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Pagani Zonda Cinque im Fahrbericht

Ein Supersportler nimmt Abschied

Pagani Zonda Cinque Foto: Hans-Dieter Seufert 13 Bilder

Der italienische Supersportwagen Pagani Zonda ist schön, er ist exotisch, er ist eine italienische Auto-Diva – tiefgründig und geheimnisvoll. Doch nach der finalen Kleinserie Cinque geht der Zonda für immer. Wir sagen: "Ciao, Pagani."

26.10.2009 Marcus Peters

Tränen des Trennungsschmerzes trüben den Blick. Sie besiegen das Ende einer lange währenden Freundschaft. Noch ist es unvorstellbar, doch der Pagani Zonda wird in den Annalen verschwinden. Der Abschied vom letzten Modell namens Cinque – zu deutsch fünf, die Stückzahl dieser Kleinserie –, ist endgültig. Sein Nachfolger soll nächstes Jahr präsentiert werden.

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Fahrbericht Pagani Zonda Cinque
auto motor und sport 22/2009
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Trotz aller Vertrautheit bleiben wir andächtig

Es war dieser Geruch beim ersten Rendezvous 2005, intensiv und natürlich. Der fesselnde Duft seines Leders. Über die Jahre trafen wir sechs dieser italienischen Ausnahme-Erscheinungen – von insgesamt 118 gebauten. Im Innenraum des Pagani Zonda kam mehr Kohlefaser hinzu, teils matt, teils glänzend, aber immer durchsichtig lackiert. Und doch ist es dieser Ur-Geruch, der bis heute den Freund erkennen lässt. Geändert haben sich auch die Sitze; jetzt sind es Schalen aus einem Guss. Die Position blieb, wie sie war – perfekt. Als hätte der Mechaniker die Ergonomie extra für diesen Tag ermittelt. Und trotz aller Vertrautheit bleiben wir andächtig, aufmerksam und angespannt. Als erstes Magazin überhaupt fährt auto motor und sport den Pagani Zonda Cinque.

Pagani Zonda Cinque kostet rund 1,5 Millionen Euro

Und diese Ehre ist Bürde zugleich: Der Kunde des eineinhalb Millionen Euro-Boliden hat sich für heute zur Abholung angekündigt. Als wäre das alles kein Thema, wünscht Firmenchef Horacio Pagani schlicht viel Spaß bei der Test-Runde mit dem Zonda. Sein Vertrauen schenkte er bei einer gemeinsamen Fahrt im Zonda Nummer Zwei. Die Temperatur war zu niedrig und die Straße zu schmierig für den Leistungseinsatz im Scheitelpunkt. Das Heck brach aus, ein Drift folgte. Und Beifahrer Pagani Horacio plauderte weiter, als sei nichts. Der Exil-Argentinier ist das Gegenteil seiner Autos, die er selbst entwirft: herrlich unprätentiös. Statt sich selbst präsentiert er seine Leidenschaft, tritt einen Schritt zur Seite, um den Pagani Zonda nicht zu verdecken.

Der inoffizielle Kohlefaser-Maßstab

Zwischen dem perlmuttfarbenen Lack leuchtet es gülden – Kohlefaser-Karos in der Morgensonne. Ihr exakter Kantenverlauf bringt Großserien-Hersteller beinahe um den Verstand, und so ist Pagani der inoffizielle Carbon-Maßstab. Als wäre ein Zonda F nicht detailverliebt genug, kommen beim Zonda Cinque weitere Flügelchen, Leitbleche und Hutzen hinzu – natürlich wie die gesamte Karosserie aus Kohlefaser und, wie Pagani versichert, alles aerodynamisch sinnvoll. Wie kein Zweiter schafft er es, das Nützliche auch noch spektakulär aussehen zu lassen. Beispiel Schlitze im vorderen Kotflügel. Hier rauscht die eingesaugte Luft heraus und presst den Cinque noch fester als den bisherigen Pagani Zonda F auf die Straße. Ähnliche Aufgaben erfüllen die ausgeprägtere Frontlippe, der massivere Diffusor sowie der längere Heckspoiler. Insgesamt wuchs der Cinque um 120 Millimeter, was noch einmal den Geradeauslauf verbessern soll.

