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Fahrbericht Range Rover SVAutobiography

Lang lebe der König

Range Rover SVAutobiography 2016 Fahrbericht Foto: Land Rover 33 Bilder

Im neuen Jahr setzt der Range Rover SVAutobiography seine Duftmarke bei den Superluxus-SUV. 5,2 Meter. 550 PS. Volle Hütte. Nichts wie los zur Probefahrt!

04.03.2016 Torsten Seibt Powered by

Challenge accepted: sie haben die Herausforderung angenommen bei Land Rover. Und die Spezialabteilung eingeschaltet. Special Vehicles, die Konzerntruppe für die besonderen Kundenwünsche, hat sich den Range Rover vorgenommen und fand noch Raum für Verbesserungen.

Das muss sein, denn allmählich wird es fast ein bisschen eng im exklusiven Club der Super-SUV. Bentley, Maserati, Lamborghini, alle wollen sie dem Range Rover ans edle Leder. Da muss der alte Monarch den nassforschen Herausforderern mal wieder zeigen, wo es lang geht.

Range Rover SVAutobiography

Das Ergebnis ist der von Special Vehicles nochmals kräftig aufgerüschte Range Rover auf Basis des bisherigen Topmodells Autobiography, der damit die nach Schreibfehler wirkende Typbezeichnung SVAutobiography erbt.

Range Rover SVAutobiography 2016 FahrberichtFoto: Land Rover
Stil geht vor – und der neue Range Rover SVAutobiography beherrscht das besonders gut.

Grundsätzlich ist die SVAutobiography-Variante mit jedem Motor und in beiden Radständen zu haben. Sparefrohs könnten theoretisch also auch zum kurzen Hybridmodell greifen. Praktisch jedoch gilt gerade für den Range Rover SVAutobiography der wennschondennschon-Modus. Also lang, V8, Kompressor.

Das ist schon aus zwei Gründen unbedingt so zu handhaben. Denn zunächst gönnt Land Rover dem Supercharged-V8 im SVAutobiography nochmals 40 PS und 55 Newtonmeter Drehmoment extra. Und auch wenn das in Relation zur Gesamtleistung des Fünfliter-Testosteron-Pakets nur ein kleines Extraschäufelchen ist – man nimmt es trotzdem gerne mit.

Lounge-Sessel mit Massagefunktion

Dass außerdem der lange Radstand unbedingt zu bevorzugen ist, beweist ein Blick in Reihe zwei des Testwagens (siehe Bildergalerie). Wer auf den zigfach verstellbaren Lounge- und Liegesesseln mit gefühlt drei Metern Beinfreiheit Platz nimmt, kann eigentlich für die vorne sitzenden Mitmenschen nur noch Mitleid empfinden. Zusätzlich zum Erwerb des Range Rover SVAutobiography einen Fahrer einzustellen, ist daher nicht die schlechteste Idee.

Neben all dem vielen Platz und der netten Extraleistung unterscheidet sich der SV noch in zahlreichen anderen Details von einem schnöden Autobiography-Range Rover. Abgesehen von anderen Farbakzenten und Chromapplikationen sind das beispielsweise die klimatisierten Business-Class-Sitze mit Massagefunktion in Reihe zwei, ausfahrbare Tische, Kühlbox, Angorateppiche; Leder links, rechts und oben, ein Meridian Soundsystem mit 1,7 Kilowatt Leistung, ein Entertainment-Paket mit Farbbildschirmen hinten. Und. Und. Und.

Range Rover SVAutobiography 2016 FahrberichtFoto: Land Rover
550 PS exklusiv für den SVAutobiography – die nimmt man natürlich gerne mit.

Kurzum: der Range Rover SVAutobiography 5.0 LWB ist wirklich zünftig ausgestattet. Nicht, dass da nach der Überweisung von 196.000 Euro an den freundlichen Land Rover-Händler schon alles vorbei wäre. Der geneigte Kunde kann auch noch in Extras investieren, etwa die beim Testwagen aufgetragene Dual-Tone-Lackierung (11.934 Euro) wählen oder 7.344 Euro für die handgefertigten Picknick-Sitze im Kofferraum ausgeben. Der ausziehbare Laderaumboden in Walnussholz für rund 3.500 Euro ist da fast schon geschenkt.

