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Radical RXC im Fahrbericht

Der Street-Fighter von der Insel

Radical RXC, Seitenansicht Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

Tertre Rouge, Hunaudières, Mulsanne – wenn sich Kurven und Geraden auf der Landstraße plötzlich nach Le Mans anfühlen, sitzt du nicht in irgendeinem Sportwagen. Kaum einer zaubert mehr Renn-Feeling mit Straßenzulassung hervor als der Radical RXC.

23.12.2013 Christian Gebhardt Powered by

Die Nordschleife zeigt sich heute mal wieder von ihrer trügerischen Seite. Trotz blauen Himmels und scheinbar trockener Piste zerstört eine Lautsprecherstimme die morgendliche Ring-Idylle auf dem Parkplatz an der Touristeneinfahrt: „Frühestens in zwei Stunden geht’s los – wir haben Eis in der Fuchsröhre und an der Hohen Acht.“

Egal, wenn dein Lieblingsrestaurant plötzlich geschlossen hat, musst du ja mit deinem Date auch flexibel sein. Unser Date ist heute eine rote Göttin, nur 900 Kilo schwer und 380 PS stark. Wir treffen den Radical RXC.

Vom Tonmodell zur Realität: Radical RXC

Das letzte Mal, als wir den Radical RXC (Radical Xtreme Coupé) gesehen haben, stand er noch als Tonmodell im 1:8-Maßstab in der Firmenzentrale des englischen Kleinserienherstellers in Peterborough. Wir hatten mit dem ersten Coupé der Firmengeschichte eigentlich erst 2014 gerechnet. Doch das Schöne an Kleinserienherstellern ist, dass es manchmal auch schneller gehen kann. „Bis heute sind schon 18 Fahrzeuge ausgeliefert worden“, erzählt Karl-Heinz Teichmann, Deutschland-Importeur der kompromisslosen Fahrmaschinen.

„Gestern bin ich locker auf der Nordschleife an einem SLS AMG Black Series vorbeigefahren“, ergänzt Karl-Heinz lächelnd. Verdammt – ausgerechnet heute blockiert Väterchen Frost die Nordschleife. Wir müssen die Le Mans-Gefühle mit dem Radical RXC auf den Eifel-Landstraßen ausleben.

Stichwort Le Mans – in der dreieinhalbjährigen RXC-Entwicklungszeit flossen auch viele Erfahrungswerte aus dem Radical LMP2-Rennprojekt SR9 mit ein. In puncto Optik scheint der Radical RXC direkt aus der Boxengasse des französischen Langstrecken-Rennklassikers entrissen worden zu sein. Die rennprototypen-ähnliche Glasfaser-Karosserie spannt sich über einen Stahlrohrrahmen mit Crashboxen in der Front und am Heck des Boliden. „Für die Straßenzulassung in Deutschland wird es andere Seitenplatten für den Heckflügel mit abgerundeten Kanten geben“, erläutert Importeur Teichmann.

Erste Fahrt im Radical RXC 1:16 Min.

Radical RCX mit Straßenzulassung

Straßenzulassung in Deutschland? Heute noch Nebensache, auf der Fronthaube und am Heck klebt ein britisches Kennzeichen – quasi ein Persilschein. Also schnell die Flügeltür öffnen und sich mit yoga-ähnlicher Verrenkung über den breiten Seitenkasten in die Cockpitkanzel winden. Wer mit dem Radical RXC in den Engtanz geht, wird von der Fertigungsqualität des britischen Exoten überrascht sein. Die Bastelbudenzeiten sind bei Radical wohl endgültig vorbei.

Rein in den Corbeau-Schalensitz, Vierpunktgurte festzurren – ein Zündschlüsseldreh sowie Startknopfdrücken später ertönt im Heck ein 3,7-Liter-V6. Der etwas dumpfe Klang erinnert noch zum Teil an die Herkunft des Ford Duratec 37 Ti-VCT-Triebwerks, das seinen Dienst auch im Ford Mustang verrichtet. Der 380-PS-V6 verlangt beim Anfahren nach etwas mehr Drehzahl, danach hat er leichtes Spiel. Mit 2,4 kg/PS kann der Radical RXC locker zum Armdrücken gegen einen 625 PS starken McLaren MP4-12C antreten.

Fliegende Wechsel des 7-Ganggetriebes

Trotz des gleichen Leistungsgewichts versägt der mit einem kurz übersetzten, sequenziellen Siebenganggetriebe von Quaife ausgerüstete RXC wahrscheinlich nicht nur den britischen McLaren-Supersportler quer- und längsdynamisch locker. Auch andere Supersportwagen werden in Zukunft sicherlich über den Radical RXC staunen müssen.

LED-Schaltlampen flammen über dem mittigen Display auf. Sequenziell werden die Gänge über die rechte Lenkradwippe in weniger als 50 Millisekunden reingefeuert. Die Zahl ist wurscht, der Klang des Gangwechsels und das laute Getriebesirren machen den Unterschied. Akustisch hocken wir gerade in einem Formel 3-Cockpit. Dank automatischer Zwischengasfunktion kann der Radical RXC nicht nur ohne Einkuppeln hoch-, sondern auch heruntergeschaltet werden. Die Bremsanlage mit einstellbarer Bremsbalance lässt sich auch ohne ABS problemlos dosieren.

Für Faszination sorgt ein sechsfach verstellbarer Drehregler zur EPAS-Abstimmung. Nie gehört? EPAS steht für Electric Power Assisted Steering. In diesem Fall eine sechsfach einstellbare Servolenkung – von knochig straff bis zu hypersensibel ist jegliche Art von Lenkungscharakteristik dabei. So kann der Radical RXC auch vor der Eisdiele spielerisch gewendet werden. Doch Showfahrer haben so ein Powergerät mit verstellbarem Rennfahrwerk ja gar nicht verdient.

Radical RXC beschleunigt in 2,8 Sekunden auf 100

Oben rechts im Digitaldisplay vermeldet eine kleine Zahl, dass wir schon längst geknebelt in der nächsten Polizeidienststube sitzen müssten. Alles was rund drei Sekunden nach dem Losfahren passiert, kann auf der Landstraße zum Freiheitsentzug führen.

In nur 2,8 Sekunden soll der Radical RXC die 100-km/h-Marke durchbrechen. Trotz des umfangreichen Aerodynamikpakets liegt die Höchstgeschwindigkeit laut Radical bei 280 km/h. Viel verrückter ist der bei Topspeed angegebene Gesamtabtrieb von 900 Kilogramm – halb so viel wie ein moderner Le Mans-Prototyp.

Was immer nach journalistischer Platitude klingt, wird im Radical RXC wahr: Selten bewegte sich ein straßenzugelassenes Auto so nah am Rennwagenniveau. Die Straßenzulassung in Deutschland dürfte zwar wieder für den einen oder anderen Herzanfall eines TÜV-Prüfers sorgen, doch wie schon beim Radical SR3 SL kann auch der RXC dank EG-Betriebserlaubnis ohne langwierige Einzelabnahme ab Dezember 2013 hier zu Lande zugelassen werden.

Technische Daten
Radical Sportscars RXC Coupé
Grundpreis143.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4300 x 1960 x 1127 mm
Hubraum / Motor3726 cm³ / 6-Zylinder
Leistung279 kW / 380 PS (320 Nm)
Höchstgeschwindigkeit280 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h2,8 s
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