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Porsche 928 ist der Youngtimer des Monats

Der futuristische Gran Turismo

Porsche 928, Frontansicht Foto: FACT 6 Bilder

Redakteur Alf Cremers stellt einen charismatischen Youngtimer vor. Diesmal weckt der kompromisslose, gar nicht brave Porsche 928 die Leidenschaft des sonst so limousinenfreudigen Autoliebhabers. Den aggressiv gestyltenV8-Boliden gibt es ab 10.000 Euro, Luxus-Ambiente inklusive.

30.05.2013 Alf Cremers Powered by

Neulich fand ich im Kleinanzeigen-Teil einer Autozeitschrift dies: Porsche 928 S, Baujahr 1982, 147.000 km, H-Kennzeichen, Klima, Diamantsilber-Metallic, schwarzes Leder, Zustand 2 - 3, Festpreis: 7.200 Euro. Mein Anruf mit schrillen 6.000 Umdrehungen wilder Entschlossenheit in der Stimme kam leider zu spät. Schon verkauft.

Porsche 928 S gehört heute zu den billigsten V8-Sportwagen

Wieder ein unerfülltes Schnäppchen auf dem endlosen Weg zum wahrhaftigen leidenschaftlichen Auto, das maximal anders ist als die vielen zuvor. Der Porsche 928 S gehört heute zu den billigsten Achtzylinder-Sportwagen mit H-Kennzeichen. Er liegt trotz Manufaktur-Herkunft auf dem Niveau eines Mercedes SLC, war aber seinerzeit weit exklusiver, leistungsfähiger und teurer. Vor allem im Design viel mutiger, extrem breit und superflach, mit einer großen Heckklappe und seltsam bullaugigen Seitenfenstern.

Solch extrem gezogene Linien sind nicht jedermanns Geschmack. Der Porsche 928 polarisiert noch heute, er hat die rohe Wildheit einer unvollendeten Studie - diese Spannung hält wohl noch ziemlich lange bis in die Zukunft an.

Der 928 kostete einst 20.000 Mark mehr als der 911

Zur Erinnerung, vor dreißig Jahren kostete Porsches Frontmotor-Coupé 78.950 Mark. Ein 911 SC war dagegen mit 58.910 Mark geradezu ein Sonderangebot. Heute hat sich die elfergepolte Welt andersrum entschieden. Ein wirklich guter 911 SC mit 204 PS kostet laut Classic-Car-Tax 33.900 Euro, der Porsche 928 S wird mit 16.500 Euro bewertet, also gut die Hälfte.

Gewiss, es geht ihm schon besser, dem unangepassten revolutionären Porsche 928, dem Brandstifter gegen die Boxermotor-im-Heck-Doktrin, dem designierten Elfer-Königsmörder, dem Sportwagen-Weichei mit stoischem Geradeauslauf und bestens kontrollierbarem Eigenlenkverhalten im Grenzbereich. Wegen optimaler Gewichtsverteilung sind Getriebe und Differenzial an der Hinterachse kompakt vereint, die Kupplung bleibt vorn am Schwungrad des V8, eine Welle im Tunnel rotiert mit Motordrehzahl und gibt die Kraft ans Getriebe weiter. Nur der Wandler lässt sich nicht vom Planetengetriebe trennen, deshalb sitzt er hinten bei der Automatik.

Die aufwendige Weissach-Multilink-Hinterachse des Porsche 928 macht das beste aus dieser wunderbar ausbalancierten Steilvorlage. Mit Doppel-Querlenkern und Längsschubstreben lebt sie auch bei hohen Kurventempi größtmögliche Neutralität, Gegenlenken bedeutet beim 928 Notwehr im Ausnahmefall und ist nicht wie beim Elfer eine allfällige, leidenschaftliche Übung für geschickte Hände in gelochten Lederhandschuhen.

