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Rex SP-1

Rex SP-1 - der Traum von Jürgen Stockmar und Frank Winter

Rex SP1 von 1975 Foto: Jooß 12 Bilder

Einer der bekanntesten Rennsportwagen der 70er ist zurück: Der Rex SP1, einst entstanden auf Initiative eines Enthusiasten und vor allem unter Harald Ertl überaus erfolgreich. 

28.04.2009 Hans-Jörg Götzl Powered by

Wenn Hunde träumen, dann bewegen sie meist hektisch ihre Pfoten. Und man kann sicher sein, dass sie gerade auf der Jagd sind und voller Lebensfreude einem Kaninchen, einer Katze oder einem Postboten hinterhereilen. Wenn dagegen Menschen wie Jürgen Stockmar oder Frank Winter träumen, dann drehen sie vermutlich engagiert an einem imaginären Sportwagenlenkrad. Möglicherweise hört man zwischen zwei Schnarchtönen auch ein Geräusch, das verdächtig an einen hoch drehenden Rennmotor erinnert. Und dann kann man davon ausgehen, dass sie gerade mit Vollgas auf dem Nürburgring oder in Hockenheim unterwegs sind.

Der Traum wird Realität

Bei Jürgen Stockmar begannen die Träume schon sehr früh und wurden spätestens während des Ingenieurstudiums zu Beginn der 70er Jahre übermächtig. Die Ausbildung nämlich finanzierte der Hamburger mit Technik- Artikeln und Reportagen von der Rennstrecke, und der Anblick vieler handgestrickter Konstruktionen im Fahrerlager weckte in dem jungen Mann den Ehrgeiz: "Das kann man besser machen." Mit dem Diplom sowie einem Redakteurs- Vertrag in der Tasche machte sich Stockmar schließlich daran, seinen Traum zu verwirklichen: den Bau eines eigenen Rennsportwagens. Er tat es mit der gleichen Akribie, Zielstrebigkeit und Präzision, mit der er später die Sportabteilung bei Audi und dann bei Opel aufbauen sollte. "Als Erstes habe ich verschiedene Fahrer vermessen und eine Sitzkiste gebaut, um die optimale Pedal- und Lenkradanordnung herauszufinden", erinnert sich der 66-Jährige.

Anschließend bastelte er Papiermodelle des geplanten Aluminium-Monocoques, das möglichst verwindungssteif werden sollte. Und weil Stockmar zunächst einen Einsatz in der 1600er-Klasse plante, die dann allerdings gestrichen wurde, geriet das Chassis überaus kompakt. "Dadurch war das Auto der kleinste Wagen im Zweiliter-Feld", meint er.

Schnelle Erfolge auf Rundstrecken und bei Bergrennen

Bei Konstruktion und Bau bemühte sich das "Ein-Mann-Feierabend-Team Stockmar" mit Freunden und einem Rennmechaniker um die neuesten Rechenprogramme und Technologien, die Alu-Bleche etwa wurden weit gehend zweischalig geklebt. Die Radträger wiederum stammten vorn von Chevron und hinten von March, weil "Chevron damals die beste Vorderachsgeometrie hatte, hinten war dagegen March besser", sagt Stockmar. Dennoch musste der junge Ingenieur irgendwann einsehen, dass auch er nicht alles so bauen konnte, wie er wollte.

"Die von mir kritisierten Konstruktionsfehler der anderen waren meist nicht auf mangelndes Wissen, sondern auf notwendige Kompromisse zurückzuführen", erklärt Stockmar. Und natürlich war ständig das Geld knapp, weshalb als Antrieb auch nicht der gewünschte BMW-Formel 2-Motor zum Einsatz kam, sondern ein deutlich günstigerer Ford Cosworth BDG. Da halfen auch die Sponsorgelder eines Poliermittelherstellers wenig, der dem Wagen dafür den auffälligen Auftritt und den Namen verlieh - Rex SP1.

Und wie fühlte man sich nun, wenn man an der Boxenmauer steht und praktisch das gesamte Privatvermögen mit Volldampf an einem vorbeirauscht und ständig Gefahr läuft, in einen Leichtmetallklumpen verwandelt zu werden? "Das waren schon sehr emotionale Momente", meint Stockmar: "Einmal wollte ich von einem Rennen einen Schmalfilm drehen. Doch ich habe so gezittert, dass es nichts wurde." Glücklicherweise aber ging alles gut, und insbesondere Harald Ertl konnte mit dem Rex in der ersten Saison 1975 etliche Achtungserfolge und sogar einige Gesamtsiege herausfahren. Auch Helmut Bross und Freddy Kottulinsky waren mit dem Wagen erfolgreich.

