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Porsche Cayenne Transsyberia: Letzte Fahrt im Rallye-Porsche

Letzte Ausfahrt Museum: Porsche schenkte uns einige Tage mit einem wilden Einzelstück. Der Rallye-Porsche Cayenne Transsyberia durfte zum Abschied noch einmal richtig röhren.

Ein unscheinbarer Backsteinbau mitten in einem Stuttgarter Industriegebiet ist der Ausgangspunkt. Das betulich wirkende, unter Denkmalschutz stehende rote Gebäude lässt auf den ersten Blick nicht Geschichte und Geschichten erkennen, die sich hinter den Mauern verbergen: Hier in der Zentrale von Porsche wurde der erste VW Käfer konstruiert, und in der Werkstatt im Erdgeschoss werden bis heute ganz besondere Modelle beschraubt. Unter anderem ein Einzelstück, das sich bis in die Mongolei herumgetrieben hat.


S-TS 2624, ein schwarz-oranger Cayenne , steht gerade in der besagten Werkstatt und bekommt einen Übergabe-Check. Der martialisch beklebte Allradler darf in Kürze seine letzte Reise antreten. Ein Ausflug nach Berlin, für ein paar Tage noch mal richtig Dampf ablassen, bevor es in den Ruhestand geht. Anschließend wird er im Porsche-Museum, einen Steinwurf entfernt vom roten Backsteinbau, als Ausstellungsstück auf Besucher warten. Das Übergabe-Procedere zieht sich diesmal ein wenig hin. Ein Porsche-Mitarbeiter erklärt geduldig die Eigenheiten des Boliden, in dessen Innenraum nichts mehr nach Leder und Luxus duftet, dafür nach reinem Rennsport riecht.

Armin Schwarz fuhr damit schon bis Ulan Bator

Der Cayenne mit der Startnummer 10 war das Werkzeug von Armin Schwarz, seines Zeichens unter anderem Deutscher Meister, Europameister und bis 2005 aktiv in der Rallye-WM unterwegs. Schwarz hat diesen Cayenne mit seinem Beifahrer Andi Schulz im vergangenen Jahr auf der Rallye Transsyberia von Moskau bis Ulan Bator geprügelt und ihn nach über 7.000 Wertungskilometern auf Rang drei durchs Ziel gefahren, mit etlichen Tagesbestzeiten im Gepäck. Das verschafft Respekt.

Das Prüfprotokoll von Seilwinde, Zusatz-Tank und dessen Pumpe, der modifizierten Fahrwerkssteuerung und der hundert anderen Kleinigkeiten, die sich in dem nackt ausgeräumten und mit einem massiven Überrollkäfig ausgekleideten Cayenne von der Serie unterscheiden, ist schließlich abgearbeitet. Endlich los.

Fast schon enttäuschend, dass der Achtzylinder einfach so mit schnödem Schlüsseldreh startet. Aber dafür stimmt die Musik: Die Sport-Auspuffanlage ist zwar gerade noch so im legalen Lautstärkebereich, lässt aber mit tiefem Bass keine Zweifel, dass hier gerade ein Achtzylinder aufgeweckt wurde. Verbaut ist der Standard-Saugmotor mit 4,8-Liter und 385 PS - die stärkeren GTS- oder Turbo-Maschinen wollte man nicht mit sibirischem Sprit malträtieren.

Die Autobahn ist nicht das Revier dieses Porsche Cayenne

Kurs Nord-Nordost, raus aus Stuttgart, Richtung Brandenburger Tor. Der Recaro von Armin Schwarz passt wie ein Handschuh, das Wildleder-Rallyelenkrad dirigiert den schwarzen Riesen fast auf Zuruf, lediglich auf die unteren beiden Schlaufen der Sechspunkt-Gurte verzichte ich aus Bequemlichkeit auf dem Weg in die Hauptstadt. Das GPS am ehemaligen Arbeitsplatz von Andi Schulz betet stumm Informationen runter. Fast möchte ich mich bei dem Gerät für A81 und A9 entschuldigen, schließlich trägt es noch sauber gespeichert die Rallye-Tracks im Nirgendwo der mongolischen Steppe in sich. Mit fettem Beat grollt der V8 dem Horizont entgegen, nicht übermäßig hastig, denn die hohen BF Goodrich All Terrain sind nur bis 160 freigegeben. Alle halbe Stunde zuckt es mal im Fuß, darf der Achtzylinder für ein paar Sekunden bellen, um anschließend wieder brav auf der rechten Spur zu dümpeln. Überführungsetappen sind stets der langweilige Teil im Motorsport.

