Die Frage ist fast so alt wie die Firma Porsche: Was macht er nur, der sportliche Porsche-Fahrer, wenn ihn eines Tages das Schicksal einer Familie ereilt? Sag zum Porsche 911er leise Servus? Die nüchterne Wahrheit wird in vielen Fällen so aussehen: Weil in aller Regel nicht ganz unbegütert, behält er seinen Heckmotor-Zweisitzer und kauft der glücklichen Ehefrau einen Mercedes.
20.000 Porsche Panamera sollen jährlich produziert werden
Da lässt sich, so scheint es, noch keine Rechtfertigung finden für einen großen, dicken, starken und teuren Gran Turismo mit vier Türen. Die Kunden müssen aus dem Luxussegment kommen. 80 Prozent werden von anderen Marken erobert, so die Marketing- Schätzer, und sie meinen damit nicht nur das Repertoire der Maserati Quattroporte - Fahrer. Denn 20.000 Porsche Panamera sollen pro Jahr vom Band rollen. Viel Glück, kann man da nur wünschen in einer Zeit, in der den Luxuswagen-Herstellern nicht gerade die Türen eingerannt werden. Wir beschäftigen uns deshalb jetzt nicht länger mit der Frage, wer den neuen Porsche kauft, sondern was der Kunde kauft.
Der Porsche Panamera ist breiter als eine Mercedes S-Klasse
Einen Brocken im Fünfmeter-Format, breiter als Mercedes S-Klasse oder BMW 7er, aber dafür erheblich niedriger. Das Ganze komponiert aus Porsche-Stilelementen, die man seit langem kennt. Das ergibt eine Mischung, die man nach persönlichem Geschmack beurteilen darf. Auf jeden Fall ist es eine, der auf der Straße die Augen folgen wie einer Blondine, die vergleichbar ungewöhnliche Proportionen spazieren trägt.
Der Porsche Panamera ist ein Viersitzer
Die des Porsche Panamera sorgen dafür, dass das neue Riesen-Baby sich nur als Viersitzer präsentiert. Eine Sitzbank im Fond lässt sich nicht realisieren, wenn das Auto nur knapp über 1,40 Meter hoch ist und die Passagiere menschenwürdig sitzen sollen. Denn nach hinten läuft die Kardanwelle, neben der beidseitig die Sitze tief versenkt wurden. Es sind, das ist einzigartig in der heutigen Autowelt, exakt die gleichen Sessel wie vorn - auf Wunsch ebenfalls mit einer Myriade von Verstellmöglichkeiten sowie Heizung und Lüftung.
Viele Bedientasten im Porsche Panamera
Der Einstieg nach hinten fällt naturgemäß nicht ganz so graziös aus wie bei einer normalen Limousine, was wir sicher begutachten dürfen, wenn Hollywood- Weiblichkeit vor die Paparazzi-Linsen gerät. Anschließend aber sitzt man sehr gemütlich da hinten, streng getrennt durch die hohe Mittelkonsole. Die zieht sich bis nach vorn durch und bildet das wesentliche Stilmittel des Interieurs. Denn sie ist beschichtet mit Bedienungsknöpfen wie ein Echsenrücken mit Schuppen. Je mehr teure Optionen - und Porsche spielt auch beim Porsche Panamera meisterlich auf dieser Geige -, desto mehr Tasten sind es. Auf Anhieb verständliche Bedienung hatte keine Priorität, womit der Porsche Panamera dezent zeigt, dass er ein Auto sein will, das sein Besitzer nicht aus der Hand gibt. Der Innenraum verströmt das Flair des klassischen GT - ein bisschen Old School und sehr schön. Oben Leder, unten Leder, dazwischen Holz - so hat man das schon gemacht, als man noch keine Designer brauchte.
