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Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé

Purer Luxus

Rolls-Royce Phantom Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Ein Abend mit einem Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé und Emily. Manchmal enden Dinge anders als geplant, aber schöner als gedacht.

04.02.2009 Alexander Bloch

Montagabende sind nicht die beste Zeit zum Weggehen - viele lecken noch ihre Wunden vom Wochenende. Kurieren den Wochenanfangsstress auf der Couch. Doch wir sind in München, einer Millionen-, ja Weltstadt. Da muss doch auch zur Unzeit was gehen. Tut es aber nicht.

Emily schwebt durch die Nacht

Rumpelnd rauscht die Straßenbahn vorbei, es wird nur ein- und nicht ausgestiegen. Die einzige Frau auf der exklusiven Shopping-Meile ist Emily. Aber die freut sich über den Ausgang. Wir fahren weiter. Ein Plausch an der Bar, Bummeln über den Boulevard. Die Lichter der Stadt locken. Doch was fehlt, ist das Volk, das bunte Gewirr der Menschen.

Ein wenig abschalten von Zahlen, Daten und Fakten. Muss ich dafür aussteigen? Je mehr mich der Rolls Royce Phantom durch die Stadt wiegt, ich in seinem Säuseln mitschwimme und genieße, desto klarer wird: Ich will hier eigentlich nicht raus. Welche Bar soll mir diese Sitze bieten, mein eigenes Musikprogramm in Logic 7-Surround und den lauen Herbstwind um die Nase? Ich nehm ihn einfach mit. In der Wurzerstraße bei Toshi Sushi dürfen Emily und ihr Rolls heute vor der weit geöffneten Glastür stehen. Müssen sich, von mir beäugt, kein Sicherheits- Käppi überziehen.

Für mich gibt es Alkoholfreies, Sir Rolls wartet auf Hochoktaniges. Seinen verdienten Drink bekommt der prächtige V12 jedoch erst später. So endet die abendliche Barsuche in einem Tête-à-Tête mit Emily und ihrem Gefährt. Wahrhaft nichts für alle Tage, aber für alle Träume. Emily will heute Abend fliegen.

Dafür schlüpft sie leise summend aus ihrer gebürsteten Metall-Garage. Aber sie hebt nicht ab. Sie hängt wie Kate Winslet mit ausgebreiteten Armen fest am Bug und lässt sich in die Nacht treiben. Nicht von einem bollernden Schiffsdiesel, hinter ihr tickert zart ein kapitaler Zwölfzylinder. Ach ja, gestatten: Emily, die Rolls-Royce-Gallionsfigur, offiziell heißt sie Spirit of Ecstasy. Emily nennen sie nur die Deutschen und Österreicher. Warum, scheint kaum einer zu wissen. Der Bildhauer Charles Sykes kreierte sie um 1911. Und die Verantwortlichen bei Rolls-Royce in Goodwood schauen immer noch pikiert, als hätten wir Deutschen Schaum auf ein Guinness geschaufelt, wenn wir die Kühlerdame bei ihrem Spitznamen rufen.

Es ist ein majestätisches Gefühl, sie fliegen zu sehen, da vorne irgendwo am Ende der Allmachts-Motorhaube. Im matten Aluminium spiegeln sich die Lichter der Stadt. In den Händen ruht das dürre Volant. Ganz ausgemergelt, wie es sich heute kein Autobauer mehr trauen würde. So grazil gebaut, dass der Chauffeur es behutsamer anfasst, es könnte ja zerbrechen. Was - ehrlich gesagt - ein Ding der Unmöglichkeit ist, doch wer sich einem Rolls-Royce streng rational nähert, hat sowieso verloren. Ein Rolls ist ein Mythos und wahrscheinlich immer noch das stärkste automobile Statement. Schon seit den Zeiten des Silver Ghost. Der übrigens 1907 noch ohne Emily auskommen musste, aber dafür schon die beiden verhakten R auf dem Kühler trug.

Der Silver Ghost bekam damals wegen seiner Langstrecken-Tauglichkeit den inoffiziellen Titel des besten Autos der Welt verliehen und hat ihn im Volksglauben an seine Nachfolger vererbt. Sündhaft teuer, bis ins Detail exklusiv, exzellent und partiell extrovertiert komponiert, aber objektiv betrachtet nicht unbedingt das beste, ist er so etwas wie der Château Petrus des Automobilbaus. Nicht das beste? Blasphemie? Gemach - wie die grandiosesten Weine zu Anlass und Mahl passen müssen, entfaltet sich auch das Bouquet eines edlen Autos nur im passenden Kontext.

