Porsche Cayman S: Neue Basis unter Druck

Porsche Cayman S

Nach dem renovierten 911 wird jetzt auch die geliftete Einstiegs-Baureihe von Porsche stärker, schneller und sparsamer. Dafür sorgen vor allem neue Motoren mit Direkteinspritzung und ein Doppelkupplungsgetriebe.

Mehr Leistung und Doppelkupplungsgetriebe

Während die Wirtschaft für miese Zahlen sorgt, schenkt uns wenigstens Porsche zum Jahresende gute Nachrichten. Der geliftete Cayman leistet in der S-Version mit 320 PS exakt so viel wie ein Carrera der Baureihe 996, beschleunigt mit Doppelkupplungsgetriebe PDK einen Hauch schneller, ist rund 1,6 Liter pro 100 Kilometer sparsamer und kostet über 10.000 Euro weniger als der 2003er Elfer.

Selbst der aktuelle Carrera geht für rund 22.000 Euro mehr kaum besser. Da sage nochmal einer, neue Autos würden nur teurer - vorausgesetzt, man kann mit dem imagemäßigen Abstieg vom 911 zum Cayman leben. Wobei es trotzdem ein gewaltiger Euphemismus wäre, bei einem Grundpreis von 61.493 Euro für einen ziemlich nackten Cayman S von günstig zu sprechen. Doch derlei Diskussionen wird solvente Handling-Liebhaber nicht kümmern, galt doch schon der bisherige Cayman als begnadeter Kurvenbezwinger, der sich mit seinem ausgeglichenen Mittelmotor-Konzept in die Sportfahrerherzen wirbelte.

Und der in Fahrwerk sowie Lenkung (andere Ventilkennlinie) angepasste Neue pfeift sogar noch einen Hauch müheloser und präziser ums Eck. Dabei lässt er den Fahrer auch mit eingeschaltetem ESP von den querdynamischen Verlockungen des Grenzbereichs kosten, ohne ihn im Ernstfall mit den Lastwechsel-Tücken seines Mittelmotorkonzepts alleine zu lassen.

Agiles Handling

Agil wie ein gedoptes Kaninchen auf der Flucht, spielt er in der Fahrspaß-Champions-League. Der ordentliche Komfort bewegt sich auf Vorgänger-Niveau - genauso wie die Sitze, auf denen Fahrer mit breitem Kreuz etwas mehr drauf als drin sitzen. Auch mit der Leistung haderten bisher einige. Die 245-PS-Basisversion - speziell mit Wandlerautomatik - war eher was für Flanier- denn Nürburgringkönige.

Deshalb schöpft der kleine Porsche jetzt aus 2,9 statt 2,7 Liter Hubraum 20 PS mehr. Während hier weiterhin ins Saugrohr eingespritzt wird, setzt der neue 3,4-Liter auf eine Direkteinspritzung, wie sie schon bei den Elfer-Motoren eingezogen ist. So steigt die Leistung um 25 PS, obwohl gleichzeitig die ökologische Diktion niedrigeren Verbrauchs erfüllt werden soll: 9,4 Liter pro 100 km (mit PDK). Dafür ließen die Weissacher Ingenieure den Hubraum unverändert, injizieren den Treibstoff zur Effizienzsteigerung aber mit 120 bar direkt schräg in den Brennraum. Die höhere Integration des Kurbelgehäuses macht den Löwenanteil der Gewichtsreduktion von sechs Kilogramm aus, während die neue, bedarfsgerecht geregelte Ölpumpe einen besseren Wirkungsgrad verspricht.

Der Sportfahrer gähnt

Dem Triebwerk scheint die Diät-Kur zu gefallen, denn so leidenschaftlich hat bisher kein Cayman über den Asphalt gebrüllt. Nicht prollig laut, sondern harmonisch und rockig. Um im PASM- (adaptive Dämpfer) und PDK-Trimm das volle Bouquet des neuen Motors zu spüren, muss aber erst der Sport-Knopf gedrückt werden. Ansonsten versucht sich der kleine Porsche nämlich als arg zahmer Sparer mit extrem frühem Hochschalten (sechster Gang ab 60 km/h) und weichgespülter Gasannahme - der EU-Laborverbrauch freut sich, der Sportfahrer gähnt.

Wer die Sport-Taste drückt oder alternativ vehement aufs Gas tritt, holt sich das Porsche-Feeling jedoch wieder zurück. Gierig antwortet der Boxer auf den Leistungsbefehl und steht schon aus niedrigeren Drehzahlen gut im Saft.

Neuer Boxster steht in den Startlöchern

30 Nm mehr Drehmoment sind spürbar. Bis zu 7.500/min jubelt der Sechszylinder jetzt ohne Müdigkeitserscheinungen dank leichteren Ventilen. Vielleicht ist das Aggregat aber auch einfach glücklich darüber, dass der phlegmatische Wandlerautomat endlich einem schnell-effizienten Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe von ZF gewichen ist.

Im Zusammenspiel mit dem optionalen Sport-Chrono-Plus-Paket mit Launch Control reißt der Cayman so die 100-km/h-Marke 0,3 Sekunden früher als mit dem serienmäßigen manuellen Sechsganggetriebe. Das Einzige, was an PDK missfällt, sind die Schalttasten am Lenkrad: Ihre Ergonomie ist eines Sportlers nicht würdig. Dabei besetzt Porsche gerade das Thema gute Bedienung sonst exzellent. Mit dem schon aus dem neuen Elfer bekannten PCM-Infotainmentsystem lässt sich intuitiv und zügig durch die Festplatten-Navigations-BluetoothiPod- MP3-Welt surfen. Die offene Variante des Coupés, besser bekannt als Boxster, steht ihrem geschlossenen Bruder in Sachen Fahrspaß kaum nach - obwohl sie fünf Kilogramm mehr auf der Karosse hat und zehn PS weniger darunter. Das gilt erst recht für die 310 PS starke S-Version, wie eine Vorabnahme-Fahrt in Willow Springs belegt.

Offener Genuss

Auf dieser ältesten Rennstrecke der USA in der kalifornischen Wüste zeigt schon das Vorserien-Modell, was es in sich hat. Kaum weniger agil als der Blechdachbruder, aber dabei mit einer vollen Ladung Frischluft. In freier Wildbahn sollte sich der Fahrer jedoch nicht bei einem Kavalierstart mit der optionalen Launch Control von der US-Polizei erwischen lassen, denn er wird als "exhibition of speed" geahndet. Wobei langsames Cruisen im Boxster alles andere als eine Strafe ist.

Dafür öffnet das von Magna Car Top Systems gefertigte Dach wie zuvor in zwölf Sekunden - und auch bei voller Fahrt von bis zu 60 km/h. In den Kofferraum passen nach wie vor zwei Sprudelkästen vorn und zwei Golfbags hinten. "Insgesamt gesehen ist die zweite Generation jetzt noch mehr Athlet in puncto Dynamik und Asket im Verbrauch", wirbt Baureihenleiter Hans-Jürgen Wöhler. Alles gute Gründe dafür, sich im kommenden Februar selbst einen Boxster oder Cayman zu gönnen - ungeachtet der Negativ-Meldungen der Wirtschaftspresse.

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Autoren: Alexander Bloch, Harald Hamprecht

auto motor und sport, Heft 12 / 2008

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