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Peugeot 404 Einst und jetzt

Handliche Lokomotive für den Alltag

Peugeot 404, Dieter Korp Foto: Archiv 4 Bilder

Dieter Korp, als Erfinder der "Jetzt helfe ich mir selbst"-Buchreihe und als Freund von Wankel-Automobilen bekannt, testete in auto motor und sport Heft 17/1960 den Peugeot 404. Korp war sehr beeindruckt, kritisierte nur Marginales an der harmonischen französischen Mittelklasse-Limousine.

28.03.2013 Powered by

In zweifacher Hinsicht erwies sich der Peugeot 403 als gute Lokomotive: Im Vergleich zu seinen vorherrschenden Eigenschaften, denn er gilt als kräftig, robust und sicher, und auf dieser vertrauenerweckenden Basis als starke Zugmaschine für den neuen 404. So hatte sich die Erwartung auf den Peugeot 404 tüchtig aufgeheizt. Ein hautnah auf die Praxis von heute und morgen zugeschnittener Wagen ist er geworden und erfüllt vor allem eine immer aktueller werdende Forderung: Handlichkeit.
 
Erleichtert wurden Wartung und Pflege, verbessert Motor und Fahrwerk, und schließlich fanden seine Bauherren einen Architekten, der seinen Beruf versteht. Pinin Farina befriedigte das Auge und auch den Verstand des Besitzers, der mit und von diesem Auto leben soll. Sein Karosserieentwurf - typisch durch die tief angesetzte Gürtellinie -, schafft einwandfreie Sicht, guten Einstieg und ausreichenden Raum für Insassen, Motor und Gepäck. Obwohl stärker und teurer als der 403, wurde der Peugeot 404 um 5 cm kürzer und schmaler und um etwa 20 kg leichter (Radstand 1 cm und hintere Spur 4 cm kleiner).

Optimierter Motor im Peugeot 404

Drei Dinge hatte man sich für den Motor des Peugeot 404 zum Ziel gesetzt: leistungsstärker, spezifisch sparsamer und laufruhiger. Obwohl unverändert in seinem Grundentwurf - Reihenvierzylinder mit auswechselbaren Zylinderbuchsen, seitlich liegender Nockenwelle, Stoßstangen für Auslassventile schräg durch den Zylinderkopf geführt -, änderte man doch so viele Details, dass man von einem neuen Motor sprechen kann. Die Zylinderbohrung wurde erweitert, was den vergrößerten Hubraum von 1.618 cm3 ergibt. Der Zylinderkopf wurde völlig umgestaltet, die Ventile hängen nun V-förmig im Querstrom-Zylinderkopf.

Die Antriebskette für die Nockenwelle wurde mit einem selbsttätigen hydraulischen Kettenspanner ausgestattet. Trotz der um 22% höheren Leistung bei höherer Nenndrehzahl, jetzt 65 DIN-PS bei 5.400/min, ist der Motor wesentlich laufruhiger geworden. Er ist in der Tat so leise, dass man sich eine Anlassersperre wünscht, die das Betätigen des Anlassers bei laufendem Motor verhindert. Das Geräuschniveau des Motors steigt im letzten Drehzahldrittel bis zur Nenndrehzahl kaum noch nennenswert an. Bei Überdrehzahlen wird es kräftiger, aber nicht unangenehm. Erstaunlich die Drehzahlfestigkeit: Dieser Kurzhub-Motor im Peugeot 404 verträgt Drehzahlen bis zu 6.800/min ohne Ventilfederschwirren!

Geänderte Getriebeübersetzungen

Nicht in das Bild dieses ruhig arbeitenden und auch bei kleinen Drehzahlen zugkräftigen Motors (maximales Drehmoment 13 mkg bei 2.250/min) passten die nicht ganz sauberen Übergänge bei zu schnellem Gasgeben oder Gaswegnehmen. Möglich, dass die Vergaserabstimmung noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, oder aber dass der Vergaser zu sparsam eingestellt war. Geändert wurden beim Peugeot 404 die Übersetzungsstufen von Getriebe und Hinterachse. An den Gesamtübersetzungen hat sich nicht viel geändert, der Vierte, beim 403 noch 0,75:1, ist jetzt ein 1:1-Gang geworden. Man verkleinerte nämlich gleichzeitig die Hinterachsübersetzung von 5,75:1 auf 4,2:1

