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Pickup Icon Thriftmaster im Fahrbericht

Ein sportlich, cooles Kunstwerk

Pickup Icon Thriftmaster, Frontansicht Foto: Justin Evidon 19 Bilder

Jeder hat eine zweite Chance verdient – auch ein vergammelter Chevy-Pickup von 1949. Für den Amerikaner Jonathan Ward ist es der schönste seiner Art, deswegen hat er ihn nicht nur restauriert, sondern neu erschaffen. Preis: 250.000 Dollar.

23.05.2015 Dani Heyne

Der alte Chevy-Pickup war längst klinisch tot. Sein Sechszylinder aufgeplatzt, die Kotflügel und das Fahrgestell von Rost zerfressen, Scheiben und Holz der Ladefläche vernarbt. Der letzte Besitzer hatte den Wagen offensichtlich abgemeldet und abgehakt. Nicht mal die Schrotthändler wollten was für ihn springen lassen. So stand der Thriftmaster, wie Chevrolet diese Pickups zwischen 1947 und 1953 nannte, und zerbröselte in Zeitlupe. Bis ihn ein Kopfgeldjäger entdeckte.

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Fahrbericht Pickup Icon Thriftmaster
auto motor und sport 09/2015
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Ein alter Chevy in neuem Glanz

Jonathan Ward, ein professioneller Geländewagen-Umbauer, hatte den Mann beauftragt, nach so einem Wagen zu suchen. Von Florida bis nach Alaska. Denn er wollte seiner Liebe zu Ami-Schlitten der 50er- und 60er-Jahre ein Denkmal setzen, da sie seiner Meinung nach die mutigsten und schönsten Formen überhaupt trugen. Und Lastesel wie der Chevy-Pickup sind keine Ausnahme.

Ward hatte sich in den Kopf gesetzt, so eine alte Kiste mit den technischen Möglichkeiten von heute zu verbessern. Sie perfekt zu machen – ein rollendes Kunstwerk zu erschaffen, das sich sportlich bewegt, Schub ohne Ende bietet und dabei so cool und lässig aussieht, dass Al Capone damit vorgefahren wäre. Und weil Ward kein Schwätzer ist, sondern sein Gegenüber statt mit vielen Worten lieber mit richtigen Taten überzeugt, hat er diesen Kopfgeldjäger losgeschickt, um seinen Lieblings-Pickup zu finden. Einen 1949er Chevrolet Five Window Thriftmaster. Einen der Ur-Pickups.

So kam der alte Chevy schließlich zu Ward, der ihn mit den Jungs seiner Firma Icon am Rande von Los Angeles gründlich zerlegte. Darin hatte der Mittvierziger Übung, er restaurierte in den 90ern bereits solche Trucks. Damals fand man sie noch für kleines Geld fahrbar am Straßenrand. Allerdings war er nach ein paar Meilen mit ihnen so enttäuscht vom zittrigen Fahrwerk und der ungenauen Lenkung, dass keiner lange bleiben durfte. Diesmal sollte es anders werden.

Pickup Icon Thriftmaster leistet 430 PS bei 5.500/min

Perfektionsstreben hat bekanntermaßen die Folge, immer das Beste aus sich selbst herauszukitzeln. So kam es, dass Ward all jene Teile des Pickup Icon Thriftmaster zu einem Profi brachte, die er gern verbessern – oder neu anfertigen lassen wollte, weil es sie am Teilemarkt nicht in der gewünschten Qualität gab. Der Typ scannte alles mit Lasertechnik ein und fütterte ein Computerprogramm, das jede Wölbung, jeden Knick darstellt. Anschließend wurden diverse Teile – unter anderem das komplette Armaturenbrett und das Heck – neu designt. Ward hat es dabei nicht übertrieben, nur wer genau hinschaut, erkennt die feinen Unterschiede zwischen seinem Truck und einem Original.

Anschließend suchte er nach einem passenden Rahmen, denn das Problem des alten war nicht nur der Rost, sondern vor allem das labbrige Fahrwerk mit müden Blattfedern und einer Pedalerie, die über kurz oder lang zu Wadenkrämpfen führte. Ein Profi aus der Hot-Rod-Szene konnte helfen. Er fertigte nach den Vorgaben einen komplett neuen Rahmen für den Pickup Icon Thriftmaster an, mit leichten Dreieckslenkern vorn, verstärkter Hinterachse und verstellbaren Dämpfern rundum.

