

Der niedrige Schwerpunkt im Opel Speedster 2.2i und die mit 2,8 Umdrehungen extrem direkt übersetzte Lenkung gieren jedenfalls nach engen Radien und dem Duft des Frühlings. So lange muss man auch noch warten: Die ersten Kundenautos werden nicht vor April ausgeliefert.

Technische Daten
Opel Speedster
Grundpreis32.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3786 x 1708 x 1117 mm
KofferraumvolumenVDA206 L
Hubraum / Motor2198 cm³ / 4-Zylinder
Leistung108 kW / 147 PS (203 Nm)
Höchstgeschwindigkeit217 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s
Verbrauch8,6 L/100 km
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