Das unvermeidliche Endergebnis: Nach dem Aufenthalt in einem Range Rover SVAutobiography in ein solides deutsches Mittelklasseauto zu wechseln, kann einem ziemlich die Mundwinkel nach unten ziehen.

Bei 200.000 Euro ist noch nicht Schluss

Noch aber sitze ich drin. Abfahrt also. Das ist schon mal nicht so ganz ohne, weil der Kompressor-V8 offensichtlich Berserker-Benzin verabreicht bekam. Leises Streicheln des rechten Pedals und es geht so fett vorwärts, dass der Wunsch nach zehn bis zwanzig roten Ampeln auf den nächsten zwei Kilometern aufkommt. Das mit dem spontanen Antritt wäre damit unmittelbar geklärt. Selten jedoch waren Krawallstarts so distinguiert wie mit dem großen Briten, denn außer dem Tritt ins Kreuz, den die Passanten ohnehin nicht mitbekommen, ist er die Höflichkeit in Person. Kein wüster Radau, kein quietschendes Gummi, es geht einfach voran.

Das Spektakel lässt sich außerorts natürlich in höheren Tempi auskosten, wobei der V8 auch dort nicht zum Brüllmonster wird. Ein kerniges, kehliges, metallisches Trompeten ist alles, was sich der Kompressormotor entlocken lässt, wenn der Fuß schwer wird. Der ZF-Achtstufen-Automat zupft sich dazu passend die Gänge zurecht, ohne dass man groß darüber nachdenken möchte, weil es ohnehin ganz einfach in Ordnung ist.

„Sportliche Fahrwerksabstimmung“ schreibt Land Rover im Datenblatt des SVAutobiography. Über so etwas in einem der fähigsten Geländewagen der Jetztzeit könnte sicher philosophiert werden, doch es täte dem Range Rover SVAutobiography Unrecht. Denn trotz dieses Feintunings und trotz der 22-Zoll-Niederquerschnittsreifen ist er kein beinharter Rumpelfüßler, da sind schon die Luftfederung und die adaptiven Dämpfer dagegen.

Sportliche Abstimmung im Range Rover SVAutobiography

Auffällig ist jedoch, wie zielstrebig und direkt der Range Rover SVAutobiography auf Lenkbefehle reagiert, jede winzige Bewegung am Steuerrad wird unmittelbar umgesetzt. Durch die Sitzposition anderthalb Stockwerke höher als in einem ähnlich potenten Sportwagen fühlt sich das etwas speziell an, zumal die schmeichelweichen Ledersitze das Wort Seitenhalt noch nie gehört haben.

Bis zu 250 km/h sollen es sein, die der Range Rover SVAutobiography maximal hämmern kann, sofern er auf den optionalen 22-Zoll-Rädern steht. Doch nicht hier und nicht heute. Das gefällt auch der virtuellen Tanknadel im Farbdisplay besser, echte Instrumente trägt der Range Rover schon lange nicht mehr. Stattdessen wird jetzt gecruist und geschmeichelt, das konnte der Range Rover schließlich schon immer am besten.

Beim Panoramablick aus den traditionell riesigen Fenstern den Tag ausklingen lassen, das könnte jetzt ruhig noch ein Weilchen so weiter gehen. Doch leider leider haben die Leute von Land Rover etwas dagegen und wollen das Auto zurück. Schade.

Fazit

Er kann es noch immer, das Familienoberhaupt. Diese Mischung aus bedingungslosem Luxus und feinster Verarbeitung, ohne dabei neureich oder protzig zu wirken, verschaffen ihm weiterhin eine Alleinstellung, obwohl die Konkurrenz in der Ober-Oberliga auch gerne auf den Thron möchte. Doch feiste Leistung, exorbitantes Preisschild und erlesenes Material alleine reichen nicht, wenn der Stil fehlt. Da bleibt die britische Design-Ikone wohl noch ein Weilchen der Maßstab.

Technische Daten
Land Rover Range Rover 5.0 V8 SC
Grundpreis167.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4999 x 1983 x 1835 mm
KofferraumvolumenVDA550 bis 2030 L
Hubraum / Motor5000 cm³ / 8-Zylinder
Leistung405 kW / 550 PS (680 Nm)
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,4 s
Verbrauch12,8 L/100 km
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