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Porsche 924 im Fahrbericht

Auf Streife mit dem Zwillingsbruder

Porsche 924, Seitenansicht Foto: Hardy Mutschler 20 Bilder

Ein Porsche 924 für die Redaktion, das klingt wie ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Die erste Fahrt mit dem Vierzylinder-Porsche ist ein Verwandtenbesuch: zum gleich alten Bruder, der seit 35 Jahren bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen dient.

06.02.2015 Heinrich Lingner

D-7900 ist fraglos das bekanntere Auto, es gibt ihn als Modell in unterschiedlichen Maßstäben und einige Veröffentlichungen dazu. S-GO 925H dagegen ist ein bescheidener Porsche 924 mit Lack in Platin metallic und Pascha-Sitzen in Braun-Beige sowie einer Heizung, die sich ungern abstellen lässt.

Doch von Anfang an. Wir können gar nichts dafür. Es lag an Porsche. Sie fragten an, ob wir für ein paar Monate leihweise einen Porsche 924 haben wollten. „Fahrt herum damit und schaut, was ihr erlebt“, sagten sie, und dann noch, dass wir Auto und Schlüssel beim Museum abholen könnten.

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Reportage Porsche 924 Polizei
auto motor und sport 01/2015
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Porsche 924 im Pascha-Design

Das Abholen ist ja kein Problem, Zuffenhausen ist nicht weit, da reicht fast die Zeitspanne zwischen Kantinenschnitzel und doppeltem Espresso beim Italiener. Beim Kaffee kommt dann auch die Idee zur ersten Ausfahrt. So einen Porsche 924, sagte einer, gebe es doch auch noch bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen.

Das Date ist schnell ausgemacht, nach 20 Minuten Schreibtischrecherche und zwei Telefonaten ist der 924 lokalisiert. Er steht in Selm, ein paar Kilometer nördlich von Dortmund, nach dem aktiven Dienst darf er beim nordrheinwestfälischen Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten eine Art Frührentnerdasein für historische Polizeifahrzeuge führen.

Marc Kusber, Zivilangestellter und Koordinator für Fahrzeuge und Fahrdienst in Selm, kümmert sich um den 924, Pressereferentin und Polizeikommissarin Mareike Niehoff vermittelt den Kontakt und verspricht, der grünweiße Porsche werde pünktlich in Selm in der Fahrzeughalle zum Rendezvous mit dem Platinsilbernen dastehen. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn keiner, der etwas Erfahrung mit älteren Automobilen hat, bricht mit einem unbekannten Wagen einfach so zu einer 1.000-Kilometer-Fahrt auf. Bestandsaufnahme in der Tiefgarage, die wegen der hier mitunter parkenden Fahrzeuge in zweifelhaften Alters- und Pflegestufen von Insidern gern Streichelzoo genannt wird. Ein erster Rundgang – scheint alles ok. Normaler 924 ohne S, mit herausnehmbarem Dach-Mittelteil, damals Targa genannt, mit Metallic-Lack und den Rädern des Porsche 924 Turbo sowie der Innenausstattung im erwähnten Pascha-Design.

Pascha ist ja nicht nur ein Karomuster, die unterschiedliche Größe der Karos führt zu einem psychedelisch-fließenden Seheindruck, der Stoffdesigner mag möglicherweise etwas geraucht und dabei in einem Dali-Bildband geblättert haben. Pascha ist cool, kostete Aufpreis, ebenso wie die Lackierung, das Blaupunkt-Arimat-Radio und der elektrische Außenspiegel auf der Fahrerseite. So um die 33.000 Mark wird der Porsche 924 teuer gewesen sein, schätzen wir. Im Herbst 1980 war das viel Geld für ein Auto, dafür hätte es auch drei gut ausgestattete Gölfe gegeben, natürlich ohne Pascha und schon gar nicht mit Klappscheinwerfern.

