Retrolook-Cabrios: Einst, zwei,drei

Früher hätte es so was nicht gegeben: einen Käfer mit elektrischem Verdeck. Einen Mini ganz ohne Dach. Einen offenen Großserien-Hotrod. Holen die Retro-Typen VW New Beetle, Mini Cooper und der Cyrysler PT Cruiser heute nach, was damals fehlte?

Vielleicht ist Weiß doch nicht so uncool, wie die Männer auf den Gebrauchtwagen-Plätzen immer meinen. Wobei es ja eigentlich gar kein Weiß ist, das der PT Cruiser trägt, sondern ein Elfenbein, jener Ton also, der an die spillerigen Lenkräder der fünfziger Jahre erinnert und an Automobile, die allen Ernstes Isabella hießen oder Eldorado.

Der Kofferraum eines New Beetle Cabriolet etwa ist mit seiner
kleinen Heck-Luke fast noch unbrauchbarer als das Gepäckabteil des Original-Käfers. Was bitte soll da Silbermetallic oder Wichtigschwarz?

Zu den guten Nachrichten zählt also nicht nur, dass es die drei Junggestrigen auch mit Stoffdach gibt, sondern dass ein cremiges Weiß zumindest auf den Farbkarten von VW und Chrysler steht. Sicher, das gehört zu den wenigen Charakterzügen, die sie mit ihren Vorbildern gemeinsam haben. Wenn es überhaupt Vorbilder gibt.

In der Chrysler-Geschichte jedenfalls findet sich keines. Deshalb erinnert der aufgeschnittene PT Cruiser von vorn an einen Ford V8 aus den frühen Dreißigern und von hinten an einen Commercial Van, der die Garage seines 19-jährigen Besitzers irgendwo in Westküsten-Suburbia mit Top Chop verlassen hat. Dazu trägt er einen fetten Überrollbügel, als wolle er noch den Golf der neunziger Jahre zitieren.

Den Ur-Mini gab es nur dann als Cabriolet, wenn entschiedene Flexer den privaten Aufschnitt wagten. Häufig nahmen sie sich Dritthand-Exemplare und wenig Zeit, die Resultate waren bald in dritter Reihe auf dem Vorstadt-Kiesplatz zu besichtigen. Wie es serienmäßig hätte sein können, zeigt erst der Neue. Nicht mit seinen etwas zu koketten Chrombügeln am Heck, aber mit der eleganten Silhouette des geschlossenen Verdecks und einer Frontscheibe, die steil im Sturm steht, statt sich fürsorglich über die Frontpassagiere zu wölben.

Nur Spießer hefteten sich früher Blumenvasen ans Armaturenbrett

Ein Käfer ist der New Beetle nicht. Nur Spießer hefteten sich früher Blumenvasen ans Armaturenbrett, so kann Retro irren. Aber das zweite Leben als Cabriolet tut dem New Beetle natürlich gut, weil der Clown eine Wintermütze trägt. Sein ewiges Motorhauben-Grinsen könnte damit auch etwas Anarchisches haben. Und im Übrigen steht es dem New Beetle gut, allmählich alt zu werden. Altmodisch. Doppelretro. Man fühlt ihm an, dass er kein ganz neues Auto mehr ist, sondern aus den Neunzigern stammt, und plötzlich ist sogar das monumentale Armaturenbrett mit der weit entfernten Frontscheibe irgendwie okay. Der Lebensherbst macht ihn sonderlich wie einen Youngtimer. Ein Multifunktionslenkrad ist nicht an Bord, am Radio darf gedreht werden. Die Heizungsregler könnten aus einem Jetta GLX stammen. Dazu Türtafeln aus grauem Plastik. Mit Einlegearbeiten aus wahrhaftigem Kunstleder. Fensterkurbeln wären völlig akzeptabel. Und ein mechanisches Verdeck, obwohl das elektrische natürlich toll funktioniert.

Das Design, na gut, ein Streitfall. Aber viel wichtiger könnte sein, dass der New Beetle mit seinem Vorbild die Festigkeit seiner Karosserie gemeinsam hat. Keinen Ton gibt sie von sich, auch nicht auf zerfurchter Fahrbahn, wo der PT Cruiser seinen US-Vorbildern näher ist als mit der viel zu hohen Sitzposition, die er den Frontpassagieren bietet. Retro ist für ihn mehr der A-Säulen-Twist, der noch aus den frühen Sechzigern stammen könnte. Und das generöse Raumangebot im Fond, wo echte Viersitzigkeit auch Erwachsene einschließt.

Der Käfer-Fond ist dagegen noch immer so knapp wie damals. Und der Mini Cooper bleibt ein Fall für Verliebte.

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Christain Steiger

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