Die Stadtgrenze ist erreicht, der Fotograf wartet, im Auto ist es warm - ein Eis beim Drive-In muss sein. Geld raus, Eis rein funktioniert ein wenig ungelenk, festgeschraubt von den starren Sportgurten. Die junge Dame am Ausgabeschalter guckt irritiert. Auch für den Wasser-Einkauf beim Supermarkt gibt es bessere Fahrzeuge, wie sich kurz darauf herausstellt - allerdings nur wenige, die mehr auffallen. Zwischen all den Kompakt- und Mittelklasse-Karossen auf dem Parkplatz wirkt der beklebte Zuffenhausener wie ein Alien. Zwischenfazit: Autobahn und Alltag sind nicht das, womit man diesem Auto (und seinem Benutzer) wirklich eine Freude macht. Um das festzustellen hätten wir allerdings auch keine 600 Kilometer fahren müssen, das war schon vorher klar. Doch jetzt beginnt die Kür. Erst mal Schaulaufen in Berlins guter Stube, flanieren Unter den Linden, parken vor dem Brandenburger Tor. Wenn schon Aufsehen, dann richtig. Eine Polizeistreife verscheucht uns schließlich, die Wachleute von der nahegelegenen US-Botschaft hatten sich beschwert. Der grelle Porsche war ihnen nicht geheuer.

Raus aus der Stadt, rein ins Gelände

Also raus aus dem Trubel, rein in den Wald. Horstwalde, unser Supertest-Gelände, wartet. 1.200 Hektar Fichtenwald in einem abgesperrten Areal mit unzähligen Wegen und Pisten. Die Karosserie des Renn-Porsche ist über den Serienstand hinaus nachträglich aufwendig abgedichtet, ein Ansaugschnorchel, der hinter den Sitzen in einer handgenähten Tasche lagert, lässt sich mit wenigen Handgriffen montieren. Ein Meter Wattiefe soll kein Problem sein, doch heute bleibt das Wasserbecken trocken. Stattdessen Renntempo garantiert ohne Gegenverkehr. Auf den verwundenen Sandpfaden kommt das Gefühl einer Finnland-Rallye auf, nur die 1.000 Seen fehlen. Der Cayenne brüllt. Die Besatzung auch, vor Freude.

Szenenwechsel, vom Süden Berlins in den Norden der Stadt. Auf dem 1.600-Hektar-Gelände des Driving Center Dölln in der Schorfheide fahren wir normalerweise unsere Dynamik- und Fahrleistungsmessungen. Diesmal sind allerdings nicht die gigantischen Asphalt-Flächen das Ziel. Abseits der riesigen Runways gibt es ein weit verzweigtes Netz an Rallye-Wegen. Abermals wird der Gurt mit allen sechs Schließen festgezurrt.

Der Porsche tobt durch die Botanik wie ein Tyrannosaurus Rex. Nur dass er im Gegensatz zu dem Urzeitmonster fliegen kann. Unglaublich, wie sich der 2,4 Tonnen schwere Ballermann im Zaum halten lässt. Denn obwohl der Innenraum komplett entkernt wurde und alle schwere Komfort-Ausstattung auf der Strecke blieb, wird das reduzierte Gewicht von dem expeditionstauglichen Zubehör (Käfig, Winde, zwei Ersatzräder, Werkzeugsatz, Wagenheber und und und...) wieder aufgezehrt. Als Armin Schwarz den Reportern am Ende einer Transsyberia-Speziale in die Blöcke diktierte, er sei eine 90-km-Etappe nur Vollgas gefahren, hielt ich das für eine charmante Übertreibung. Heute weiß ich: der Mann sprach die Wahrheit. Der schwarze Riese tänzelt, brüllt, springt. Er driftet mit herrlich hecklastiger Allrad-Auslegung in gigantischen Staubwolken quer um die Kurven. ABS und ESP sind per Knopfdruck in Urlaub geschickt, die Tiptronic wechselt die Gänge per Lenkradschaltung. Untersetzung? Brauchen wir nicht. Vollgas.

Würdiger Abschied eines großen Sportlers

Das Luftfeder-Fahrwerk lässt sich im Gegensatz zum Transsiyberia-Serienmodell manuell auf jeder gewünschten Höhe arretieren und bietet selbst in der höchsten Stellung (270 Millimeter Bodenfreiheit!) noch ordentlichen Restfederweg. Die handgefertigten Rallye-Dämpfer machen alles klaglos mit. Selbst nach stattlichen Flugeinlagen detoniert der Cayenne nicht ungespitzt wie eine Boden-Boden-Rakete im märkischen Sand. Stattdessen fühlt es sich wie majestätisches Segeln an, austariert, erhaben. Die kurzen Augenblicke in der Luft dehnen sich im Cockpit zur halben Ewigkeit, bis der Tyrannosaurus mit schmatzendem Aufplumpsen die Flugschau beendet. Was für ein Fahrwerk! Die Sonne geht unter, ein Wunsch bleibt: Diesen Tag bitte in einer Endlosschleife wiederholen!

Katerstimmung in der Redaktion, als das Monster ein paar Tage darauf wieder Richtung Stuttgart in den Ruhestand unterwegs ist, A9, A81. Vorher noch abkärchern, anschließend parken vor dem Museum. Es war der würdige Abschied eines großen Sportlers.

Jeep Grand Cherokee SRT8 2012 erster Test

Datum

18. März 2012
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