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So fährt sich der Porsche 944 S2

Porsche 944 Prototyp mit fast 500.000 Kilometern

Porsche 944 S2-Prototyp Foto: Mutschler, Hardy 17 Bilder

Eigentlich hätte dieser 944 im Jahr 1990 die ewige Ruhe verdient. Ab 1988 wurde er 80 000 Kilometer lang als erster Vorserienwagen des S2 geknechtet. Doch er flüchtet vor der Schrottpresse – 400 000 Kilometer weit.

29.06.2007 Sebastian Renz Powered by

Der weit gereiste schaut ermattet aus seinen Klappscheinwerfern. Doch sein Herz schlägt stark. Bereits vor 16 Jahren hätte er als Stahlwürfel aus der Schrottpresse rutschen müssen. Denn seine Fahrgestellnummer weist ihn als Prototypen des Porsche 944 S2 aus. „Normalerweise wurden Versuchswagen nach der Erprobung direkt verschrottet“, erklärt Porsche Museums-Direktor Klaus Bischof.„Manchmal waren Autos aber zu schade für den Schredder und wurden an verdiente Mitarbeiter verkauft. Das ging aber nur auf Veranlassung von Chefentwickler Helmut Bott.“
 
Rettung für den S2
 
Eine solche Begnadigung von ganz oben rettete wohl auch den ersten S2. Der wird am 3. Mai 1988 aus dem Werk Neckarsulm an das Porsche Entwicklungszentrum Weissach ausgeliefert. In der Sonderausstattungsliste finden sich neben Schmiederädern und einer Klimaanlage auch ein Vorseriengetriebe und ein Vorserienmotor – der neu entwickelte, 211 PS starke Dreiliter-Vierventiler für das neue Modell S2, das zum Modelljahr 1989 den 190 PS starken 944 S ersetzen soll. Zudem gibt man dem Wagen ABS mit, das beim 944 S damals noch Aufpreis kostet. Weil niemand erwartet, dass der 44er mehr als ein paar Monate Erprobung zu überstehen hat, verzichtet man auf die Lack- und Chromkonservierung.
 
Erstes Vorserienmodell 
 
Ein weiteres Zeichen dafür, dass es sich um einen Prototypen handelt, ist der Buchstabe K in der Fahrgestellnummer. Er steht für das Modelljahr 1989, das bei Porsche eigentlich erst im Spätsommer 1988 beginnt. Am 5. Mai 1988 bekommt der S2 das amtliche Kennzeichen BB-PW 244 – PW für Porsche Werke. Dazu gibt es einen Blanko-Brief mit der Anmerkung: „Fahrzeugbrief wird als Leerbrief ausgegeben, da für das beschriebene Fahrzeug keine ABE vorliegt.“ Das beschriebene Fahrzeug ist das erste Vorserienmodell für den wohl harmonischsten 944.

2990 cm3 Hubraum und 211 PS
 
Schon für den 944 S nutzt Porsche den Fünfliter-Vierventil-V8 aus dem 928 S4 als Basis: Bohrung, Hub und fast der ganze Zylinderkopf werden für den halb so großen Vierzylinder übernommen. Um den 2,5-Liter-Motor für den S2 kräftiger zu machen, vergrößert Porsche den Hubraum. Das für einen Sportmotor ungewöhnlich große Zylindervolumen von 747,5 cm3 sorgt für stämmige Elastizität und ein maximales Drehmoment, das mit 280 nur 70 Newtonmeter unter dem des 944 Turbo bleibt. Von dem bekommt er dazu Getriebe, Antriebswellen und Bremsen.

Auch äußerlich steht der S2 dem zum Modelljahr 89 auf 250 PS gesteigerten Turbo kaum nach. Beide tragen die glatte Front mit integriertem Stoßfänger und das Heck mit Diffusor. Bis auf schmalere Reifen unterscheidet sich der S2 äußerlich nicht vom Turbo. Auch in den Fahrleistungen trennt sie wenig. In der Elastizität blamiert der knapp einen Zentner leichtere und kürzer übersetzte Sauger den 20 000 Mark teureren Turbo sogar. 

Basis für den Nachfolger

Der S2 soll die alternde, seit 1981 gebaute und auf dem 924 von 1976 basierende 44er-Reihe nicht nur über die drei letzten Jahre ihrer Laufzeit retten. Er stellt gleichzeitig die Basis für seinen Nachfolger. Der auf der IAA 1991 präsentierte 968 bekommt den S2-Motor – auf 240 PS gestärkt. Mit dem aufwändigen Dreiliter-Triebwerk soll der 944 auch endlich sein Image als Mädchen-Porsche ablegen. Die wassergekühlten Vierzylinder-Porsche sind zwar ein Verkaufserfolg: Im Juli 1989 läuft der dreihunderttausendste vom Band. Als echter Porsche wird er aber damals noch immer nicht akzeptiert. Porsche betreibt einen beträchtlichen Entwicklungsaufwand für den S2. 80000 Kilometer hetzen die Testfahrer S2-Prototypen vor der Markteinführung im Oktober 1988 über Erprobungsläufe.

