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Porsche 911 GT3 im Fahrbericht

Elfer in seiner schärfsten Form

Porsche 911 GT3, Frontansicht Foto: Hersteller 29 Bilder

Erstmals geht der Porsche 911 GT3 ausschließlich mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und neuer Hinterachslenkung auf Kurvenjagd. Wir sind den Rennwagen mit Straßenzulassung bereits gefahren.

05.07.2013 Christian Gebhardt

Die Ehe zwischen dem Porsche 911 GT3 und seinen Fans hält seit 1999. Doch nun könnte die heißblütige Liaison nach 14.145 GT3-Modellen leichte Risse bekommen. Die fünfte Generation des Kurvenjägers gibt es erstmals nur noch mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Puh, das klingt nach einer handfesten Ehekrise. Was wird die puristische Porsche 911 GT3-Klientel sagen? Warum wird der Wegfall des manuellen Schaltgetriebes nicht zunächst bei moderateren Elfer-Versionen à la 911 Targa oder Carrera 4 vollzogen? „Die Voraussetzung, den Porsche 911 GT3 in so kurzer Zeit zu entwickeln, war, dass wir uns auf ein Getriebe konzentrieren“, antwortet Andreas Preuninger, Projektleiter für die GT-Modelle bei Porsche, und fügt hinzu: „Der Porsche 911 GT3 soll das puristischste Auto sein, aber auch gleichzeitig das schnellste Auto in seinem Segment. Das ist im Elektronikzeitalter gar nicht mehr möglich.“

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Fahrbericht Porsche 911 GT3 Der schärfste Elfer
auto motor und sport 13/2013
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Porsche 911 GT3 991
Porsche 911 GT3 als puristischer Hochleistungssportler 1:15 Min.

Aber wollen wir den 14. Hochzeitstag der Porsche 911 GT3-Ehe mit Diskutieren verbringen? Nein, schließlich stehen wir mit einem der letzten Erprobungsfahrzeuge vor Produktionsbeginn Ende Juli am Fuße der spanischen Pyrenäen, zwei Autostunden vor den Toren Barcelonas. Dort wartet die Creme der Serpentinen. Kurvige Bergstraßen, die sich durch Tunnel und vorbei an Schluchten bis auf 1.700 Meter hochschlängeln – ein bisschen Col de Turini auf Katalanisch.

Porsche 911 GT3 so alltagstauglich wie noch nie

Wir nehmen sportlich eng umschlossen in klappbaren Karbon-Schalensitzen Platz. Wie bei allen anderen Elfern der 991-Baureihe wirkt auch das neue Porsche 911 GT3-Cockpit etwas geräumiger. Zündschlüssel links drehen, dann der Moment, der die Gemüter erhitzt. Klack, der PDK-Getriebe-Wählhebel rastet in der Automatik-Position D ein. Ein sachter Gasstoß, und der Porsche 911 GT3 bummelt gemütlich los. Fast unmerklich schaltet das PDK bei niedrigen Drehzahlen die Gänge hoch. Bei 47 km/h auf dem Digitaltacho geht es automatisch in den fünften Gang. Dabei säuselt der Sechszylinder-Boxer gedämpft, und der Porsche 911 GT3 gleitet mit alltagstauglichem Federungskomfort dahin. Ruckfrei ins Büro oder zum Bäcker? Kein Problem, noch nie war das Flügeltier so alltagstauglich  wie heute.

Bei solchen Sätzen herrscht auf der Halsschlagader der Puristen Druck. Daher würzen wir schnell nach, indem wir die PDK Sport-, die Dämpfer- und die Auspufftaste auf der Mittelkonsole drücken. Unter Volllast reißt der Porsche 911 GT3 nun seine Auspuffklappen noch früher als im Normalmodus auf. Wie ein Verstärker hämmern die Geröllhänge rechts und links der Passstraße das Boxer-Sägen zurück.

Während die dünn gesäte spanische Bergbevölkerung das rennwagenähnliche Live-Konzert genießt, sägt sich der Sechszylinder im Heck metallisch hämmernd bis 9.000 Kurbelwellenumdrehungen hoch. Dabei reagiert der neue Porsche 911 GT3-Boxer noch spontaner auf Befehle des Gaspedals und marschiert munterer als sein Vorgänger aus dem Drehzahlkeller.

Nicht nur der Drehzahlgipfel liegt 500 Touren höher als beim früheren Triebwerk mit 435 PS. Ab sofort leistet der Hochdrehzahlmotor 475 PS. Der neu entwickelte 3,8-Liter-Sauger, der erstmals im Porsche 911 GT3 über Direkteinspritzung verfügt, basiert auf dem Carrera S-Motor, nutzt jedoch nur wenige Gleichteile. Um das Triebwerk langlebig hochdrehzahlfest zu machen, setzt Porsche neben Alu-Schmiedekolben und Titan-Pleueln auch eine neue Ventilsteuerung über Schlepphebel ein.

