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Porsche 911 Turbo Generationen-Vergleich

Geschichten am Lader-Feuer

Porsche 911 Turbo, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Wer kennt es nicht, dieses ominöse Früher, in dem angeblich alles besser war? sport auto schnappt sich einen Porsche 930 Turbo aus dieser Zeit und trifft Versuchsfahrer und Ex-Rennprofi Timo Kluck im neuen 991-Elfer Turbo zu einem klärenden Gespräch.

17.10.2013 Jens Dralle Powered by

Legenden um den Porsche 911 Turbo

Einem Porsche 911 Turbo aus der ersten Generation zu begegnen, erinnert ein bisschen an den ersten Schultag mit einem Lehrer, der die Klasse zuvor noch nicht unterrichtet hat: „Habt ihr gehört, der ist ein ganz harter Hund. Wenn du dich nur bewegst, lässt er dich stundenlang nachsitzen. Hat der Bruder meines Kumpels gesagt, dessen ältere Schwester ihn mal hatte.“

Und was kursieren nicht für Legenden um den bis zu 300 PS starken Sportwagen, der 1974 das Autofahren zu einem noch größeren Abenteuer erhob, als es das ohnehin schon war. Meistens ranken sich diese Legenden um Kurven, die Porsche Turbo-Fahrer mit dem Heck voraus verließen oder einfachste Beschleunigungs-Manöver, die bereits den besten aller Gegenlenk-Reflexe erforderten.

Ja, und dann steht dieses vermeintliche Monster vor einem, in gedecktem Tannengrün-Metallic – mit beigefarbenem Leder, als käme es aus einer gefliesten Garage eines Siebziger-Jahre-Bungalows in Baden-Baden oder München-Grünwald, chauffiert von der Unternehmersgattin.

Klimaanlage, Schiebedach, elektrisch verstellbare Sitze, Radio Blaupunkt Düsseldorf, Zentralverriegelung – also bitte, dieses Schätzchen soll die schweinsledernen Fahrerhandschuhe ganzer Generationen zum Dampfen gebracht haben? Selbst die Sitzposition passt auf Anhieb, und die Kleinigkeit eines Schlüsseldrehs weckt das 3,3-Liter-Triebwerk des 89er Modells auf.

Turbo gegen Turbo

Jetzt gaanz vorsichtig, zumal die 16-Zoll-Reifen so aussehen, als hätten sie ihre für die Haftung verantwortlichen Weichmacher längst an die Atmosphäre verloren. An der Hinterachse sind sie unfassbare 245 Millimeter breit, na was ein Glück, wo doch bei 4000/min das maximale Drehmoment von 430 Nm über sie herfällt. Allradantrieb? Pah. Damals glaubten wir auch alle noch, dass die CD ewig währt. Vor allem die linken beiden der fünf Rundinstrumente finden nun Beachtung, sie erzählen von Füllständen und Temperaturen der relevanten Betriebsflüssigkeiten.

Heißer röchelt sich der Boxer warm, der gekröpfte Schalthebel klickt sich exakt durch die fünf Gassen des G50-Getriebes. Von wegen, Monster. Na gut, die Nadel des Ladedruckmessers zuckte bis jetzt nur leicht – als plötzlich ein speedgelber, neuer Porsche Turbo vorbeibrüllt. Also dann: Gaspedal trifft Teppich.

Der Senior atmet tief ein, allmählich baut sich Druck auf, und tatsächlich: Bei 4000/min passiert’s. Das gewaltige Drehmoment jongliert mit den weniger gewaltigen 1,4 Tonnen Masse, presst den Porsche Turbo vorwärts, das, was eben noch röchelte, schreit nun rau. Die bestenfalls meteorologisch-präzise Lenkung ohne Servounterstützung hilft nur unzureichend beim Korrigieren. Gut, dass es draußen trocken ist, in den Legenden muss es sicher die meiste Zeit geregnet haben.

Den Neuen interessiert das überhaupt nicht, Allradantrieb zählt seit diesem Jahrtausend zum festen Bestandteil des Turbo-Konzeptes bei Porsche. Am vereinbarten Treffpunkt, einem beschaulichen Landstrich zwischen Teststrecken und Müsli-Produzenten, wartet der speedgelbe Porsche 911er, Timo Kluck steht daneben, umrundet aufgeregt das Auto. Der Ex-Rennprofi und heutige Reifenapplikateur in Diensten von Porsche wirkt völlig euphorisiert.