Erreicht wurde dadurch vor allem eine kleinere Drehzahl der Kardanwelle. Ihr langsamerer Lauf trägt viel zur Ruhe der Hinterachse und der Karosserie bei. Der 1. Gang wurde etwas länger, während der 2. und der 3. Gang mehr zusammenrückten, was einen besseren Schaltanschluss und lebhafteres Fahren in bergiger Landschaft ergibt. Der IV. Gang ist etwas länger geworden. Wegen der ziemlich gleich gebliebenen Gesamtübersetzungsverhältnisse liegt das Drehzahlniveau nicht viel höher als beim 403.

Jedoch wird man ob der größeren Laufruhe und Drehzahlfreudigkeit des Motors im Peugeot 404 die Gänge weiter auszufahren bestrebt sein. Bei der Höchstgeschwindigkeit, die wir im Mittel mit 142,5 km/h stoppten, dreht er mit 5.000/min. Das Schaltschema gleicht unverändert einem Dreiganggetriebe mit einer dritten Schaltebene für den 4. Gang, zu dessen Einlegen kurzarmige Menschen immer noch eine artige kleine Verbeugung machen müssen. Der am meisten benutzte 2. und 3. liegt also in einer Ebene, wohin der Schalthebel durch eine kräftige Feder zurückgeführt wird. Um in diese Gänge zu schalten, muss man sich ganz dieser Feder überlassen, sonst sucht man sie vergebens.

Angenehme und komfortable Federung

Um Fahrverhalten und Komfort auf ein höheres Niveau zu bringen, was, wie wir fanden, überzeugend erreicht wurde, löste man sich von der etwas antiquierten Vorderachse - die Querblattfeder diente beim 403 gleichzeitig als Führungselement für die Räder - und bediente sich der besseren Geometrie der Radaufhängung mit Querlenkern und McPherson-Federbeinen. Sie sind mit je einer Schraubenfeder ausgestattet, die mit dem Stoßdämpfer - ein großer Vorzug - in einer gemeinsamen Wirkachse liegen. Die große Basis dieses Dreiecks sichert außerordentlich steife Führung im Peugeot 404.

Die Hinterachse blieb im Prinzip unverändert - eine durch Schubrohr und Panhard-Stab sorgfältig geführte Starrachse. Weil man inzwischen gelernt hat, dass sich Fahrkomfort und gute Straßenhaftung nicht unbedingt ausschließen müssen, konnte die straffe Federung des 403 durch eine weicher wirkende Federung abgelöst werden. Besonders eindrucksvoll sind das Schluckvermögen und die sichere Lage des Peugeot 404 auf schnell gefahrener welliger Autobahn, wobei ihm noch die ausgeprägte Richtungsstabilität des zum Untersteuern tendierenden Wagens zugutekommt. Im Ganzen verdient das hohe Maß des Komforts auf allen Arten von Straßen eine sehr gute Beurteilung.

Exakte Lenkung und neutrales Einlenkverhalten

Die eingangs erwähnte Handlichkeit gilt nicht allein für das Slalomfahren in unseren Städten und in ihren Vororten. Auch das Kurvenfahren auf der Überlandstrecke oder im Gebirge gleicht einem leicht gewordenen Spiel, für das wir uns für einen Familienwagen dieser Größe kaum einen neutraleren Parallelfall vorstellen können. Zwei Dinge kommen hier zusammen: eine überaus leichtgängige, aber pedantisch genaue Lenkung und das neutrale Eigenlenkverhalten im normalen Geschwindigkeitsbereich. Für diese Charakteristik sorgt eine schrägverzahnte Zahnstangenlenkung, die mit weniger Umwegen zu den Lenkhebeln am Rad auskommt. Kein Wunder, dass diese Lenkung, die wir für das Beste am neuen Peugeot halten, sehr bald zum zügigeren Fahren herausfordert. Und es ist, als würde der Peugeot 404 nur auf etwas Sporendruck warten.

