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Peugeot 307 1.6 16V

Der französische Golf-Schläger

Mit dem neuen 307 will Peugeot ab September sämliche Kompaktstars überrunden – auch den Klassenprimus aus Wolfsburg.

26.04.2001

Der modisch gestylte Nachfolger des 306 ist eine Kampfansage Richtung Volkswagen. „Unser 307 wird das neue Referenzmodell in der Kompaktklasse“, verkünden die Franzosen. Noch in diesem Jahr sollen 20.000 Exemplare in Deutschland verkauft werden, 2002 sogar 45.000. Bei VW klingeln schon die Alarmglocken, denn Konzernchef Ferdinand Piëchhöchstpersönlich hat den neuen 307 nach einer halbstündigen Sitzprobe und penibler Runduminspektion auf dem Genfer Autosalon als “ernsten Konkurrenten“ eingestuft. Mehrere VW-Techniker bekamen daraufhin den Auftrag, die Technik dieses Autos näher zu untersuchen.

Der neue Platz-Meister

Der immerhin 4,20 Meter lange und 1,51 Meter hohe Franzose (Golf 4,15 / 1,44 Meter) ist ein echtes Raumwunder. Groß genug, um als Reiselimousine für eine ausgewachsene Familie herzuhalten. Vorn und hinten gibt es gleichermaßen viel Bewegungsspielraum, die Kopffreiheit reicht locker bis Körpergröße 1,95 Meter.

Besonders angenehm: Durch die großen hinteren Türen gelangt man ohne Verrenkungen die zweite Reihe. Außerdem gibt es Ablagen und Staufächer wie in einem Lieferwagen – allesamt praktisch und gut erreichbar. Und quasi als Happy-End bietet der 307 einen großen Kofferraum mit 420 Liter Ladevolumen, der sich per geteilt umklappbarer Rücksitzbank bis auf 1470 Liter erweitern lässt (Golf 330 bis 1184 Liter).

Große Fenster, gute Sicht

Der Peugeot ist ideal für Touristen-Touren: Dank der großen Fenster hat man nämlich von allen Plätzen ungehinderten Ausblick. Dass der Frontabschluss für den Fahrer nicht zu sehen ist, stört nur beim Einparken. Positiv: Die Vordersitze, beim Vorgänger recht knapp bemessen, sind in der Fläche deutlich gewachsen und spürbar rückenfreundlicher. Die Kopfstützen auf der Rückbank reichen großen Leuten allerdings nur bis ins Genick. Auch im Motorraum hat Peugeot gespart: Beim Halten der Haube hilft keine Gasfeder, sondern umständlicherweise ein Metallstab.

Und die Verarbeitungsqualität? Im Prinzip gut, aber manche Kunststoffe sehen aus wie Plastik, manche Passungen passen nicht, und auf grobem Boden gibt es ab und an leichte Knister- und Klappergeräusche. In diesem Punkt braucht sich VW nicht zu sorgen, da ist der Golf noch besser.

Fahren und sparen

Sehr günstige 28.750 Mark (Dreitürer) kostet das gefahrene Benziner-Basismodell mit kräftigen 109 PS. Zum Vergleich: Ein Golf mit 105 PS ist 2054 Mark teurer – bei gleicher Ausstattung sogar über 4000 Mark. So bestückt marschiert der 307 ordentlich los: Sein 1,6-Liter Vierzylinder mit Vierventiltechnik reagiert spontan aufs Gas, dreht leicht hoch und läuft dabei leise und vibrationsarm. Null bis Hundert erreicht er in 11,7 Sekunden, die Spitze beträgt 190 km/h. Peugeot verspricht einen Verbrauch von 7,2 Liter Super auf 100 Kilometer. Der Zweiliter mit 136 PS, der Tempo 205 schafft, kann das alles noch besser, kostet aber mindestens 34.227 Mark, weil es ihn nur mit üppiger Tendance-Ausstattung gibt. Empfehlenswert ist der 90 PS starke Common-Rail-Diesel für 30.902 Mark, der kräftig und kultiviert zur Sache geht. Zum Jahresende folgt ein Zweiliterdiesel mit 109 PS und Rußpartikelfilter für 35.596 Mark.

Das Fahrverhalten des 307 ist – so der Eindruck nach 400 Testkilometern – unter normalen Bedingungen problemlos. Die elektrohydraulische Servolenkung reagiert exakt, schnell gefahrene Kurven machen keine schweißnassen Hände. Die Federung ist komfortabel, könnte aber noch feinfühliger reagieren. Im Extrembereich und bei Lastwechseln kommt jedoch die relativ einfach konstruierte Verbundlenker-Hinterachse an die Grenze ihrer Fähigkeiten – das Heck reagiert dann zu unruhig. Praktisch: Die Kotflügel sind aus Kunststoff, nach leichten Remplern gehen sie flugs wieder in ihre ursprüngliche Form..

Alles drin und alles dran

Die Basis-Ausstattung ist vorbildlich: Frontairbags, Seiten-/Kopfairbags, Fensterairbags, fünf Kopfstützen, Antischleudersystem (ESP), elektronischer Bremsassistent, Fensterheber (vorn), Zentralverriegelung mit Fernbedienung – alles inklusive. Das zweite Ausstattungsniveau, Esplanade (ab 31.097 Mark) hat die Klimaanlage serienmäßig, ab Tendance sind unter anderem Audioanlage und Aluräder inbegriffen. Der Aufpreis für den Fünftürer beträgt 1565 Mark.

Doch der Start verzögert sich: Zwar kann man die neuen Modelle ab 8. Juni Probe fahren, die Auslieferung beginnt aber erst im September, weil die Franzosen frühestens im Juli mit dem ESP-Einbau beginnen können. Und die Automatik mit Tiptronic á la Porsche kommt erst im nächsten Frühjahr in den 307, ebenso das Telematik-Paket mit Navigationssystem.

Eine ganze Modell-Familie folgt

Im nächsten Jahr wird es auch ein knackiges 307-Sportmodell geben – mit tiefergelegtem, strafferem Fahrwerk und einem bis zu 180 PS starkem Zweiliter-Vierzylinder. Der Kombi startet spätestens im Mai 2002 – als verlängerter, höher gebauter Siebensitzer mit riesig Platz, versenkbarer dritter Sitzreihe und schlauer Van-Variabilität. Das neue 307 Cabrio kommt 2003 mit einem Metallfaltdach – ganz wie im neuen Peugeot 206 CC.

Das alte 306 Cabrio und das bisherige Kombi-Modell Break bleiben bis zum Erscheinen der neuen Modelle noch im Angebot.

Technische Daten
Peugeot 307 1.6 16V
Grundpreis14.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4202 x 1730 x 1510 mm
KofferraumvolumenVDA341 bis 1328 L
Hubraum / Motor1587 cm³ / 4-Zylinder
Leistung80 kW / 109 PS (147 Nm)
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,7 s
Verbrauch7,2 L/100 km
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