Rolls-Royce Ghost EBW im Fahrbericht: Fast eine Art Hybrid-Fahrzeug

Rolls-Royce Ghost EBW

Neu bei Rolls-Royce: fast eine Art Hybrid-Fahrzeug. Im 17 Zentimeter längeren Ghost sollen Chauffierte wie auch Selbstfahrer angemessene Freude erleben. Fahrbericht.

Überraschung! Ausgerechnet Deutschland entpuppte sich im ersten Halbjahr 2011 für Rolls-Royce als wichtigster Wachstumsmarkt - und nicht etwa China oder der Nahe Osten. Vor allem das Einstiegsmodell Ghost trägt zum Erfolg bei, weshalb nun die Version mit verlängertem Radstand folgt. Ungeachtet der daraus resultierenden, palastähnlichen Platzverhältnisse im Fond beteuert der Hersteller, dass der Ghost ein Auto für Selbstfahrer bleibe - die gelegentlich einen Chauffeur anheuern, um sich zur Oper kutschieren zu lassen.

Dennoch: Es wirkt ungleich verlockender, zunächst die an der C-Säule angeschlagenen hinteren Portale zu öffnen. Sie schwingen um 89 Grad nach außen und geben eine gefühlt garagentorgroße Einstiegsöffnung frei. Die beiden Einzelsitze surren in eine angenehme Liegeposition, während die Milliarden Fasern der dicken Teppiche diskret die schnöden Sportschuhe verschlucken.

Rolls-Royce Ghost mit 570 PS und 780Nm Drehmoment

Und wo bleibt der Fahrer? Keiner in Sicht, dann also Platzwechsel. Der Drehzahlmesser verrät, dass im Gegensatz zum Chauffeur wenigstens das aufgeladene V12-Triebwerk seine Arbeit aufgenommen hat. Die Sitzposition passt, allerdings bleibt unklar, wo genau die 5,57 Meter Ghost anfangen und aufhören. Macht nichts, denn jetzt rutscht der Wählhebel am Lenkrad auf "D", und der rechte Fuß sinkt. Als ob sich ein Schwall heißer Tee in feinstes Porzellan ergießt, rauscht der Rolls-Royce mit der Macht seiner 570 PS und des maximalen Drehmoments von 780 Newtonmetern los.

Alle 2,5 Millisekunden stellen die adaptiven Dämpfer sicher, dass die Insassen möglichst selten von den Unpässlichkeiten des Straßenbaus Kenntnis nehmen müssen, und unterbinden zugleich schunkelige Schräglagen der Karosserie. Dabei arbeitet die Lenkung ausreichend direkt, um die 2,4 Tonnen schwere Limousine zügig durch die Ländereien zu scheuchen, auch das Automatik-Getriebe zappt sich stets passend und unmerklich durch seine acht Stufen. Eine Sportlimousine also? Kaum, obwohl sich die stille Wucht des 6,6-Liter-Aggregates in viel Längs- und etwas Querdynamik umsetzen, aber auch prächtig im Fond genießen lässt. Dort sollen übrigens künftig vorwiegend Chinesen sitzen - welche Überraschung.

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Jens Dralle

Autor:

auto motor und sport, Heft 20 / 2011

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