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Porsche Boxster Spyder Fahrbericht (2016)

Bester Sauger zum Schluss

Porsche Boxster Spyder, Frontansicht Foto: Daniel Wollstein 31 Bilder

Kurz bevor der 718 mit Vierzylinder-Turbo kommt, erinnert uns der 981 Spyder mit 3,8-Liter-Sechszylinder daran, dass ein großer Saugmotor in einem kleinen Auto vielleicht doch nicht so verkehrt ist.

25.03.2016 Heinrich Lingner

Bevor Sie jetzt mit der Lektüre beginnen, lieber Leser, muss ich Sie zuerst mit einer schlechten Nachricht vertraut machen: Den Boxster Spyder, wie er auf diesen Seiten zu sehen ist, können Sie nicht mehr neu kaufen. Selbst einen Gebrauchten werden Sie kaum finden, und wenn, dann wird er deutlich sechsstellig kosten.
Mit anderen Worten: Sie sind zu spät dran. Ich sowieso. Die Produktion ist ausverkauft, alle Fahrzeuge, die vor dem Modellwechsel zum 718 noch gebaut werden können, sind vergeben. Nicht an uns. Punkt.

Womit wir im Hier und Jetzt angekommen sind. Das ist in diesem Fall der Fahrersitz eines indischroten Boxster Spyder. Die Straße vor uns schlängelt sich zwischen Bananenplantagen einen Berg hoch, dahinter ein weiterer, noch viel höherer Berg. Wenn es heller wäre, könnten wir den Gipfel sehen. Denn der endet erst knapp vor der 4.000er-Marke, der höchste Berg Spaniens.

Urlaubsfeeling im Boxster Spyder

Irgendwo hinter dem Pico del Teide, so heißt der Berg, geht gerade die Sonne über der Sahara auf. Die afrikanische Westküste ist 300 Kilometer weit weg, dennoch riecht die Luft ein wenig nach Staub und nach leicht modrigem Buschwerk. Das könnte allerdings auch an den Bananen liegen. Die Luft fächelt milde über den offenen Innenraum, weil wir das Stoffverdeck des Boxster Spyder bereits unter der Abdeckung verstaut haben. Das ist etwas einfacher als beim Boxster Spyder der Baureihe 987, bleibt dennoch Handarbeit.

Und die geht so: Verdeck und Abdeckklappe elektrisch entriegeln, Finnen am Deckel aushängen, umdrehen und in die Aufnahmelöcher am Verdeck einstöpseln, Heckdeckel öffnen. Verdeck manuell falten und in den Verdeckkasten drücken, Heckdeckel schließen, die beiden Verdeckklappen einrasten. Das alles dauert ungefähr dreimal so lange, wie es sich hier liest, und Sie müssen ungefähr dreimal ums Auto laufen.

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Fahrbericht Porsche Boxster Spyder
auto motor und sport 05/2016
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Wie der dreht, Freunde!

Weil der Fotograf bereits oben auf dem Berg auf Sonnenaufgang und Boxster Spyder wartet, müssen wir los - jede Minute zählt. Bleibt also auch wenig Zeit, sich umzuschauen im Boxster Spyder, es ist ja auch noch ziemlich dunkel. Motor an - und ab. Teneriffa schläft noch, es ist Sonntag und der Himmel wird langsam grauer, die Konturen des Vulkankegels zeichnen ab.

Die Sitzheizung bleibt aus, die Klimaanlage sowieso. Beides ist optional, die Sitzheizung kostet 416,50 Euro, die Klimaanlage kann aufpreisfrei mitbestellt werden, sie ist jedoch nicht im serienmäßigen Lieferumfang enthalten. Der Boxster Spyder ist nun mal ein Leichtbauauto, da zählt jedes theoretische Gramm.

Keinen Aufpreis kosten im Übrigen auch die Sportschalensitze, adaptive Sportsitze gibt es auf Wunsch ohne Aufpreis. Ebenfalls serienmäßig ist das mit feinem Alcantara bekleidete Lenkrad und der kurze Schaltknüppel im Alcantara-Säckchen. Das ist nicht nur hübsch, es ist auch haptisch sehr angenehm. So bleiben denn gar nicht mal so viele Sonderwünsche übrig, die sich zum Grundpreis von 79.945 Euro addieren ließen. Radio und Navi wären nicht schlecht, das PCM kostet 3.147,55 Euro, ein einfaches Radio gäbe es ebenfalls auf Wunsch aufpreisfrei.