Zweispeichen-Lenkrad als Zusatzoption

Noch ein kurzer Check von Öl- und Kühlmittelstand, Reifenprofil und Bremslicht, und es kann losgehen. Das Zweispeichen-Lederlenkrad liegt dürr und fremd auf dem Schoß, statt 270 Mark Aufpreis für das Dreispeichen-Teil investierte man wohl lieber 325 Mark in die elektrische Antenne des Blaupunkt-Radios. Brauchbare Töne lassen sich dennoch kaum vernehmen, auch weil sich die lokalen UKW-Sender des Porsche 924 seit dem Abschalten des Ari-Signals sehr diskret geben.

So werden die 450 Kilometer von Stuttgart nach Selm doch etwas zäh. Der Porsche 924 schüttelt sich mit Dauertempo 140 bis 160 km/h über die A 6 und die A 5 nach Nordosten. Die fortwährend bollernde Heizung bleibt aber die einzige wirkliche Störung. Sie ist lästig, denn an einem der letzten wärmeren Tage des Jahres wird es im 924 schon mollig, wenn von hinten die Sonne durch die Panoramascheibe lugt.

Die Abhilfe kommt beim Tankstopp. Der Redakteur rückt das Hebelchen am Wärmetauscher der Heizung im Motorraum des Porsche 924 per Hand ganz in Nullstellung. Schön, denkt er beim Weiterfahren: Ein Auto, das dir das Gefühl gibt, du kannst es reparieren, wenn’s darauf ankommt.

Noch 150 Kilometer, sagt das vorsichtshalber mitgenommene Navi. In Selm wartet Marc Kusber an der Pforte, geleitet uns zur Fahrzeughalle. Dort steht der grünweiße 924 frisch gewaschen und gewienert, umringt von mehreren Dutzend Passat Variant der letzten beiden Generationen. „Das sind unsere Ausbildungsautos“, sagt Ausbilder und Hauptkommissar Hermann Ziesmann. Er ist ungefähr so lange bei der Polizei wie der 924. Gefahren hat er ihn bisher dennoch nicht. „Die gab es nur bei den Autobahnwachen“, erinnert sich der Beamte. Mareike Niehoff kennt den Porsche 924 dagegen nur als Oldtimer. Wir gondeln von Selm aus durchs östliche Ruhrgebiet, das hier zwischen südlichem Münsterland und westlichem Westfalen in eine Wiesenlandschaft mit Ponyhöfen, Gebrauchtwagenhändlern und Museumszechen zerfließt. Die beiden Porsche 924 fahren im Konvoi auf die Autobahn, der Alltagsverkehr donnert vorbei.

Porsche 924 leistet 120 PS

Kaum ein Autofahrer registriert den historischen Polizeiwagen. Und keiner nimmt den Porsche 924 ernst, eilige Dieselkombis fahren dicht auf, überholen fast rechts, die uniformierten Beamten im Auto bleiben unbemerkt.

Nein, sagt Kommissarin Niehoff nachher beim Kaffeestopp, die Versuchung, mal das Blaulicht einzuschalten und die Kelle zu zücken, die komme eher selten. Das kennt sie bereits von Dienstfahrten in Zivilautos. Erstaunt sind die Kommissare vielmehr darüber, wie entspannt und modern der Porsche 924 fährt. Die Automatik macht den Polizei-Porsche noch gemütlicher, auf der Autobahn schwimmt er immerhin gut mit. Mit seinen 120 PS war er bereits 1981 für echte Verfolgungsfahrten zu langsam.

Zu klein sei er ebenfalls gewesen, erläutert Hermann Ziesmann, der Kofferraum mit dem Unfallaufnahme-Gepäck schon gut gefüllt und die Rücksitze untauglich für den Personentransport. Daher wurden die Porsche 924 schnell aussortiert und verkauft. Der einzige echte Polizei-924 darf nur noch zu ganz besonderen Anlässen nach draußen in den Einsatz. So wie heute. Wir plaudern bei Kaffee, Cola light und Schokoriegeln an der Raststätte über Autos und Autobahnen. Dann muss D-7900 wieder ins Depot. Weil Wochenende ist. S-GO 925H fährt zurück nach Süden. Mal sehen, was wir sonst noch so alles mit ihm anstellen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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