Porsche RUF ER Modell A: Erste Fahrt im RUF Elektro-Porsche

Der Allgäuer Hersteller Ruf arbeitet unter Hochspannung an einem Pionier-Projekt: dem ersten deutschen Elektro-Sportwagen namens ER.

Für superschnelle Sportwagen auf Porsche-Basis ist Alois Ruf bekannt, doch dass er in Deutschland auch noch drei Wasserkraftwerke zur Stromerzeugung betreibt, wissen die wenigsten. Jetzt verbindet der Allgäuer die beiden scheinbar so unterschiedlichen Interessensgebiete: ER Modell A heißt der Prototyp eines reinen Elektro-Sportwagens auf Elfer-Basis. "Wir wollten einfach mal wissen, wie weit man mit Batterieenergie sportlich fahren kann", erklärt Ruf das Projekt.

"Außerdem häuften sich in Amerika die Anfragen nach einem Zero-Emission-Racer." An Ort und Stelle wurde gehandelt: Die kalifornische Ruf-Entwicklungs-Zweigstelle Calmotors riss einem 911 das Boxerherz aus dem Rücken und entfernte den Tank. Stattdessen sitzt jetzt ein waschtrommelförmiger, 90 Kilogramm schwerer und 150 Kilowatt (204 PS) starker bürstenloser Drehstrommotor mit Permanentmagnet tief unten im Heckabteil. Ein solcher Synchronmotor bietet noch etwas mehr Wirkungsgrad (90 Prozent) als die meist eingesetzten asynchronen Motoren (ohne Permanentmagnet).

Energiepack

Über 96 in Reihe geschaltete Batterieblöcke im Auto verteilt liegt zudem eine halbe Tonne Lithium-Ionen-Akkus. Ein gewaltiger, über ein Bussystem einzeln spannungskontrollierter Energiepack des chinesischen Herstellers Axeon, der eine Nennspannung von 317 Volt und 51 Kilowattstunden Energie liefern soll. Bremsenergie-Rückgewinnung beherrscht der ER ebenfalls. Das Original-Sechsganggetriebe samt Kupplung durfte noch drin bleiben.

Unnötiger Ballast, der aber bald abgeworfen werden soll. Denn Elektromotoren brauchen mit ihrem vom Stand weg vollen Drehmoment - in diesem Fall 650 Newtonmeter - keine Gangabstufungen, geschweige denn eine Reibungskupplung, sondern nur ein Reduktionsgetriebe.

Mutig: Akkus ohne Kühlung

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Der sonst im Light-Truck-Bereich eingesetzte flüssigkeitsgekühlte Motor von UQM dreht mit maximal 5.000/min ungewöhnlich niedrig für eine E-Maschine. Die Akkus verfügen dagegen über keinerlei geregelte Flüssigkeitskühlung. Mutig. Gerade Lithium-Ionen bestrafen stark schwankende Arbeitstemperaturen gern mit frühzeitiger Alterung oder sogar Ableben. "Wir sind mit dem ER schon bei 38 Grad Außentemperatur ohne Probleme gefahren, seine geregelten Akkus können das", erklärt Ruf selbstbewusst.

Aber der Firmenchef macht auch klar, dass der Elektro-Ruf ein reiner Prototyp ist. Die nächste Evolutionsstufe bekommt einen höher drehenden Motor, ein eigenes Getriebe sowie noch leistungsfähigere Akkus und soll deutlich an Gewicht verlieren. Jetzt wiegt der schwarze Strom-Renner mit 1.910 Kilogramm noch mindestens 300 zu viel. Trotzdem soll ER schon unter sieben Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, Tempo 225 laufen und bei zurückhaltender Fahrweise rund 300 Kilometer durchhalten.

Unfairer Vergleich

Daten, bei denen sich ein Vergleich mit dem schon serienfertigen Tesla Roadster aufdrängt. Es wäre ein unfairer, denn Ruf hat keine millionenschweren Investoren im Rücken, und die Entwicklungsphase des Elektro-Porsche startete erst vor einem Jahr. Spaß macht es jetzt schon, damit durch die Lande zu stromern.

Die Geräuschkulisse klingt zwar prototypig unterirdisch, es summt, brummt und pfeift, aber der spontane Antritt und diese ganz spezielle, super gleichmäßige E-Motor-Beschleunigung machen Lust auf mehr. Um Kurven muss der ER noch vorsichtig herumgetragen werden, zu extrem ist die Gewichtsverteilung. Es gibt also einiges zu tun für die Ruf-Mannschaft, wenn Ende 2009 schon ein erster exklusiver Kleinserien-Renner fertig sein soll.

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