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Renault Talisman Grandtour dCi 160 im Fahrbericht

Mittelklasse-Kombi mit Diesel und Automatik

Renault Talisman Grandtour dCi 160 Initiale Paris Foto: Dino Eisele 21 Bilder

Nach der coupéartigen Limousine folgt nun der für den deutschen Markt viel wichtigere Mittelklasse-Kombi. Als Grandtour kann der Renault Talisman zeigen, ob er mit Passat und Co. mithalten kann.

05.07.2016 Peter Wolkenstein

Eines kann man Renault nicht vorwerfen: Wenn die Franzosen eine neue Modellgeneration auf den Markt bringen, dann hat der Kunde keine Probleme, diese auf den ersten Blick zu erkennen. Anders als bei Audi oder BMW, wo selbst Kenner Schwierigkeiten haben, die einzelnen Baureihen und Modellgenerationen voneinander zu unterscheiden, sieht der neue Talisman völlig anderes aus als sein Vorgänger Laguna. Das gilt auch für die Kombiversion Grandtour, zu der laut Renault in Deutschland vier von fünf Talisman-Kunden greifen werden. Die Heckscheibe steht nicht mehr ganz so flach wie beim Laguna Grandtour, das Heck sieht dennoch nicht kastenartig aus, die Proportionen wirken ausgewogener.

Renault Talisman Grandtour etwas länger

Gegenüber der 1.000 Euro günstigeren Limousine fällt der 4,87 Meter lange Talisman Grandtour nochmal zwei Zentimeter stattlicher aus. Dennoch passt in den Gepäckraum des Kombis bis zur Fensterkante unter die Abdeckung mit 576 Liter etwas weniger als in das Stufenheck der Limousine (608 Liter). Diese Unterschiede nach der VDA-Messmethode sind jedoch theoretischer Natur. In der Praxis lässt sich der Mittelklasse-Kombi dank großer Heckklappe und niedriger Ladekante viel einfacher beladen. Die Heckklappe schwenkt bei der gefahrenen Topversion Initiale Paris übrigens serienmäßig elektrisch betrieben nach oben und lässt sich wahlweise auch über einen Fußsensor betätigen, falls man die Hände nicht frei hat. Allerdings öffnet sie für Personen über 1,80 Meter nicht weit genug. Immerhin ragt das Schloss nicht hervor, so dass nicht die Gefahr besteht, sich daran den Kopf zu stoßen.

Renault Talisman Grandtour dCi 160 Initiale ParisFoto: Dino Eisele
Der Talisman Grandtour kostet 1.000 Euro mehr als die Limousine.
IAA 2015, Renault Talisman
Sitzprobe im neuen Renault Talisman auf der IAA 2015 1:11 Min.

Der Ladeboden besteht aus zwei getrennt herausnehmbaren Platten. Praktisch: die kürzere hintere Platte kann auch senkrecht fixiert werden, um den Laderaum abzuteilen. Die Rolloabdeckung ist in seitlichen Nuten geführt und lässt sich durch Antippen entriegeln und aufrollen. Für die Kassette ist eine Ablage unter der größeren der beiden Ladebodenplatten vorgesehen, falls sie beim dachhohen Beladen im Weg sein sollte. Allerdings ist diese Ablage nicht gerade leicht zugänglich, die Bodenplatte verkantet beim Entfernen und lässt sich beim Anheben nicht fixieren.

Kofferraum mit 1.681 Liter Volumen

Die im Verhältnis 1:3 zu 2:3 geteilte Rücksitzlehne lässt sich auch vom Gepäckraum aus per Zughebel entriegeln. Alternativ ist eine im Querschnitt kleine Durchladeöffnung im breiteren Rücksitzlehnenteil an Bord. Nach dem Vorklappen liegen die Lehnen fast eben auf der Sitzfläche, es bleibt jedoch eine wenige Zentimeter hohe Stufe zum Gepäckraum. Das Stauvolumen steigt nun auf 1.681 Liter an (VW Passat: 1.780 Liter), das empfehlenswerte Trennnetz kostet für alle Ausstattungsvarianten 290 Euro Aufpreis. Die Zuladung des Talisman Grandtour gibt Renault mit 650 Kilogramm an, die Anhängelast (gebremst) mit 1.850 Kilogramm.