Das ganze Dorf hilft mit

Der Einzige, der nicht damit zurecht kam, war Derek Bell: Der Brite war großvolumige Motoren gewöhnt und tat sich schwer mit dem hoch drehenden F2-Aggregat. Ursprünglich wollte Stockmar übrigens selbst ins Lenkrad des Rennsportwagens greifen - eine Fahrt auf dem Beifahrersitz neben Harald Ertl aber machte ihm klar, dass es "deutliche Unterschiede zwischen Profis und Amateuren gibt." Zu Beginn der Saison 1976 schließlich veräußerte Stockmar den REX. Danach wurde das Auto noch bis Ende der Siebziger unter verschiedenen Fahrern erfolgreich auf der Rundstrecke eingesetzt und eine weitere Dekade bei Bergrennen.

Unterm Strich zählt der SP1 sicherlich zu den erfolgreichsten auf privater Basis entstandenen Rennwagen. Ende der Achtziger erkundigte sich Stockmar nach dem Verbleib seiner Konstruktion. Doch man versicherte ihm, dass der Rex längst verschrottet sei. Was aber gar nicht stimmte - und nun tritt der zweite Träumer dieser Geschichte auf den Plan: Frank Winter. Der 44-jährige Lehrer aus der Lüneburger Heide träumte ebenfalls schon lange von einem Rennsportwagen, die Erfüllung scheiterte jedoch am Budget.

Ein Dastle Mk7, im Prinzip ein Frontmotor-Formel-Junior, linderte zumindest den Schmerz. Bis ein Freund in einer Garage südlich von Berlin die traurigen Überreste des Rex entdeckte. "Das Auto war in einem katastrophalen Zustand. Dafür war alles dabei, bis hin zum Schnell-Wagenheber und der Negativ-Karosserieform", sagt Winter. Er machte den Besitzer ausfindig, man wurde handelseinig, und für einen beamtensold-kompatiblen Betrag wechselte der SP1 den Besitzer. Zurück im Heimatort Allersehl konnte Winter auf die tatkräftige Hilfe etlicher der 117 Einwohner zählen: "Es war ja schon vorher immer ein guter Teil des Dorfes mit an der Rennstrecke", grinst Winter.

Der desolate Renner wurde komplett zerlegt, das marode Monocoque neu angefertigt, alle Aufhängungsteile geröntgt und die Gfk-Karosserie neu lackiert - natürlich mit dem Rex-Schriftzug. Dabei mühte sich Winter um größtmögliche Originalität. Nur beim Motor griff er auf den späteren, aber in der Leistungsausbeute identischen Typ YB zurück. Das alles geschah mit fachkundiger Unterstützung durch den Erbauer. Am Ende war Jürgen Stockmar voll des Lobes: "So, wie das Auto heute dasteht, hat es früher nie ausgesehen." Erste Einstellfahrten bestätigten den Eindruck, sodass Winter den Wagen gleich in Oschersleben und in einem Bergrennen einsetzte - und anschließend Motor Klassik bei der Nürburgring Classic zu ein paar Proberunden einlud.

Der Traum von Goodwood

Nun erfordert jede Fahrt mit einem historischen Rennwagen besondere Umsicht; wenn ein Auto aber mit so viel Liebe wieder zurück auf die Rennstrecke gebracht wurde, ist besondere Sorgfalt geboten - vor allem, wenn das halbe Heimatdorf in der Boxengasse steht. Doch der Rex SP1 macht es einem leicht: Der Wagen liegt auf der Geraden beruhigend stabil, gibt sich beim Einlenken am Ende der Start-Geraden erstaunlich handlich und vollführt auch in schnellen Ecken wie dem Hatzenbach-Bogen keine haarsträubenden Bewegungen. Im Zweifel bremsen die vier Lockheed-Scheiben die 520 Kilogramm brutal zusammen.

Einziges Problem ist der Drehzahlmesser, der für die Sitzposition des etwas größeren Winter eingerichtet wurde. Entsprechend ist er bei mir zum Teil durch das Lenkrad verdeckt: Der 270-PS-Vierventiler dreht nämlich explosionsartig hoch - dummerweise gibt es noch keinen Drehzahlbegrenzer. Und irgendwann über 9.000 Touren wird es teuer. Erschwerend kommt hinzu, dass das unsynchronisierte Hewland-Getriebe zu kurz, auf knapp 230 km/h übersetzt ist. Andererseits gerät die Beschleunigung atemberaubend: Bei einer Übersetzung auf 270 km/h wurden 1975 genau 3,6 Sekunden bis 100 und 11,2 bis 200 gemessen - im Moment dürfte es also sogar noch besser vorangehen. Zurück an der Box brodelt der Cosworth- Motor gelassen im Leerlauf vor sich hin, und Frank Winter strahlt.

Man kann ihm und Jürgen Stockmar nur zum Rex gratulieren. Diese Saison wollen der Konstrukteur und der Restaurierer ein paar Rennen gemeinsam in Angriff nehmen. Und dann gibt es da noch große Pläne für die Zukunft: Momentan träumen die beiden von einem Einsatz in Goodwood.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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