Renault Mégane Coupé: Wie fährt sich der französische Golf-Konkurrent?

Trällern im Keller oder fröhliches Zwitschern? Egal wie, der Renault Mégane wirft die Last des sperrigen Designer-Hecks ab und wendet sich dem gepflegten Mainstream zu.

Man hört sie förmlich brummen, die Charakterschleifmaschine, mit der die Renault-Mannen den neuen Renault Mégane Coupé bearbeitet haben. Vom Patrick Le Quément’schen Design-Pioniergeist ist nicht mehr viel übrig, Nummer drei gibt den allgemeinverträglichen Kompaktklasse-Darling, dessen Form ebensowenig Erklärungsbedarf weckt wie seine Bedienung. Hier erwartet nicht nur Renault-Kenner ein Wiedersehen mit schlüssellosem Zugang und Startknopf. Dinge also, die dank der Rhombus-Mannschaft bis in volksnahe Klassen drangen. Statt weiter zu revolutionieren, bedient sich der ab 28. November erhältliche Renault Mégane Coupé beim größeren Laguna. 

Erkennbar am Armaturenbrett-Stil mit fließenden Formen, weich geschäumten Oberflächen und exakt gesetzten silberfarbenen Rahmen, ergänzt um eine preiswert anmutende Holzdekor-Blende. Auch die Bedienung mittels klar gruppierter Inseln, satt klickender Tasten und einem metallischen Drehdrück-Steller entstammt dem großen Bruder. Gleiches gilt speziellen Modi (soft und fast). Dieser Luxus ist nur bei der Top-Ausstattung Serie, doch manuelle Klimaanlage und Stereoklänge gönnen die Kalkulatoren schon der Basis (100-PS-Benziner; ab 16.900 Euro). Ebenso wie ein umfangreiche Sicherheitsausstattung des Renault Mégane Coupé und einen gut ablesbaren Digitaltacho. Unter der Motorhaube steckt zu Beginn mit dem 1,9-Liter-Diesel Bewährtes, wenn auch zart weiterentwickelt. Downsizing-Motoren, etwa ein 1,4-Liter-Turbo mit 130 PS, folgen genauso wie Kombi Grandtour und der Van Scénic, explizite Energiespar-Features oder gar ein Hybrid-Antrieb stecken noch im Forschungslabor.

Renault Mégane Coupé mit 130 PS starkem Diesel-Motor

Umso lebendiger schiebt der 130 PS starke dCi den Renault Mégane an. Mit Siebenloch-Piezo-Injektoren und weiteren Maßnahmen verfeinert, spielt er Uneingeweihten den stämmigen Benziner vor. Höchstens der rumpelige Leerlauf und sein nagelndes Außengeräusch entlarven den Zweiventiler als Diesel. Die akustischen Lebensäußerungen Richtung Innenraum des Renault Mégane scheinen ebenso mit Softlack überzogen wie Teile der Mittelkonsole. Damit buhlt der Mégane ganz klar um Komfortbewusste. Zudem schmeichelt er ihnen mit einer filterfreudigen Federung, die nur auf Querfugen spürbar bockt, sowie seiner leichtgängigen, elektrischen Lenkung. Mégane-Lenkung? Da spuken Kennern sofort Assoziationen wie gefühllos und unpräzise durch den Kopf. Entwarnung: Ein stärkerer Servomotor, die direktere Übersetzung sowie ein schnelleres Steuergerät samt flinkem Drehmomentsensor bringen den Renault Mégane näher an die Konkurrenz. Ob es zum Überholen reicht, kann erst ein Vergleich zeigen. In diesem muss sich der 4,30 Meter lange Fünfsitzer mit einer Verbundlenkerachse hinten gegen Mehrlenker-Konstruktionen (etwa bei Ford Focus und VW Golf) durchsetzen. Nicht schlimm, mit seinem überarbeiteten Fahrwerk und unter dem Schutz des fein regelnden ESP passiert er Kurven angemessen handlich und neutral ohne störende Lastwechselschärfe. Die sparte man sich sogar beim sportlicher ausgelegten Renault Mégane Coupé, das vor allem mit seinem per Twinscroll-Turbolader beatmeten Top-Triebwerk TCe 180 zügig loslegt.