Eine Besonderheit des Kombis gegenüber der Limousine sind die von Familien mit kleinen Kindern sehr geschätzten ausziehbaren Jalousien in den hinteren Seitenfenstern. Sie sind bereits ab der mittleren Ausstattungslinie Intens serienmäßig. Eine dunkle Tönung der Fondscheiben kostet 250 Euro (Serie bei Initiale Paris).

Das Platzangebot im Fond fällt auch für große Insassen nicht zu knapp aus, Knie- und Kopfraum sind reichlich bemessen, die Füße lassen sich bequem unter die Vordersitze schieben, obwohl diese beim Topmodell elektrisch verstellbar sind.

Infotainment mit Touch- oder Dreh-Drück-Bedienung

Auf den vorderen Plätzen zeigen sich keine Unterschiede zur Talisman Limousine. Der Grandtour ist genauso hochwertig eingerichtet. Wie im Espace dominiert der große Touchscreen im Hochformat die Mittelkonsole. Wem die gewöhnungsbedürftige Bedienung per Berührung missfällt, kann auf den Dreh-Drücksteller hinter dem Wählhebel für das Doppelkupplungsgetriebe zurückgreifen, das beim stärksten Diesel zum Serienumfang zählt. Nettes Detail: In diesem Fall ist in dem Fach unter der Mittelarmlehne auch ein Kühlfach für eine Halbliterflasche untergebracht.

Der Diesel startet auf Knopfdruck, vor dem Ausparken noch ein Blick nach hinten. Trotz nicht allzu dicker Dachsäulen ist die Sicht nach hinten wie bei vielen Kombis in dieser Klasse eingeschränkt und man ist froh um Parkpiepser und Rückfahrkamera – beides kostet beim Talisman Initiale Paris keinen Aufpreis. Wir scheren in den Verkehr ein, und steuern aus der Stadt hinaus.

Renault Talisman Grandtour dCi 160 Initiale ParisFoto: Dino Eisele
Wie im Espace dominiert der große Touchscreen im Hochformat die Mittelkonsole

Doppelkupplungsgetriebe und dCi-160-Diesel arbeiten unauffällig zusammen, der Talisman rollt auf seiner üppigen 245/40 R19-Bereifung etwas holprig ab. Doch mit zunehmender Geschwindigkeit federt er besser, die adaptiven Dämpfer lassen sich zusammen mit anderen Parametern über insgesamt fünf Fahrmodi beeinflussen. Man kann aber auch einfach die Neutral-Stellung wählen, dann präsentieren sich auch die digitalen Instrumente weiß statt bunt und der Talisman gleitet kommod voran.

Auf der Auffahrt zur Autobahn drückt der doppelt aufgeladene 1,6-Liter den Kombi rasch auf Richtgeschwindigkeit und darüber hinaus. Der Grandtour bleibt angenehm leise – auch dank der beim Initiale Paris serienmäßigen Akustik-Verglasung – und eignet sich gut als Reisewagen, bügelt bis auf grobe Querfugen die meisten Unebenheiten glatt. Doch anders als von Renault in dieser Klasse bislang gewohnt macht der Talisman auch auf kurvigen Landstraßen Laune, gibt sich unverhofft agil, lenkt präzise ein und bleibt lange neutral. Das ansprechende Handling profitiert nicht zuletzt von der beim Initiale Paris serienmäßigen Allradlenkung.

Renault Talisman Grandtour ab rund 29.000 Euro

Einziger Nachteil: Die umfangreiche Ausstattung treibt den Preis des Talisman Grandtour dCi 160 Initiale Paris auf 42.000 Euro. Als Intens gibt es den Biturbo-Diesel schon ab 36.200 Euro. Wer auf 30 PS Leistung, nicht aber auf das Doppelkuppungsgetriebe verzichten kann, bekommt den dCi 130 als Intens ab 35.150 Euro, in der ebenfalls schon ordentlichen Basisausstattung Life mit manuellem Schaltgetriebe ab 30.650 Euro. Noch günstiger: die 110-PS-Version ab 28.950 Euro.

Technische Daten
Renault Talisman Grandtour dCi 160
Grundpreis36.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4866 x 1870 x 1465 mm
KofferraumvolumenVDA572 bis 1681 L
Hubraum / Motor1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung118 kW / 160 PS (380 Nm)
Höchstgeschwindigkeit213 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 s
Verbrauch4,6 L/100 km
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