7,3-Liter-V12 zieht einen in den Bann

Der Reifegrad eines Zonda bleibt ein branchenweites Mysterium. Niemand kann sich vorstellen, dass ein so kleiner Trupp von 45 Angestellten eine Kleinserie so gekonnt fortentwickeln kann. Nach eineinhalb Jahren Testlauf lässt sich das Sechsgang-Getriebe jetzt sogar sequenziell schalten. Basis jedes Pagani Zonda ist ein Kohlefaser-Monocoque; es wird nicht zugeliefert, sondern in den Öfen im hinteren Teil der Werkstatt gebacken. Im Vergleich zum F hat der Cinque 20 Kilogramm Gewicht verloren, soll nun trocken nur noch 1.210 Kilogramm wiegen. Umso mehr ballt sich die Masse im riesigen Mittelmotor-V12, den nach wie vor AMG beisteuert. Auch er zieht jeden in seinen Bann, der ihn erleben darf. Der Schub des 7,3-Liters gibt einen Einblick in die Ewigkeit, ist ausdauernd und allmächtig. Er definiert Drehmoment: Im Moment des Gasgebens dreht der Saugmotor die Hinterräder vorwärts, kein Tausendstel später. Das Durchsetzungsvermögen von 780 Nm und 678 PS (2005 waren es 555 PS) duldet keinen Fahr-Widerstand. Selbst wer schon bei 4.000/min schaltet, lässt die Welt hinter sich. Was zurückbleibt, ist ein Beschleunigungs-Sog, in dessen Mittelpunkt ein Klanggewitter wütet.

Zonda Cinque klingt wie ein Formel 1

Nächstes Geheimnis: der Sound. Die akustische Präsenz des Pagani Zonda Cinque entspricht etwa der zweier Porsche Carrera GT. Wie ein Formel 1-Motor heult der Mercedes-V12 – ohne dessen schmerzhafte Dezibel zu erreichen. Wohl aber produziert der Zonda den leicht beißenden Geruch der Rennstrecke und deren Flair obendrein. Ein Pagani schenkt seinem Fahrer die Illusion eines Langstrecken-Piloten. Auch als Cinque vermittelt der Zonda jene rätselhafte Verlässlichkeit, welche erstmals bei Pagani Nummer vier beeindruckte – beim Dreh für auto motor und sport-TV im Serpentinen-Gewurstel des Vor-Appenin. Der Zweisitzer folgt den Gedanken, stürzt sich mit seinem Heuschrecken-Blick in die Kurve, zentriert sich auf die Ideallinie, ist in seiner Präzision ganz Rennwagen und fast so zuvorkommend wie ein GT.

Das Herantasten an diesen Champions-Ligisten beschränkt sich auf ein Minimum, weil er bereits auf den ersten Metern mitteilsam ist, ohne den Fahrer mit Geschwätzigkeit kirre zu machen. Zwei Meter Karosserie-Breite auf einer schmalen Landstraße, dazu die rennmäßig tiefe, wegen des Mittelmotors weit nach vorn gerückte Sitzposition lassen Stochern im Nebel erwarten. Doch – kaum vorstellbar – es genügt, einmal einzulenken, die Rückmeldung abzuwarten, nur um festzustellen: Korrektur unnötig. Die Lenkung im Pagani Zonda arbeitet rein hydraulisch und erinnert schmerzlich an die gefühlsechte Zeit vor der elektrischen Servo-Unterstützung.

Vier Pagani Cinque gehen nach Hongkong, einer nach Großbritannien

Auch im Cinque herrscht schicksalhafte Vertrautheit, wie es nur Liebeauf- den-ersten-Blick-Paare kennen. In Deutschland müsste man sich diese Liebesbeziehung 1,43 Millionen Euro kosten lassen. Theoretisch. Praktisch gehen vier von den fünf Pagani Zonda Cinques im Uniform-Look eines Carabinieri nach Hongkong, einer nach Großbritannien. Als letzter Gruß folgen fünf Cinque Roadster, von denen bereits vier verkauft sind. Dann ist die Ära Pagani Zonda Geschichte, und es bleibt nichts als die Erinnerung. Die Erkenntnis des drohenden Verlustes schmerzt so sehr, als ginge ein guter Freund für immer. Man wird dich vermissen, Pagani. Zonda.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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