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Porsche 924 Turbo vs. VW Scirocco TS

Die Volks-Sportwagen im Vergleich

Porsche 924 Turbo, VW Scirocco TS Foto: Hardy Mutschler 20 Bilder

Die beiden temperamentvollen Baukasten-Sportwagen des VW-Konzerns treff en messerscharf in die schrille Pop-Kultur der Siebziger und bieten jede Menge Fahrspaß. Gut in Form sind beide. Das attraktive Design war wichtigstes Verkaufsargument für Porsche 924 und VW Scirocco.

08.07.2009 Alf Cremers Powered by

Modebewusste Damen fühlten sich von diesen Volks-Sportwagen besonders angezogen. Sie waren die typischen Zweitwagen in Doppelgaragen gehobener Wohnviertel, die modernen Erben des VW Karmann-Ghia. Das zeitlose Styling gefällt noch heute, jeweils kontrastreich kombiniert mit einem Interieur, das die wagemutigen siebziger Jahre so lebendig feiert wie ein Flohmarkt im Herzen von Schwabing. Die jungen Wilden toben sich im Parkhaus aus, weil es draußen regnet. Sie passen ideal zueinander, auch farblich. Der eine in knalligem Indischrot, der andere in poppigem Palmagrün-Metallic.


Neupreis für Porsche 924 Turbo damals bei 40.000 Mark

Es sind die Topversionen ihres Baujahrs - der 924 spielt als Turbo mit, der Scirocco als GTI-Vorläufer TS. Vor allem der 924 wird erst als Turbo zum echten Männerauto und zum wahrhaftigen Porsche. Mit Leistung hat diese besondere Aura nur bedingt etwas zu tun. Ein BMW 320 ist eben noch längst kein 323i. Erst der Turbo erfüllt den Porsche- Anspruch so richtig mit Leben. Fünfganggetriebe mit Sport-Schaltkulisse, erster Gang links vorn, Scheibenbremsen an der Hinterachse statt simpler Trommeln. Filigrane Fünfloch-Alu-Räder im aufregenden Design statt konfektionierter Vierloch-Räder und ein aufgeladener, modifizierter Großserienmotor, nicht einfach aus dem Regal gezogen. Dazu noch ein paar spektakuläre Daten wie Spitze 230 km/h, von null auf hundert in 7,5 Sekunden und ein Neupreis auf 911 SC-Niveau von rund 40.000 Mark. Die vier Schlitze in der Frontpartie, der kragenförmige Heckspoiler und der NACA-Lufteinlass in der Motorhaube, neckisch wie ein gepiercter Bauchnabel, wirken nicht halbstark, sondern ganz einfach sexy.

VW Scirocco TS wesentlich bodenständiger

Der Scirocco gibt sich selbst als aufgebretzelter TS viel ziviler. Doppelscheinwerfer, Schottenkaro-Sitze, die es übrigens auch beim Porsche 924 gab, und ein Sportlenkrad mit gelochten Streifen zaubern ein wenig Rallye-Atmosphäre in den asketischen Karmann- Sportler. Wo aber sind die formal so wunderbar leichten Alu-Räder? Sie müssen auch gegen die Automatik ankämpfen, die diesen TS wieder in das Umfeld modebewusster Damen rückt, die ihre Schuheinkäufe in lackierten Papiertüten auf der Rücksitzbank deponieren. Beim Fahren wirkt die spontan schaltende, kurz übersetzte Dreigang-Automatik gar nicht als Spaßbremse. Sie nutzt bei Kickdown das hohe Drehvermögen des kernig-satt klingenden Vierzylinders, die 85 PS haben mit den 850 Kilo des überaus effizient konstruierten Leichtbau-Sportwagens keinerlei Mühe.

Die Sitzposition ist langbeinig und tief, sie suggeriert dem Fahrer erfolgreich, in einem wirklich schnellen, leistungsstarken Sportwagen zu sitzen. Maximal wären 170 km/h drin und 12 Sekunden beim Spurt auf Tempo Hundert - zivile Werte, die ein gut gehender Audi 100 GLS unterbietet. Heute zählen Emotionen, keine Messwerte. Das luftig leichte Scirocco-Gefühl macht heiter, es weckt das Kind im Manne, führt im leeren Parkhaus zu übermütigen Fahrmanövern. Beim Kickdown und Schaltdrehzahl 5200/min sind auf der langen Geraden über die A 8 locker 90 drin. Die Wendelrampe zum Oberdeck nimmt man entspannt mit 40, bei konstantem Lenkeinschlag, ohne sich ängstlich ins dürre Sportlenkrad zu krallen. Servo gibt es nicht, im Schritttempo geht das Ruder ziemlich schwer.