Über fünf Meter reinster Luxus

Heute, hier auf der montagabendlich leergefegten Münchner Maximilianstraße, ist das Phantom Drophead Coupé das Beste, was einem als Autofahrer passieren kann. 5,61 Meter und 2,6 Tonnen gleitendes Spa. Ein offener Ruhepol, eine fahrende Terrasse, eine Asphalt-Yacht, die ohne Hektik an den exklusiven Geschäften vorbeischwimmt, und Emily spiegelt sich in den Fenstern. Leistung wird zur Nebensache, auch wenn Rolls-Royce inzwischen freimütig 460 PS statt früher "genügend" angibt. Herbeigebrannt von einem hochmodernen BMW-V12 mit 6,8 Litern und allen Segnungen der modernen Motorentechnik. Eine säuselnde Grande Complication des Ottomotors. Schön zu wissen, was man unter der Haube hat.

Das Leistungsmeter anstelle eines Drehzahlmessers meldet, dass Sir Rolls gerade fünf Prozent abruft: 23 PS - ach, man will es doch nicht so genau wissen. Jetzt biegt Emily in eine Seitenstraße ein. An der Flanke des Hotels Vier Jahreszeiten gibt es einen leckeren Sushi-Laden mit einer sich weit öffnenden Glasfront. Wo sonst drängende Parkplatznot regiert und Business-People im Spurt vorbeihuschen, herrscht heute Ruhe. Der Drophead darf vor den Glastüren stehen. Sicher beäugt vom Chauffeur, muss er sein kuschelig gefüttertes Stoffdach nicht schließen. So ein Phantom polarisiert schließlich, der Sozialneid zwickt bisweilen arg. Wer sich einen Rolls kauft, steht zu seinem Reichtum - egal ob Scheich, Erbe, Geschäftsmann oder Rapper.

Der Drophead besitzt sogar ein Sonnendeck. Serienmäßig versteckt sich das eingefaltete Cabriodach zwar unter einer Lederhülle, doch für umgerechnet 180 Flaschen Single Malt Whiskey schützt eine herrliche Teakholz-Abdeckung das Gewebe. Wer dieses stilvolle Arrangement sieht, den überkommen spontane Streichelreflexe. "C’est magnifi que!" ruft ein Franzose, der vorbeispaziert.

1.600 Löcher im Dachhimmel

Der Chauffeur nippt an seinem grünen Tee und freut sich mit. Auch und gerade bei einem Rolls ist das Cabrio die sinnlichere Art des Autofahrens. Es bremst den Vorwärtsdrang und verbläst mit dem Wind den Stress des Alltags. Schon gar, wenn die Ledersohlen in feinstem Teppich baden und der Große Wagen am Himmel den Weg weist.

Allerdings nutzt das geöffnete Verdeck nicht wirklich, wenn Wolken das Firmament verdunkeln. Das verdross Chef-Designer Ian Cameron sehr, bis er eines Abends auf die Idee kam, 1.600 kleine Löcher in den Dachhimmel des Phantom Coupé mit Blechdach bohren zu lassen, damit aus diesen 1.600 Glasfaser-Enden glimmen. So beleuchtet nun ein dimmbarer Sternenhimmel das Interieur. Zur Vorstellung: Jetzt bohrt also ein einzelner Arbeiter mit einem Zahnarzt-Driller tagaus, tagein kleine Löcher ins Dach. Dafür gibt es keinen mehr, der den massiven Kühlergrill per Hand lötet. Das macht inzwischen ein Maschine - schade.

Weg mit den trüben Gedanken. Über uns leuchtet prächtig der wahre Sternenhimmel, und das oftmals verregnete Goodwood ist 800 Kilometer entfernt. In zwei Fächern an den Türanschlägen steckt ein weiteres typisch englisches Ignoriere-das-Wetter-Untensil: Regenschirme. Passend edel, mit poliertem Knauf. Die Türen selbst wirken trotz Alu bleischwer und fallen als Monumente aus Leichtmetall, Leder und Chrom seidenweich ins Schloss. Dafür müssen sich die Passagiere noch nicht einmal ungelenk nach außen lehnen: Die Portale schließen auf Knopfdruck. Verkehrtherum schlagen sie an, alles andere wäre zu gewöhnlich für den automobilen Hochadel.

Genüsslich rekelt sich der Chauffeur wieder in seinem weichen Ledersitz aus feinster nordeuropäischer Rinderhaut und legt mit dem Lenkradhebel den D-Modus des Sechsgang-Automaten ein. Es ist schon spät. Emily möchte luftgefedert nach Hause schweben. Dort kann sich die kleine Metalldame in ihr Kühler-Bett legen. Sanft surrend huscht Emily zurück.

Technische Daten
Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé
Grundpreis459.697 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5609 x 1987 x 1581 mm
KofferraumvolumenVDA315 L
Hubraum / Motor6749 cm³ / 12-Zylinder
Leistung338 kW / 460 PS (720 Nm)
Höchstgeschwindigkeit240 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,9 s
Verbrauch15,7 L/100 km
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