Natürlich wurden dabei auch gleich eine moderne, direkte Lenkung integriert sowie die Pedale perfekt angeordnet. Ein halbes Jahr später waren alle neuen Karosserieteile gepresst oder von GM Classic geliefert und perfekt angepasst, sodass der Pickup Icon Thriftmaster langsam wieder Form annahm. Um Porsche und Co. beim Ampelstart verblüffen zu können, entschied sich Ward für einen nagelneuen 5,3-Liter-V8 mit Einspritzanlage aus dem General-Motors-Regal, den er anschließend noch mit einem Magnuson-Kompressor krönte. Ergebnis: geschmeidige 430 PS bei 5.500 Umdrehungen und gewaltige 620 Newtonmeter Drehmoment bei 4.500 Touren.

Perfekter Minimalismus

Die Kraft wird über ein Sechsgang-Schaltgetriebe von Tremec an die 18-Zoll-Hinterräder geleitet, die mit 295er-Gummis überzogen sind. Als wir den Pickup Icon Thriftmaster besuchen, wartet er wie ein Neuwagen auf die erste Runde. Seine Geschichte ist die einer Wiedergeburt, wie es sie in der Autowelt selten gibt. Jonathan Ward reicht die Schlüssel und wünscht gute Fahrt. Dann lässt er die Tür schwungvoll ins Schloss fallen und läuft davon, wohl wissend, dass man in diesem Cockpit etwas mehr Zeit braucht.

Es gibt so gut wie keine Knöpfe, keine Schalter im Pickup Icon Thriftmaster. Alles schimmert in mattem Grau, alles ist perfekt auf Minimalismus getrimmt. Ein Himmel aus schwarzem Alcantara, eine durchgehende Sitzbank mit dunklem Bisonleder. Neben den beiden Uhren für Tacho und Drehzahl öffnen sich auf Knopfdruck zwei Alublenden, links erscheint das Handschuhfach, in der Mitte ein großer Berührungsbildschirm. Hier lassen sich nicht nur Navi und Radio befehligen, sondern auch die Klimaanlage. Zudem gibt’s Infos zum Motor oder eine Verbindung zum Internet.

Ganz recht: Der Pickup Icon Thriftmaster besitzt sogar einen WLAN-Hotspot. Ward hat einen Weg gefunden, wie er den kompletten CAN-Bus des Wagens programmieren und diverse Funktionen im Display steuern kann. Dadurch braucht er so gut wie keine Schalter im Cockpit zu verstreuen, was perfekt zum ursprünglichen Design des Trucks passt.

Pickup Icon Thriftmaster kostet 250.000 Dollar

Zeit, den V8 zu starten. Es geschieht klassisch und bedarf keines Soundtunings, um die Nackenhärchen in Bewegung zu versetzen. Der Motor hängt erstaunlich direkt am Gas und lässt bei nervösem rechten Fuß noch im zweiten Gang die Hinterräder tänzeln. Das Erstaunliche ist aber nicht nur der Punch des Motors – sogar Sportwagenfahrer werden überrascht sein –, es ist die Art und Weise, wie sich dieser alte Pickup Icon Thriftmaster bewegt.

Wie direkt und satt er einlenkt, wie kräftig seine vier Scheibenbremsen zubeißen, wie perfekt alles zusammenspielt. Kein Quietschen, kein Knarren. Das Einzige, was Konzentration verlangt, ist das Verhältnis zwischen Lenkwinkel und Gasstellung. Denn hier hilft kein ESP, wenn das Heck schwungvoll nach außen drängt.

Dank des neuen Fahrwerks lässt sich der Pickup Icon Thriftmaster jedoch leicht wieder einfangen. Kurvenräubern mit einem Pickup? Oh yes! Mit diesem Exemplar gelingt das genauso gut wie das anschließende Cruisen im sechsten Gang bei 1.500 Umdrehungen. Am Ende des Tages gratulieren wir Ward. Was für eine Leistung, was für ein Auto. Fünf Stück will er insgesamt bauen, für je 250.000 Dollar. Stolz streicht er über die runden Kotflügel und verrät noch ein Geheimnis: Als er einst an genau so einem Pickup schraubte, lernte er zufällig seine Frau kennen. Kein Wunder, dass er dem Thriftmaster etwas zurückgeben wollte.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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