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Porsche 911 GT3 RS 4.0 im Fahrbericht

Der leichteste, stärkste und schärfste Elfer

Porsche 911 GT3 RS 4.0, Frontansicht, Kurve Foto: Christoph Bauer 21 Bilder

Er ist etwas leichter, deutlich stärker und viel teurer geworden: Mit der zweiten und letzten Generation des GT3 RS auf Basis des Porsche 911 Carrera vom Typ 997, dem Porsche 911 GT3 RS 4.0, versüßt Porsche Sportwagenfans den Abschied von der im Herbst in Ruhestand gehenden Elfer-Baureihe.

21.10.2011 Anja Wassertheurer Powered by

Sein oder nicht sein, haben oder nicht haben, schwarz oder weiß: Beim Porsche 911 GT3 RS 4.0 gibt es nur entweder/oder. Entweder man kriegt einen von 600 Stück – wofür es mindestens 178.596 Euro und eines ordentlichen Quäntchen Glücks bedarf – oder eben nicht. Und es gibt ihn entweder in Schwarz oder in Weiß. So ist das bei Porsche. Nur eines gibt es ziemlich sicher nicht, dass man ihn nicht mag, den Neuen.

Nie war ein Saugmotor-Elfer stärker (500 PS aus nunmehr vier Liter Hubraum), nie war er leichter (1.270 Kilogramm Trocken- beziehungsweise 1.360 Kilogramm DIN-Gewicht), und nie war er schärfer und präziser. Die gesamte untere Lenkungsebene an der Hinterachse ist nunmehr Uniball-gelagert, was dem ohnehin schon messerscharfen Handling des auch optisch scharfen Porsche 911 GT3 RS 4.0 nochmals spürbar zugutekommt. Dass der Komfort im Alltag darunter nicht gelitten, sondern – im Gegenteil – sogar noch zugenommen hat, ist den Fahrwerks-Ingenieuren dabei als besonderer Verdienst anzurechnen.

Imposante Veränderungen für imposantes Fahrgefühl

Brötchen holen oder Time Attack, Kaffeefahrt oder Rennstreckenhatz – es gibt nichts, was er nicht kann, der neue Porsche 911 GT3 RS 4.0, abgesehen vom Familienausflug. Da ist die fehlende Rücksitzbank vor. Mit 125 PS pro Liter Hubraum hat der Sechszylinder-Boxer-Saugmotor in seiner jüngsten Ausbaustufe einen Wert erreicht, der einst jedem Turbo-Triebwerk zu Ruhm und Ehre gereicht hätte.

Die Kurbelwelle des Rennmodells GT3 R, Titanpleuel, modifizierte Zylinderköpfe, eine höhere Verdichtung (12,6 statt 12,2:1), die modifizierte Sauganlage mit von 48 auf 53 Millimeter vergrößerten Saugrohrstutzen in der Anbindung an den Zylinderkopf, ein anderer Luftfilter mit neuen Filterpatronen (zehn Prozent mehr Luftdurchsatz), neue strömungsgünstigere Katalysatoren und last but not least der von 76,4 auf 80,4 Millimeter vergrößerte Hub machen’s möglich. Das klingt imposant und fühlt sich auch so an.

Artgerechte Haltung für 500 Pferde

Die verstärkte Kupplung, deren Druckplatte nunmehr mit hochfesten Stahlschrauben verschraubt statt angenietet ist, fordert den Fahrerfuß, ohne über die Maßen schwergängig zu sein, das manuelle Sechsganggetriebe mit der serienmäßigen Schaltwegverkürzung und seiner bestmöglichen Beschleunigungswerten überaus zuträglichen kurzen Übersetzung erfordert vom Fahrer des Porsche 911 GT3 RS 4.0 den beherzten Zugriff der rechten Hand. Locker-lässig den Gang reinschieben ist nicht bei dieser Fahrmaschine. Warum auch?

Wer sich den neuen Porsche 911 GT3 RS 4.0 gönnt, wird ihn ziemlich sicher auch artgerecht bewegen – sagt die werksinterne Statistik. 85 Prozent der RS-Klientel sind regelmäßig abseits öffentlicher Straßen unterwegs. Diesen Piloten ist zupackendes Temperament ebenso zuzutrauen wie ein ausgeprägtes Faible für Gänsehaut erregende Stimmgewalt. Ein Leistetreter ist der Porsche 911 GT3 RS 4.0 – so der verkürzte Schriftzug unter dem rückwärtigen Doppel-Flügelbrett des aerodynamisch perfekt ausbalancierten Heckmotorsportlers – nämlich nicht. Der Newcomer schreit seinen Leistungswillen heraus, dass die Nackenhaare fast schon notorisch Spalier stehen.

911 GT3 RS 4.0 wird im Supertest sein Können zeigen

Wie soll der rechte Fuß ruhig bleiben, wenn unter ihm so viel ungezügelte Lebenslust schlummert? Geht nicht, beschließt das Kleinhirn und gibt ähnlich wie einst bei Otto Waalkes umgehend einen entsprechenden Befehl ans Großhirn: „Rechten Fuß absenken.“ Verzögerungsfrei geht die Kraft der 500 im flügelbewehrten Heck des Elfers schlummernden Pferdestärken auf die mächtigen 325/30 ZR 19-Michelin Pilot Sport Cup-Walzen über.

Jene verzahnen sich pflichtschuldigst und sofort mit dem Asphalt und katapultieren das wahlweise in unschuldigem Weiß oder machtbewusstem Schwarz zu habende zornige Ganze nach vorn, dass die Mundwinkel vor den Fliehkräften kapitulieren müssen und gleichsam zwanghaft nach oben gleiten. Mann – hat der Porsche 911 GT3 RS 4.0 Qualm, Traktion, Lenkpräzision und Stimmgewalt. Ein Rennwagen für die Straße, im wahrsten Sinn des Wortes. Nur dass man ihn auf öffentlichen Straßen besser nicht rennen lassen sollte wie er kann und will, sonst ist der Führerschein nur allzu schnell Geschichte. Also doch: Rennstrecke wir kommen – beim Supertest im nächsten Heft.

Technische Daten
Porsche 911 GT3 RS 4.0
Grundpreis178.596 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4460 x 1852 x 1280 mm
KofferraumvolumenVDA175 bis 310 L
Hubraum / Motor4000 cm³ / 6-Zylinder
Leistung368 kW / 500 PS (460 Nm)
Höchstgeschwindigkeit310 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,9 s
Verbrauch13,8 L/100 km
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