Porsche 924 Turbo kann VW Scirocco TS nicht davonfahren

Auch der Porsche verzichtet auf die Lenkhilfe, wirkt aber handlicher, weil weniger Gewicht auf die Vorderachse drückt. Beim Beschleunigen tut sich der 924 Turbo schwer, er kann dem Scirocco mit seinem kräftigen Antritt nicht davonfahren. Unter 3000/min leidet er unter niedriger Verdichtung und langer Antriebsübersetzung. Erst jetzt setzt mit vehementem Schub der Lader ein und katapultiert ihn nach vorn. Dann heißt es aber, schnell in die giftig zupackenden Eisen zu steigen, denn die Schranke kommt in Windschutzscheibenhöhe rasch angeflogen. Dies spielt sich alles im zweiten Gang bis 4500/min ab, eine Ladedruckanzeige sucht man im poppig gemusterten Pascha-Cockpit leider vergeblich. Auch der Sound ist nicht überwältigend - nur eine Spur satter und dumpfer als der Scirocco. Im tristen Hartplastik- Look wirkt der Turbo innen wie ein Audi 80. Dafür macht das Fahrwerk des 924 Turbo im Wortsinne höllischen Spaß. 

Lange bleibt er harmlos untersteuernd, um dann bei plötzlichem Leistungsschub mit dem Heck herumzukommen. Vorsicht ist bei Nässe geboten. 924 Turbo-Fahrer tanken aus Traktionsgründen erst einmal voll, wenn es anfängt zu regnen. Die Schräglenkerachse hinten mit Drehstabfedern stammt vom Käfer 1303. Technisch blieben Porsche 924 und VW Scirocco also spektakuläre Baukasten- Mixturen mit bewährten, aber geschickt neu arrangierten Aggregaten. Der Porsche 924 kombiniert seinen Zweiliter-Audi-Vierzylindermotor mit dem konstruktiven Leckerbissen des Transaxle-Antriebs. Motor und Kupplung sitzen vorn. Die stets mit Motordrehzahl laufende Zwischenwelle im starren Zentralrohr reicht die Antriebskraft nach hinten durch. Getriebe und Differenzial treiben als kompakter Block die Hinterräder an. Transaxle sorgt für eine ausgeglichene Gewichtsverteilung, ergo ein neutrales Fahrverhalten. Alfa Romeo hat das elitäre Konzept 1972 populär gemacht. Als der 924 in Produktion ging, warben die Mailänder für ihre Alfetta-Limousine süffisant mit der Überschrift: "Der neue Porsche hat jetzt Achslastausgleich."

Porsche 924 Turbo und VW Scirocco TS mit vielen Gemeinsamkeiten

Quermotor und Frontantrieb bilden die damals für VW radikale Rezeptur des Scirocco. Er ist quasi ein Golf-Coupé im Vorstadium. Als Karmann-Ghia-Nachfolger wird der Scirocco bei Karmann gebaut, intern heißt er Typ 53. Im Versuchsstadium lief er als EA 398 am Polarkreis und in Nordafrika. Scirocco heißt der heiße Wüstenwind, der über das Mittelmeer bläst. Beinahe hätte der Scirocco den 924 abgeschossen, so eng ist die Beziehung zwischen den Autos. Sie definiert sich strategisch, nicht nur über Gleichteile wie die komplette Vorderachse, Türgriffe oder Schalter. Selbst der seit dem Käfer festgeschriebene Radstand von 2,40 Meter verbindet sie.

Das Volkswagenwerk vergab Anfang der Siebziger den Entwicklungsauftrag 425 für einen attraktiven und preiswert zu fertigenden 914-Nachfolger an Porsche. VW-Chef Leiding favorisierte jedoch die kleine Lösung. Der 924 war damit akut gefährdet. Porsche machte aus der Not eine Tugend, kaufte Volkswagen den weit fortgeschrittenen EA 425 einfach ab und ließ ihn im Lohnauftrag im Audi-Werk Neckarsulm fertigen. Sein Audi-Vierzylinder, Typ EA 825, bekannt aus dem 100 GLS, bekam eine Bosch K-Jetronic spendiert und leistete zivile 125 PS. Bis auf den Querstrom-Zylinderkopf gibt es viele Parallelen mit dem kleineren Konzernmotor EA 827 - wie den Zahnriemenantrieb und die über Tassenstößel betätigten Ventile.

Zurück zur Form, zur Emotion, die beide Autos vor allem für die erste Generation Golf so hoch verdichtet verkörpern. Die kantige Linienführung des VW Scirocco TS gilt als typischer Ital Design-Entwurf - kompakt, knackig, muskulös. Der Porsche 924 Turbo widmet seine rundlichen Linien mit leicht gewölbtem Fahrzeugprofil vor allem der Aerodynamik. Porsche Designchef Anatole Lapine schuf mit dem 924 das schlichte Denkmal eines funktionellen Sportwagens. Er begleitet die Generation der heute 40- bis 50-Jährigen durchs Leben, so beständig wie Udo Jürgens oder Senta Berger. Dank Vollverzinkung und großer Stückzahl wird er auch noch lange durchhalten. Der Turbo aber wird als Rarität Karriere machen. Liebhaber suchen vor allem die erste Serie mit Zweifarben-Lackierung und den Schottenkaro-Sitzen wie im Scirocco TS.

Technische Daten
Porsche 924 TurboVW Scirocco TS
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4213 x 1685 x 1270 mm3885 x 1625 x 1310 mm
Höchstgeschwindigkeit230 km/h175 km/h
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