Cayenne knöpft an das technische Konzept des 928 an

Der Porsche 928 hat sich dank spätem Coming-Out bei seinen wahren Fans von der rasanten Preis- und Image-Talfahrt nach der Jahrtausendwende halbwegs erholt. Der aktuelle Porsche Panamera hilft dem Helden des Boulevards, dem Transaxle-Express europäischer Süd-Magistralen, wieder auf die Räder. Schließlich knüpft der starke, komfortable Frontmotor-V8-Viertürer an sein technisches Konzept an. Auch das Design zeigt Parallelen, beide sind imposante organische Fastback-Körper, Skulpturen gleich. Sie suggerieren Macht und Herrlichkeit, ihr böser Blick macht sie frontal aggressiv.

Gern wird der Porsche 928 mit einem Hai verglichen, einem Räuber der linken Spur, gutmenschenhaft abgeriegelte 250 km/h kommen für die späteren bis 350 PS starken Vierventil-928 nicht infrage. Trotz mäßiger Aerodynamik wegen der großer Stirnfläche des 1,89 Meter breiten Wagens sind beim finalen 5,4-Liter 928 GTS 275 km/h drin. Überwältigender sind jedoch die 500 Newtonmeter Drehmoment und das faszinierende Klangspektrum des Vierventil-Viernockenwellen-V8 im Leichtmetallgehäuse.

300.000 km sind locker drin

Es reicht von brummig-bassig bis zum infernalischen Stakkato-Kreischen, das sind noch gut zwei Oktaven mehr als beim zivileren Porsche 928 S, der mein Wunsch-928 wäre. Die späten S4 , GT und GTS sind mir zu teuer, sie kosten wegen ihrer reifen Leistung 20 bis 30.000 Euro. Nein, ich tendiere nicht - wie vielleicht erwartet - zum unschuldigen und puristischen 928-Urtyp mit 240 PS. Das normalbenzingedrosselte V8-Triebwerk zeigt sich gegenüber dem entfesselten S-Motor zahm und durstig.

Ich möchte meinen Porsche 928 S am liebsten kommod mit der Daimler-Benz-Viergangautomatik fahren, dann ist es ein 83er Modell. Hellblaumetallic mit dunkelblauem Roser-Leder wäre schön, derart wirkt das Interieur nicht ganz so billig. Aber diese postmoderne Plastiklandschaft gehört nun mal zum 928 wie die engen, tiefen Sitznischen im Fond des arg optimistischen Zweipluszwei. Der rundliche 928 ist in Wahrheit ein Charaktertyp mit Ecken, Kanten und einigen ausgeprägten Schwächen.

Ich finde, im Motor des Porsche 928 S sind schon genügend bewegliche Teile. Angetrieben werden sie von einer Zahnriemen-Endlosschleife. Deshalb verkneife ich mir den noch gewaltigeren Vierventiler mit vier Nockenwellen. Schon für die simplere Variante ist der Motorraum des 928 zu eng. Schrauben am 928 geht ins Geld, alle 60.000 Kilometer muss ein neuer Riemen her, das kostet 1.500 Euro. Anders als beim Elfer sind Motorüberholungen beim 928 total selten, über 300.000 Kilometer sind dank Silizium-Laufbahnen locker drin. Karosserieseitig sorgt die Vollverzinkung mit ein paar Alu-Blechen für entspanntes Fahren Richtung Zukunft.

Porsche 928-Zündschloss sitzt rechts

Weil der Porsche 928 den Elfer nicht mag, sitzt auch das Zündschloss dort, wo es hingehört. Wer den Schlüssel rumdreht, den V8 fauchen hört, langsam Gas gibt und seine Lieblingsstrecke an einem ruhigen Sonntagmorgen fährt, merkt sofort, dass sich so ein 928 maximal anders anfühlt als ein großes Mercedes-Coupé oder ein BMW 635 CSi. Design und Fahrgefühl machen ihn einzigartig.

Wer nach zu vielen Normalo-Autos wieder einmal Schmetterlinge im Bauch spüren will, der muss sich jetzt einen kaufen. Einen Porsche 928 S mit H-Kennzeichen für unter zehn, verstanden?

Fazit

Lust auf Leistung oder magische 300 PS

Luxuslimousinen mit viel Hubraum und Leistung wirken herrlich entspannend. Im Porsche 928 S fühlen sich 300 PS und 4,7 Liter Hubraum viel dramatischer an. Sound, Dynamik und Handling stimulieren die Sinne.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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