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Rolls-Royce Ghost im Fahrbericht

Luxusauto erforscht Geisterstädte

Rolls-Royce Ghost, Frontansicht Foto: Hardy Mutschler 13 Bilder

Verlassene Geisterstädte, einsame Wüsten-Highways, sandiger Wind – kaum die passende Umgebung für einen Rolls-Royce. Genau da muss er hin, fanden Redakteur Heinrich Lingner und Fotograf Hardy Mutschler und reisten mit dem Ghost 1.200 Meilen durch Nevada und Kalifornien.

16.05.2014 Heinrich Lingner

Las Vegas schläft nie, auch nicht um 4.30 Uhr Pacific Time morgens. Die Neonlichter, von denen wir ja wissen, dass sie je nach Farbe nicht nur mit Neon, sondern auch mit Krypton, Argon, Helium, Xenon oder Kohlendioxid leuchten, glitzern durch die trockene Wüstenluft. Auf der mattsilbrigen Motorhaube des Rolls-Royce Ghost wischen die Lichter als bunte, verschwommene Schatten nach hinten.

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Impression Rolls-Royce Ghost Geister-Runde
auto motor und sport 09/2014
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Zwei Stunden Fahrt sind es bis Rhyolite, der ersten Station unserer Geistertour. Bei Sonnenaufgang sollten wir dort sein, wünscht der Fotograf. Ein schneller Kaffee und ein Bagel mit Cream Cheese im Schnellimbiss neben der Tankstelle. Und ein kurzer Rundgang um den Rolls-Royce Ghost, der nach dem Transatlantikflug am Hotel auf uns wartet.

Natürlich kommt für die Fahrt zu den Ghost Towns nur ein Ghost infrage. Und weil bei dem Einsteigermodell von Rolls-Royce bald ein Modellwechsel ansteht, hat die US-Dependance nur ein Auto für uns zur Auswahl: den Rolls-Royce Ghost in der Alpine Trial Centenary Edition. Mit dem nur 35-mal gebauten Sondermodell feierte Rolls-Royce den 100. Jahrestag des Sieges bei der Österreichischen Alpenfahrt. Die siegreichen Werkswagen waren himmelblau – mit Motorhauben aus Alublech und mit schwarzen Rädern.

Die Ausstattungen des Sondermodells liften den Preis auf rund 382.000 Dollar, in Deutschland kostet ein flammneuer Alpine Trial Centenary 371.000 Euro. Eine der schönen Seiten von Las Vegas ist – außer dass es morgens um halb fünf Kaffee und Bagels gibt –, dass kaum einer so ein Auto wie den Rolls-Royce Ghost sehr bemerkenswert findet. Auch nicht, wenn zwei Gestalten in Jeans, T-Shirts und Sneakers in den Wagen steigen. Ein Paar macht auf dem Imbiss-Parkplatz vor dem Rolls ein Selfie mit dem Telefon, tritt respektvoll zur Seite, als wir ins Auto steigen, und der Mann sagt nur: „Nice car, guys.“

Mit dem Rolls-Royce Ghost in Rhyolite

Mit Achtstufenautomatik und 571 Zwölfzylinder-PS schleichen wir auf dem US-Highway 95 nach Norden. Vorbei an einer US-Militärbasis, die fünfmal so groß ist wie das Saarland und unter anderem die sagenumwobene Area 51 in ihrer Mitte verbirgt. Las Vegas verschwindet langsam aus dem Rückspiegel, wie ein riesiges Raumschiff, das gestrandet und in Millionen funkelnder Teile zerfallen in der pechschwarzen Wüstennacht liegt. Im Osten über der Militärbasis wird der Himmel heller, erst anthrazit, dann dunkelgrau und schließlich weiß glühend. Dann sind wir schon mit dem Rolls-Royce Ghost in Rhyolite.

In Beatty biegen wir von der 95 nach links auf die 374 in Richtung Death Valley. Nach ein paar Meilen führt ein Abzweig nach rechts zu der verlassenen Minenstadt. Die Straße können wir dem Rolls-Royce Ghost ruhig zumuten. Sie ist asphaltiert und nicht holperiger als ein beliebiger Feldweg auf der Schwäbischen Alb. Die Morgensonne taucht Rhyolite in ein unwirklich durchsichtiges, leicht verwaschenes Licht. Wir sind allein. Oder fast allein. Am Ende der Hauptstraße durch den verlassenen Ort steht ein Toyota 4Runner am Straßenrand. Ein älterer Herr fotografiert mit neuer Digital-Spiegelreflex auf Kugelkopfstativ den Bahnhof.