Doch darüber sollten wir nicht zu lange nachdenken, der Boxster Spyder ist, wie gesagt, ausverkauft. Das Radio bleibt jetzt aus, das Navi stumm, nur auf dem Monitor folgt das kleine Dreieck den vielen Kurven. Noch ist der Motor kalt, die Schaltdrehzahl liegt bei 3.000/min, und die Luft wird mit jedem Höhenmeter einen Hauch kühler. Villaflor ist der letzte Ort, bevor der Parque nacional am Pico del Teide beginnt. Die ersten Inselbewohner auf der Straße sind Hundebesitzer, die ihre Meuten in windschiefen Anhängern hinter durchgenudelten Gelände-Youngtimern im Schritttempo den Berg hinaufziehen. Der Dieselqualm aus Santana- und Pajero-Auspuffen verdrängt kurz den Afrikaduft, dann ist die Bahn wieder frei. Das ist gut so, denn die Motorflüssigkeiten sind inzwischen angenehm temperiert, Gas!

Was sich dann abspielt, ist nicht so leicht zu beschreiben. Der 3,8-Liter aus dem alten, turbolosen 911 hat wenig Mühe mit dem 1.315 kg leichten Boxster Spyder. Ab 5.500/min holt er noch mal tief Luft, pustet durch den per Resonanzklappe verkürzten Ansaugtrakt Frischgas in die Brennräume und schiebt danach richtig ab. Und wie der dreht, Freunde, wie der dreht! 112 Mal wirbelt die Kurbelwelle bei Nenndrehzahl jede Sekunde um ihre Achse, 336 Zündungen knallen dich pro Sekunde nach vorn, pur und direkt, so muss das sein.

In 4,5 Sekunden auf 100 km/h

Für die Gangwechsel ist folgerichtig der Fahrer zuständig, sie gehen kurz und knackig, doch keineswegs leichtgängig vonstatten. Kenner erinnert das Schaltgefühl ein wenig an das G50 im Carrera 3.2 mit Schaltwegverkürzung. Noch spaßiger ist das Zurückschalten, Kupplung, kurzer Ruck am Schalthebel, Zwischengas mit der rechten Ecke der Schuhsohle, noch ein Ruck. Dabei heult der Motor im Boxster Spyder so befreit und direkt, als mündeten die zwölf Auslassventile direkt in den Sammler vor den Endrohren.

375 PS bei 6.700 Umdrehungen hat der fast vier Liter große Boxer, zwischen 4.750 und 6.000/min liegen 420 Nm Drehmoment an, klingt super, doch es sind nur Zahlen. Hinterm Lenkrad des Boxster Spyder würdest du alles glauben, 500 PS, 600 Nm, auch das klänge nicht so furchtbar falsch. 4,5 Sekunden auf 100 km/h, 290 km/h Topspeed, nichts ist hier auf fast 3.000 Metern gleichgültiger.

Sauger, Sauger, wunderbar!

Denn der Reiz dieses Boxster Spyder liegt natürlich nicht in den sehr beeindruckenden Zahlen. Sondern darin, wie er sich fährt. Wie der Motor auf jeden Millimeter Pedalweg mit feinster Ansprache reagiert, du die sich verändernden Schwingungen im Ansaugtrakt mehr spürst als hörst und wie die seidig-transparente Lenkung Kurven darbietet wie Pin-up-Bilder.

Oben, in der Nähe des Vulkans, sieht es so aus, als sei der nicht 1909, sondern vielleicht letzten Winter zum letzten Mal ausgebrochen. Lavabrocken liegen in der Gegend herum, mit nur spärlichem Grün überwachsen. Dazwischen schmiegt sich eine Landstraße, die sich im Morgenlicht nur sehr zart vom schwarzen Gestein abhebt. Sie ist etwa so polterig wie die Schlechtwegstrecke Nummer 4 im Bosch-Prüfzentrum Boxberg, nur länger. Und kurviger.

Nun kommen die dynamischen Getriebelager des Boxster Spyder zum Einsatz, die in schnellen Wechselkurven Bewegungen der Antriebseinheit verhindern sollen. Zusammen mit dem Sperrdifferenzial und den gezielten Bremseingriffen des PTV (Porsche Torque Vectoring) halten sie den Boxster Spyder fest und neutral in der Spur wie ein Schienenfahrzeug.
Am Straßenrand winkt der Fotograf, der Arbeitstag beginnt bei Sonnenaufgang. Das Licht glüht über den Lack und der Ostwind riecht selbst hier oben noch nach Meer und Sand.

Technische Daten
Porsche Boxster Spyder
Grundpreis79.945 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4414 x 1801 x 1262 mm
KofferraumvolumenVDA280 L
Hubraum / Motor3800 cm³ / 6-Zylinder
Leistung276 kW / 375 PS (420 Nm)
Höchstgeschwindigkeit290 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,5 s
Verbrauch9,9 L/100 km
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