Die schnell durchfahrene Kurve meistert er in einer für einen Gebrauchswagen souveränen Art, was sich auch auf den Fahrer überträgt. Es sind keine korrigierenden Lenkbewegungen erforderlich, allenfalls muss man, da der Wagen mit schnellerer Kurvenfahrt in den untersteuernden Bereich kommt, das Lenkrad nach und nach etwas stärker einschlagen, als es dem tatsächlichen Kurvenverlauf entspricht. Es gibt praktisch keinen Starrachser, der nicht auf Bodenwellen geradeaus oder in der Kurve zum Versetzen neigt. Doch ist die Hinterachse des Peugeot exakt geführt, die Schraubenfedern können sich ganz ihrer eigentlichen Aufgabe widmen. Hinzu kommt das neutrale bis untersteuernde Kurvenverhalten, demzufolge nicht das Heck, sondern der Vorderwagen eher aus der Kurve drängt. Stampfen und "Ecken“ in engen Kurven war nicht festzustellen, der Peugeot 404 durchläuft sie geschmeidig.

Temperamentvoll und gute Bremsen

Die Bremsen in den 15-Zoll- Rädern blieben unverändert in ihrer Gesamtbremsfläche von 815 cm2. Bei guter Dosierbarkeit zogen sie absolut gleichmäßig und angenehm weich einsetzend. Die Distanz Gas- und Bremspedal halten wir jedoch für zu groß. Das Gaspedal ist so ausgebildet, dass es - der Wagen müsste nicht aus Frankreich kommen -, auch von Damen mit Bleistiftabsätzen bedient werden kann. Geringeres Gewicht, kleinere Stirnfläche, fahrgerechtere Übersetzungsstufen und mehr Leistung verliehen dem Peugeot 404 auch vom Temperament her einen neuen, spritzigen Charakterzug. Mit einer gestoppten Beschleunigungszeit von 19,2 s für 0 bis 100 km/h hat er als 1,6-Liter schon die nächste Klasse erobert.

Der Peugeot 404 wirkt formal durchaus nicht modisch, schon deswegen nicht, weil man ihn von überflüssigem Chrom verschont hat. Die Zuladung beträgt etwas über 500 kg, ein einsamer Spitzenwert in dieser Klasse. Die Verarbeitung des eleganten Peugeot macht nach wie vor einen soliden Eindruck, unschön empfanden wir nur die scharfkantig gebliebenen Blechnahtstellen vorn an den Türen. Die Instrumentierung ist reichlich: Tachometer, Gesamt-und Tageskilometer-Zähler (Letzterer mit 100-m-Walze), Zeit- und Benzin-Uhr, Amperemeter und Kühlwasser-Thermometer.

Mäßiger Verbrauch des Vierzylinders

Angesichts seiner Fahrleistungen darf man den Verbrauch als mäßig bezeichnen. Er lag im Durchschnitt zwischen 9 und 10 Liter je 100 km, angenehm ist zudem, dass der Peugeot 404 auch bei hohen Drehzahlen oder forcierter Autobahnfahrt nicht gefräßig wird. Auch der Ölverbrauch blieb unter den normalen Werten. Wartung und Pflege werden durch die gute Zugänglichkeit aller wichtigen Teile erleichtert. Neun Abschmierstellen sind alle 3.000 km zu versorgen, Ölwechsel alle 3.000 km.

Man merkt dem Peugeot 404 an, dass sich eine Fabrik um ihn bemüht hat, die sich nicht mit der Entwicklung vieler anderer Typen zersplittern musste. In Sochaux, nahe der Schweiz, baut man nur den 403 und 404, ersteren allerdings auch mit 1,3-Liter- und Dieselmotor. Diese Konzentration ist dem Wagen in jeder Hinsicht gut bekommen, indem man ungewöhnlich viel von dem verwirklicht findet, was man heutzutage fordern muss. Wir können uns in dieser Klasse gegenwärtig keinen handlicheren und angenehmer zu fahrenden Wagen vorstellen als diesen gut aussehenden Peugeot 404, diesen Vierzylinder mit der Ruhe eines Sechszylinders.

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