18 000 Kilometer auf dem Hochgeschwindigkeitsoval von Nardo, 6000 Kilometer auf dem Nürburgring, 56 000 Kilometer auf öffentlichen Straßen. Wie viele davon BB-PW 244 rannte, ist nicht klar. Doch sein Pensum muss beachtlich gewesen sein. Und er bleibt auch nach der Markteinführung des S2-Serienmodells noch fast ein Jahr in Porsche-Diensten. Am 21. September 1989 zeigt sein Tacho dann 80 200 Kilometer an. Eigentlich würde ein Erprobungsfahrzeug nun verschrottet. Doch dieser bekommt im Entwicklungszentrum Weissach ein neues Getriebe und einen neuen Motor. Dann steht er wohl noch ein paar Monate herum.
 
Das zweite Auto-Leben

 
Erst am 19. Februar 1990 zeichnet ein Sachverständiger alle Nachtragungen im Fahrzeugbrief ab. Der erste S2 wird in sein zweites Leben entlassen. Das beginnt eine Woche später. Da bekommt er Münchener Kennzeichen. Wenn er denkt, mit seinem Prototypendasein das Schlimmste hinter sich zu haben, täuscht sich der S2. Statt eines geruhsamen Lebensabends in zarter Damenhand erwartet ihn nun wahre Dauererprobung. 13 Jahre und über 400 000 Kilometer treibt ihn der Zweitbesitzer, gewährt ihm nur ein Mindestmaß an Pflege.

Es heißt, 944er seien nicht kaputt zu bekommen. Dieser S2 ist der beste Beweis für diese Annahme. Bei gewaltigen Laufleistungen sagt man gern, das Auto sei so und so oft um die Welt gefahren. Der S2 sieht wirklich so aus, als habe er auf 480 000 Kilometern zwölf Mal die Erde umrundet. Eric Framke findet den ersten S2 im Internet, als er nach einem zweiten 944 für sich sucht. Verwundert, weil der Wagen nach seiner Erstzulassung nicht den Dreiliter-Motor haben durfte, schaut er ihn sich an. Die Fahrgestellnummer entlarvt ihn als den ersten S2. Das bestätigt auch Porsche Museums-Chef Bischof. Er überprüft die Daten: „Es spricht nichts dagegen, dass dies der erste S2 ist.“

Gegen den Zahn der Zeit

Der ist nach 485 195 Kilometern in einem traurigen Zustand: „Alle vier Reifen waren bis auf das Gewebe heruntergefahren, vorn ein Fahrwerksgelenk aus dem Dreieckslenker gesprungen“, erzählt Framke. Er kauft den S2, trailert ihn zu sich und repariert nur das Nötigste. Damit bewahrt er die ganze Patina des S2: Steinschläge und Beulen, Rostbluster und Kratzer, wackelnde Türgriffe und hängende Türen, aufgerissene Sitzwangen und das völlig abgegriffene Lenkrad. Der S2 trägt seine Narben offen. Weist auf ein aufreibendes Leben hin, das immer von vorn kam. Wie ein Söldner: geschlagen, aber nicht besiegt.

Auch der Kraftübertragung geht es nicht so gut: die Kupplung schwergängig und quietschend, die Schaltung ausgeschlagen und teigig. Beides funktioniert aber noch. Die Lenkung dagegen hat ihre Servounterstützung verloren und die elektrische Spiegelverstellung die Orientierung. Stöhnend und ziellos bewegen die Stellmotoren das Glas. 

Porsche bleibt Porsche

Andererseits rasten die Hebel am Lenkrad noch immer so satt ein wie bei einem Neuwagen. Der Anlasser jault schwächlich, dann springt der Dreiliter an. Rumpelnd im Leerlauf, dreht der Motor gierig ab 2000 Touren hoch. Das Auto kann sich dem lebendigen Motor nicht widersetzen. Mit ihm beweist der S2, dass er nicht irgendein Sportwagen ist. Porsche bleibt Porsche. Der erste 944 S2 schaut müde, als hoffe er auf ein gnädiges Ende. Doch solange sein Herz noch so stark schlägt, wird es ihn weitertreiben und ihm keine Ruhe gönnen. Das Leben ist eine Autobahn und der S2 noch nicht an seiner letzten Ausfahrt angekommen. 

Technische Daten
Porsche 944 S 2
Grundpreis40.750 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4230 x 1735 x 1275 mm
Hubraum / Motor2990 cm³ / 4-Zylinder
Leistung155 kW / 211 PS (280 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h7,1 s
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