Der Panamera Panamera ist kein klassischer Luxus-Cruiser
Die Mittelkonsole sorgt auch vorn für intimen Nischencharakter, aber es bleibt reichlich Bewegungsfreiheit. Die Sitzposition hinter dem steil stehenden Lenkrad ist mehr Sportwagen als Limousine und passt wie ein maßgefertigter Handschuh. Für die Reise oder den Golfplatz gibt es mindestens 445 Liter Kofferraum. Der Panamera Panamera ist kein klassischer Luxus-Cruiser, sondern eine Schrägheck-Limousine mit Klappe. Das bringt gute Zugänglichkeit und Variabilität. Aus dem Nützlichkeits-Repertoire gilt es zu erwähnen, dass man nicht nur gewaltig klingende High-End- Soundanlagen erwerben kann, sondern auch eine Anhängerkupplung.
Während der Fahrt fühlt sich der Porsche Panamera kleiner an als er ist
Die hochwertige Verarbeitung ist zu loben, weniger die Übersichtlichkeit. Vor allem nach hinten sieht man sehr schlecht heraus, in engen Parksituationen werden die Dimensionen deshalb zum Ärgernis. Aber wenn man erst einmal unterwegs ist, scheint der große Porsche Panamera zu schrumpfen. Beim Handling wurden ihm Sportwagenqualitäten anerzogen, er folgt sauber der Lenkung, die viel Gefühl für die Fahrbahn vermittelt. Im untersten Tempobereich gibt die (optionale) Servotronic der Leichtgängigkeit Vorrang.
Der Porsche Panamera bietet Komfort und Sportlichkeit
Je schneller man fährt, desto mehr schält sich der Porsche Panamera heraus. Der Porsche Panamera ermöglicht sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten, bei denen die Passagiere für ihre schalenförmigen Sitze dankbar sind. Er bleibt dabei höchst verlässlich und gut berechenbar - erst recht, wenn er wie das Porsche Panamera Modell 4S Allradantrieb besitzt. Die Betonung liegt auf dem Antrieb der Hinterachse, bei Geradeausfahrt steuert eine Lamellenkupplung nur ein minimales Antriebsmoment nach vorn. Mehr wird es erst bei auftretendem Schlupf - der Allradantrieb ist mehr stabilisierendes Element als Traktionshilfe. Trotz aller Sportlichkeit - der Komfort kommt nicht zu kurz. Das gilt für die Stahlfederung wie für die aufpreisige Luftfederung. Die macht auf langen Bodenwellen aus dem Sportmobil ein Luxusgefährt. Bei langsamer Fahrt wird es auf kurzen Unebenheiten holprig, wobei die Wahl der Bereifung eine Rolle spielt. Die hier gezeigten 20-Zöller haben nicht viel Federungsreserve.
Porsche Panamera: von Null auf 100 km/h in fünf Sekunden
Ein Auto für Chauffeur und Herrschaften wird der Porsche Panamera wohl auch nicht sein - da ließe sich ja die Kraft des Antriebs gar nicht nutzen. Der 4,8 Liter große V8 liefert schon als Sauger 400 PS (Turbo: 500), womit über 280 km/h möglich sind und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur fünf Sekunden. Dass es so flott geht, daran hat auch das siebengängige Doppelkupplungsgetriebe Anteil. Es schaltet - je nach Programm - schnell bis sehr schnell. Ein Schaltgetriebe vermisst man da nicht. Wohl aber bisweilen eine herkömmliche Automatik, wenn Ruckeleien bei langsamer Fahrt das Komforterlebnis schmälern. Vielleicht kommt es ja noch, wie vieles andere beim Porsche Panamera.
Porsche Panamera V6 soll erst 2010 kommen
Eine sparsamere V6-Version ist für 2010 vorgesehen, danach folgt ein Sechszylinder- Hybrid. Dass beides schon heute eine echte Starthilfe gewesen wäre - daran hat keiner gedacht, als die Entwicklung begann. Man kann nicht alles voraussehen - dafür ist gerade Porsche das beste Beispiel.




