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Rolls-Royce Silver Cloud II - Check beim Händler

Auf Wolke sieben

Rolls-Royce Silver Cloud II, Seitenansicht Foto: Hardy Mutschler 6 Bilder

Ganz ohne Luftfederung gelingt dem letzten Rolls-Royce in traditioneller Rahmenbauweise das Fahrgefühl eines fliegenden Teppichs. Majestätischer als im Silver Cloud II kann man nicht reisen.

27.02.2014 Alf Cremers Powered by

Wenn der populäre Typ Silver Shadow gewissermaßen der Strichacht von Rolls-Royce ist, dann spielt der Silver Cloud die Rolle der S-Klasse. Handwerklich noch eine Spur gediegener gebaut, mit Respekt einflößenden Außenmaßen gesegnet und den Spirit der Marke noch entschlossener verkörpernd. So ein Silver Cloud II ist eine Ausnahme-Erscheinung im Straßenbild. Schier lautlos schleicht er mit moderatem Tempo auf leise schmatzenden Superballon-Reifen dahin.

Rolls-Royce von einer anderen Welt

Kurvengierige Dynamik wäre bei diesem Aristokraten absolut unstandesgemäß, schnell stieße das konservative Starrachsfahrwerk an seine Grenzen. Samtiger Fahrkomfort ist seine Domäne, Straßenlage ja, aber mit eindeutigem Tempolimit. Dieser Rolls-Royce Silver Cloud ist von einer anderen Welt, ein Relikt aus dem Empire, ein Auto fürs Leben, das nicht die Welt kostet. Unser Kandidat, ein später 62er in vornehmem "Tudor Grey over Midnight Blue", wird vom Engländer-Spezialisten M & R Automobile für 49.900 Euro im Kundenauftrag angeboten.

Originale 65.267 Meilen zeigt das Zählwerk des Smiths-Tachometers. Die Probefahrt verrät keine ungewöhnlichen Geräusche, trotzdem ist der Stoßstangen-V8 aus Leichtmetall hörbarer als das Ticken der Uhr. Geschmeidig und betont niedertourig setzt er den schweren Rolls-Royce Silver Cloud in Bewegung, die sich der Ponton-Mode demonstrativ verweigerte.

Automatikgetriebe von GM

Klaus-Jürgen Müller, Inhaber von M & R Automobile, lenkt den ausladenden Zweitonner mit chauffeurgerechter Gelassenheit. Rückwärts fährt er auf Spiegel, es gibt nur ein fernes Guckloch, das sich Heckfenster nennt und das für eine distinguierte Intimität im Fond sorgt. Das nennenswerte Lenkspiel lässt der britische Kreuzer den Beifahrer nicht spüren. Ohne groß zu rudern, fährt er einen geraden, sauberen Strich. Das fällt dem Rolls-Royce Silver Cloud-Novizen nicht ganz so leicht, bei rechtsgelenkten 1,90 Metern Breite und der wenig zielgenauen Lenkung kommt man anfangs schon mal ins Schlingern.

Doch der Blick über die Motorhauben-Landschaft des Rolls-Royce Silver Cloud mit der weit vorne thronenden Emily macht glücklich und gelassen. Die Connolly-Ledersessel mit ausklappbarer Armlehne verdienen das Prädikat "Abrahams Schoß". Der flüsterleise Achtzylinder, konstruiert nach Packard-Vorbild, ist kein Leistungs-, aber ein Drehmomentriese.

Ein Viergang-Automatikgetriebe nach GM-Hydramatic-Lizenz sortiert im Rolls-Royce Silver Cloud nicht ganz ruckfrei die Übersetzungen. Das Schaltschema des Lenkrad-Wählhebels ist ungewöhnlich: Oben ist N wie Neutral, nur in der Stellung kann gestartet werden, dann folgen die Gänge 4, 3, 2, und unten liegt R wie Reverse. Diese Stellung wirkt bei ausgeschaltetem Motor auch als Parkbremse. Ein Rolls-Royce gibt sich eben gern anders als andere Automobile.

Ungeschweißter Originalzustand

Der Zustand des Rolls-Royce Silver Cloud nennt sich ungeschweißt, eine leichte, liebenswerte Patina überzieht Lack und Polster. Von Reparaturstau keine Rede, Müller betreut den Silver Cloud II schon viele Jahre. Er räumt ein, dass die sensible Technik durchaus Tücken hat: "Vor allem das Bremssystem mit Konuskupplung und zwei Hauptbremszylindern deutet auf eine Komplexität hin, wie sie im Flugzeugbau üblich ist."

Den Rolls-Royce Silver Cloud muss man mögen, es ist ein eigenwilliges Automobil, das schon aufgrund seiner Figur keine sportlichen Ambitionen verträgt. Aber es ist ein Wagen fürs Leben, ein rollender Salon, an dem die Landschaft wie ein Film vorüberzieht.

Modellhistorie RR Silver Cloud

Als Nachfolger des Nachkriegs-Modells Silver Dawn wurde der Rolls-Royce Silver Cloud I auf der London Motor Show 1955 präsentiert. In seiner ersten Auflage besaß er noch den traditionellen 4,9-Liter-Sechszylindermotor mit i.o.e-Ventilsteuerung. Die Leistung beträgt ca. 150 PS bei 3800/min. Der Silver Cloud III mit 6,2-Liter-V8, gebaut von 1963 bis 1966, besitzt Doppelscheinwerfer

Preisentwicklung RR Silver Cloud

In gutem Zustand kosten die Silver-Cloud-Modelle zwischen 50.000 und 60.000 Euro, in mäßigem die Hälfte. Von Restaurierungs-Exemplaren ist wegen der schwer kalkulierbaren Kosten abzusehen. Der Silver Cloud II ist tendenziell der Günstigste, der opulenter karossierte III der Beliebteste. Alle Modelle gibt es auch als Bentley S1 bis S3, Puristen lieben den Typ I wegen des traditionellen Rolls-Royce-Sechszylinders.

Checkliste Rolls-Royce Silver Cloud I–III

Ein Rolls-Royce verkörpert ein wertvolles Auto der Superlative mit hohem Konstruktionsaufwand.

  • Korrosion Heckblech und Schweller
  • Durchrostungen am hint. Rahmen
  • Bremsanlage und Kardanwelle
  • Hydrostößel beim V8-Motor
  • Hebelstoßdämpfer (undicht)
  • zugeschweißte Froststopfen
  • rutschende Bremsbänder
www.mr-autoclassic.de

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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