Untenrum turbopfeifend, obenraus auspuffbrummend, setzt der Zweiliter eher auf sein solides Drehmomentfundament als auf energischen Drehwillen. Insgesamt niedriger und kürzer, straffer abgestimmt sowie vor allem im Heck expressiver gestaltet, übernimmt das Renault Mégane Coupé die Gigolo-Rolle im Programm. Speziell am Heck konserviert es viel vom Schwung der Mégane-Konzeptstudie. Da seien ihm die gestalterische Nähe zum Hintern des Alfa Romeo Brera, die gegenüber dem Viertürer nochmals schlechtere Übersicht nach schräg hinten sowie die indiskutable Kopffreiheit auf der Rücksitzbank verziehen.

Renault Mégane Coupé bietet viel Platz für Gepäck, aber wenig für Mitfahrer


Doch Vorsicht: Auch Viertürer-Besitzer sollten ihren Fond nicht zu laut preisen. Bein- und Kopffreiheit fallen beim Renault Mégane im Gegensatz zum Gepäckraum mit generösen 405 Liter Standardvolumen knapp aus. Bei aufgestellten Sitzflächen und flachgelegter Lehne warten maximal 1.162 Liter sowie eine kleine Stufe, weiter vorn nehmen große Türtaschen, ein Maxi-Handschuhfach und Bodenfächer Alltags-Kleinkram auf. Mit Kleinkram will sich Renault nicht zufriedengeben: Nach bisher 8,5 Millionen Exemplaren lasten hohe Erwartungen auf dem neuen Renault Mégane, der sich ein ordentliches Stück vom Kompaktklasse-Kuchen sichern soll. Die erste Bekanntschaft macht jedenfalls schon mal Appetit.

Kommentare
Bild vergrößern
Jörn Thomas

Autor:

auto motor und sport, Heft 11 / 2008

Anzeige
Thema
Kompaktklasse: Weitere Artikel zu diesem Thema
Kompaktportler Zukunft: Volks-Renner mit bis zu 340 PS

Immer mehr Hersteller stellen ihrem Kompakt-Modell eine PS-starke Variante zur Seite. Welche Flitzer uns in Zukunft erwarten, lesen Sie hier.

Serienfahrzeuge Kompaktwagen - Ford Focus ST
Peugeot 301 in Paris: Stufenheck für den Weltmarkt

Der französische Peugeot erweitert seine Modellpalette um die neue, kompakte Stufenhecklimousine 301.

Peugeot 301
Top Artikel
Peugeot und Renault: Französische Sportcoupés im Duell

Paukenschlag bei Peugeot: Erstmals treten die Franzosen mit einem waschechten Sportcoupé an. Unterwegs mit der RCZ-Basisversion und dem Renault Mégane Coupé.

Peugeot RCZ und Renault Mégane Coupé Rückansicht
Mégane Coupé RS: Kompaktsportler mit 250 PS im Fahrbericht

Der neue 26.650 Euro teure Renault Mégane Coupé TCE 250 RS will mit 250 PS der Kompaktklasse davonspurten. Fahrbericht.

Renault Megane Coupe TCE 250 RS
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 12/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 12/2012
Sportauto
35 Jahre VW Golf GTI im Test: Ultimativer GTI-Generationen-Check

Wir testen 35 Jahre VW Golf GTI auf der Rennstrecke - eine Hommage in Daten, Fakten und subjektiven Eindrücken.

Ultimativer GTI-Generationen-Check
Motor Klassik
Raketenautos: Vom Bat-Mobil zum Jaguar C-X75

Batman fuhr mehr als einen, Daniel Düsentrieb sowieso, Opel erlangte durch sie Weltruhm und Chrysler baute eine Kleinserie.

Vom Bat-Mobil zum Jaguar C-X75
4WheelFun
Superkarpata Trophy 2012: Live-Report – Offroad am Limit

Brutaler Wettbewerb: Eine Woche lang schlagen sich die Teams auf eigene Faust durch die rumänischen Karpaten. Ein Live-Tagebuch.

Live-Report – Offroad am Limit
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...