Porsche 911 GT3-Hinterachse lenkt mit

Während der Porsche 911 GT3 im Eiltempo spanische Kurvenkombinationen verschlingt, glänzt er nicht nur mit neu entwickeltem Motor, sondern erstmals auch mit einer Hinterachslenkung. Die konventionellen Spurlenker wurden dafür an der Hinterachse durch zwei elektromechanische Aktuatoren ersetzt. Die Hinterräder können dadurch geschwindigkeitsabhängig in beiden Richtungen bis zu 1,5 Grad mit- und gegenlenken. Obwohl der Porsche 911 GT3 nicht nur länger (plus 85 mm), breiter (plus 44 mm) und schwerer als sein Vorgänger ist (plus 35 kg), sondern auch einen um 102 mm längeren Radstand hat, bewegt er sich bei niedrigen Geschwindigkeiten noch wendiger. Außerdem lenkt er präziser als sein Vorgänger ein. Aus Kurvenkönig wird Kurvenkaiser.

Bei schnellerem Tempo profitiert der Porsche 911 GT3 durch das Zusammenspiel von Vorder- und Hinterachse mit höherer Fahrstabilität. Eine elektronisch geregelte Hinterachsquersperre (Vorgänger: mechanische Sperre) sorgt dabei für ausgezeichnete Traktion. Kurz: Schnell fahren ist einfacher als im Vorgänger, aber nicht weniger spannend.

PDK im Porsche 911 GT3 deutlich modifiziert

Klingt also alles danach, als ginge die Ehe zwischen dem Porsche 911 GT3 und seinen Anhängern doch noch gefestigter als bisher weiter. Wenn da nicht die PDK-Sorgenfalte wäre. Die Angst, der Hardcore-Elfer sei nun ein weichgespülter Sportler ist dabei völlig unbegründet. Das Porsche 911 GT3-Doppelkupplungsgetriebe unterscheidet sich mit verkürzten Schaltwegen der Lenkradwippen, dem Wählhebel mit verändertem Schaltschema sowie schnelleren Schaltzeiten deutlich von dem bisher aus anderen Porsche-Modellen bekannten PDK. Außerdem ist die Übersetzung des neuen Getriebes kürzer.

Wer nicht manuell schalten will, der kann auch im PDK Sport-Modus die Schaltvorgänge der adaptiven Getriebesteuerung überlassen. Beim sportlichen Anbremsen einer Kurve schaltet das Getriebe genau zu dem Zeitpunkt selbsttätig herunter, bei dem auch ein Sportfahrer am Lenkrad gezupft hätte – also weder zu früh noch zu spät. „Für mich grenzt es fast an Magie, wie der Automatikmodus die Parameter Raddrehzahl, Motordrehzahl, Querbeschleunigung und Längsbeschleunigung sortiert und dann punktgenau herunterschaltet“, sagt Projektchef Preuninger begeistert. Recht hat er, das kann bisher kein Sportwagen mit automatisiertem Getriebe so gut wie der Porsche 911 GT3.

Abseits von spanischen Serpentinen hat der schärfste Elfer sein Sporttalent mit einer Rundenzeit von 7.25 Minuten bereits auf der Nordschleife unter Beweis gestellt. Doch damit die Porsche 911 GT3-Ehe zwischen Fans und Maschine ein Bund fürs Leben wird, sollten sie bei Porsche noch einmal über ein manuelles Schaltgetriebe als Option nachdenken. Auch wenn es den Porsche 911 GT3 kaum so schnell wie mit dem geschärften PDK machen dürfte, das Herz vermisst die schwergängige Kupplung und den Schaltstock des knochigen Handschaltgetriebes. Vielleicht doch ein passendes Geschenk für die Fans zum 15. Hochzeitstag der Porsche 911 GT3-Ehe im nächsten Jahr.

Fazit

Porsche 911 GT3 Dank Hinterachslenkung und Doppelkupplungsgetriebe mit verschiedenen Schaltstrategien lässt sich der neue GT3 noch einfacher schnell bewegen als seine Vorgänger. Darüber hinaus bietet er für einen Sportwagen seiner Gattung einen überraschend hohen Alltagskomfort.

Technische Daten
Porsche 911 GT3
Grundpreis137.303 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4545 x 1852 x 1269 mm
KofferraumvolumenVDA125 L
Hubraum / Motor3799 cm³ / 6-Zylinder
Leistung350 kW / 475 PS (440 Nm)
Höchstgeschwindigkeit315 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,5 s
Verbrauch12,4 L/100 km
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