Als wir aus dem Rolls-Royce Ghost steigen, blickt er auf und grüßt kurz. Minuten später erklärt er, dass jetzt überall Zäune den Zutritt zu den besser erhaltenen Gebäuden versperrten. „Die Idioten machen sonst alles kaputt.“ Es ist nicht klar, wen er damit meint. Unser Auto ignoriert er so souverän, als seien wir mit einem Ford F-150 angereist. Etwas verwirrt scheint es ihn dennoch zu haben, denn er vergisst sein Stativ am Straßenrand. Später im Diner von Beatty, wo es dünnen Kaffee, knusprigen Speck und dicke Pancakes gibt, treffen wir ihn zufällig wieder und erzählen ihm, wo sein Stativ steht.

Gold Point heißt unser nächstes Ziel mit dem Rolls-Royce Ghost, nicht so verlassen wie Rhyolite, ein paar Menschen leben hier. Es gibt sogar einen Campingplatz mit Strom- und Wasserversorgung für Wohnmobile. Und ein Bed-and-Breakfast. Sandy kümmert sich um die Gäste, die in einigen in mehreren Hütten verteilten Zimmern absteigen können. Breakfast gibt es im alten Saloon. Der ist auch sonst auf Anfrage geöffnet, sagt Sandy.

Ihr Lebensgefährte Herb ist, zusammen mit einem Partner, der Besitzer der Hütten, es ist nicht ganz klar, wie viel von Gold Point ihm nun wirklich gehört. Herb sammelt historische Feuerwehrautos, die er vor seinem Haus aufreiht. Manchmal lässt er sich Sheriff nennen, vielleicht ist er es auch, man weiß es nicht so genau. Er rät uns, mit dem Rolls-Royce Ghost nach Belmont zu fahren, ein Umweg von einigen Hundert Meilen. Es ist gerade Mittag in Gold Point, High Noon mit Sheriff Herb.

Ein Rolls-Royce Ghost in den Bergen

Belmont liegt wunderschön, 2.200 Meter hoch in den Bergen, fast ein wenig alpin ist es hier. Es gibt ein verlassenes Schulhaus, ein Gerichtsgebäude und diverse Minenreste. Der Asphalt hört hinter dem Ort auf. Ein paar Jugendliche betanken Honda-Enduros ohne Nummernschilder von der Ladefläche eines Chevy Silverado. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, in Nevada aufzuwachsen.

Wir kehren zurück auf den Highway. 250 Meilen bis Las Vegas, im Uhrzeigersinn um die Militärbasis. Bei Sonnenuntergang sind wir im Valley of Fire, ein kleiner Abstecher, der sich trotz der Extrameilen lohnt. Dazwischen kontemplatives Autofahren im Rolls-Royce Ghost, unseren Lieblingssender im Satellitenradio haben wir längst gefunden: Old Vinyl. Er spielt Jackson Browne, Jimmy Buffett, Carly Simon oder Bob Seger. Wir fühlen uns verstanden.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Rolls-Royce Ghost weiter nach Nelson, wieder auf dem Highway 95, diesmal nach Süden. Der Canyon, der von Nelson runter zum Colorado River führt, heißt Eldorado. Und das nicht von ungefähr: Schon die ersten spanischen Siedler kratzten hier Gold aus der Wüste. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts boomte der Goldabbau. Bürgerkriegs-Deserteure versteckten sich im Canyon vor den Behörden und buddelten nach Gold. Schießereien und Kämpfe gehörten zum Alltag, so die Legende. Heute ist Eldorado eine gepflegt-heruntergekommene Geisterstadt mit Laden und Bar sowie einem Besitzer, der Minen-Führungen anbietet oder seine Kollektion tiefgefrorener Klapperschlangen im Eisfach des Getränkekühlschranks vorzeigt.

Eine Diet Coke später und zehn Dollar für die Fotogenehmigung ärmer fahren wir mit dem Rolls-Royce Ghost weiter, Richtung Kalifornien. Searchlight und Kelso stehen noch auf dem Plan. Und dann wollten wir eigentlich nach Palm Springs und weiter nach Salton Sea, ein kompletter Geistersee in der Wüste von der Größe des halben Saarlands. Aber das ist – mal wieder – eine ganz andere Geschichte.

1.500 Meilen Wüstentour

Die Wüste und die Berge im Grenzgebiet von Nevada und Kalifornien sind voll mit alten Minenstädten, stillgelegten Gruben und verlassenen Orten. Einige sind Historic Landmarks wie Rhyolite, Gold Point oder Belmont, die wir mit dem Rolls-Royce Ghost besucht haben, andere einfach nur Steinhaufen in der Wüste. Die meisten Landmarks sind über Asphaltstraßen zu erreichen. Ohne Offroad-Fahrzeug, viel Wasser und Ersatzräder sollte vom Befahren der vielen legalen Schotterstrecken in der Wüste Abstand genommen werden. Kein Scherz!

Technische Daten
Rolls-Royce Ghost
Grundpreis265.251 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5399 x 1948 x 1550 mm
KofferraumvolumenVDA490 L
Hubraum / Motor6592 cm³ / 12-Zylinder
Leistung420 kW / 571 PS (780 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,9 s
Verbrauch13,6 L/100 km
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