Modern bedeutet mehr Perfektion

„Das Ding ist irre, steig‘ ein!“ Moment mal, juckt ihn der Alte denn gar nicht? „Ja, schon, irgendwie. Jetzt komm!“ Na dann. Bereits im Zündschlüssel-Dings steckt mehr Elektronik als im gesamten Altmodell, und der gesamte Rest scheint adaptiv zu sein: Sitze, Dämpfer, Aerodynamik, Allradlenkung. Leise säuselnd legt der Turbo los, basst wie in Watte gepackt dezent im Heck, die bequemen Sportsitze passen perfekt. Immerhin, sie sehen so aus wie früher. Timo gibt immer mal wieder Schub. Geht er vom Gas, seufzt der Lader dezent.

Einen Turbo S hat er mitgebracht, der feine Herr, ein normaler genügte wohl nicht. „Eigentlich bin ich ja ein Freund von Saugmotoren, aber dieser Druck“, plaudert er mit kindlicher Freude – und reißt den Hahn auf. Das 3,8-Liter-Aggregat lässt Seismographen ausschlagen, zumindest die Drehmoment-Skala im Kombi-Instrument springt aufgeregt an den oberen Rand der skizzierten Kurve.

Im Sport-Modus wringen per Overboost 750 Newtonmeter bereits bei 2200 Umdrehungen sämtliche Antriebswellen aus, per Fingerschnipp wechselt das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe die Gänge, ohne Showeffekt, einfach so, absurd schnell. Selbst jetzt bleibt es innen vergleichsweise ruhig – ganz anders als vorhin, als Timo am 930 Turbo vorbeigebraten ist. Von außen klingt der Neue nach aggressivem Post-Punk, innen nach gepflegtem Garagen-Rock.

Timo erzählt weiter, mit deutlicher Färbung seiner Heimat Eifel, was immer ein wenig nach einer Einladung zu einem Bierchen klingt: „Weißt du, als ich den alten Turbo 1984 im Auto Katalog sah, war das mein absolutes Traumauto. Trotz seiner Gewalt wirkt er heute noch sympathisch. Aber wenn du gewohnt bist, wirklich schnell zu fahren, dann muss dich die Perfektion moderner Sportwagen einfach noch mehr mitreißen.“
Im selben Moment dreht er den Sechszylinder aus. Kurz vorm Begrenzer bei 7200/min sinken Tonfrequenz und Drehzahl, an etwas anderem sind die Gangwechsel nicht festzumachen.

Bis auf 318 km/h

Der vordere Spoiler hat bereits seine beiden äußeren Segmente ausgefahren, der Heckflügel reckt sich um 25 Millimeter nach oben, freie Autobahn, Tempo 250, Timo bleibt am Gas. „Die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten beeindruckt. Wenn alle Flügel voll ausgefahren sind, schafft der Porsche Turbo bei 300 km/h 132 Kilogramm Abtrieb – sagen unsere Aerodynamiker. Und ich glaub’ denen das“ – spricht’s und deutet auf den Tacho: 318 km/h, die Höchstgeschwindigkeit.

Ebenfalls stabilisierend wirkt die Allradlenkung. Ab 80 km/h lenken die Hinterräder um 1,5 Grad parallel zu den Vorderrädern, bauen so schneller Seitenführungskräfte auf. „Pass’ auf, damit biegst du rechtwinklig ab, weil dadurch die Lenkung direkter übersetzt werden konnte“, jubelt Timo, zuckt kurz am Lenkrad und nimmt die nächste Ausfahrt Volley. Den Porsche 911er scheint das nicht zu interessieren, stoisch macht er alles mit. Derart entspannt bliebe der Alte in solchen Situationen sicher nicht, doch das verlangt ja auch niemand mehr. Als die Heckdeckel aufschwingen, begeistert der Senior den Profi Kluck dann doch noch: „Ach Mensch, da sieht man ja die Technik noch“.

Ja, und spürt sie, wenn auch nicht ganz so brachial, wie in den Legenden blumig erzählt wird. Aber der Lehrer von einst verhängte seine gefürchteten Strafen ja auch nur dann, wenn ihm die Schüler mächtig auf die Nerven gingen. Ansonsten war er ein echt guter Typ.

Technische Daten
Porsche 911 Turbo 3.3Porsche 911 Turbo S
Grundpreis197.041 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4291 x 1775 x 1310 mm4506 x 1880 x 1296 mm
KofferraumvolumenVDA115 L
Hubraum / Motor3800 cm³ / 6-Zylinder
Leistung412 kW / 560 PS (750 Nm)
Höchstgeschwindigkeit260 km/h318 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,1 s
Verbrauch9,7 L/100 km
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