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Rover Vitesse im Fahrbericht

Der letzte echte Rover

Rover Vitesse, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 16 Bilder

Mit seinem 192 PS starken V8-Motor fuhr der Rover Vitesse an die Spitze europäischer Business-Limousinen. Auch im Rennsport erzielte der dynamische Brite viele Erfolge. Trotzdem endete mit der SD1-Baureihe die Ära eigenständiger Rover-Automobile.

08.04.2013 Franz-Peter Hudek Powered by

Wie schreiben das Jahr 1982. In Großbritannien regieren seit 30 Jahren Königin Elisabeth und seit drei Jahren Premierministerin Margeret Thatcher. Die Briten gewinnen den Falkland-Krieg gegen Argentinien. In Harrogate findet der 72. European Song Contest statt, den die deutsche Sängerin Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ gewinnt. Auch die englische Automobilindustrie hofft endlich auf ein bisschen Frieden.

Die Zeichen hierfür stehen nicht schlecht. Nach der Neu-Organisation von British Leyland gehen im Jahr 1982 Jaguar und die Austin Rover Group mit MG, Morris und Triumph wieder getrennte Wege. Man hält die Austin Rover Group nach der erfolgreichen Markteinführung des Rover 3500 und des Kleinwagens Austin Metro für fit genug, um sogar auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

Rover Vitesse wird 1977 "Car of the Year"

So gewinnt bereits 1977 die SD1 (werksinterner Projektname) -Basisversion des Rover Vitesse den angesehenen Journalisten-Preis „Car of the Year“. Rennfahrer, Autotester und Jury-Präsident Paul Frère in seiner Laudatio: „Der Rover 3500 ist seit Jahren das erste britische Auto mit einem weltweit ansprechenden Look. Es ist großzügig ausgestattet, für seine Größe und seine Fahrleistungen sehr sparsam und bietet eine gute Mischung aus Handling und Komfort. Man bekommt viel Auto für sein Geld - sowohl auf dem heimischen als auch auf dem internationalen Markt.“

Der Einführungspreis lag bei moderaten 4.750 britischen Pfund. Brave Vierzylinder-Modelle vom Schlage eines Mercedes 200 (W 123), Citroën CX oder Volvo 144 kosteten kaum weniger und hatten weder einen V8 unter der Haube noch eine Heckklappe mit umklappbaren Rücksitzen. Den günstigen Kaufpreis des SD1 erreichten die Rover-Leute vor allem durch den Verzicht auf komplexe Technik, die noch den Vorgänger P6 auszeichnete, der 1964 ebenfalls zum „Car of the Year“ gewählt wurde. So musste die De-Dion-Hinterachse des P6 einer Starrachse weichen, während der V8-Motor des Rover Vitesse praktisch unverändert vom Vorgänger übernommen wurde.

Anklänge an italienische Sportwagen

Dafür vernarrte sich ganz England in das von David Bache gezeichnete Design mit Anklängen an Ferrari- und Maserati-Sportwagen. Insbesondere das 365 GTB/4 Daytona-Coupé soll Bache inspiriert haben, sowohl bei der Frontgestaltung als auch bei der schwungvoll verlaufenden Seitenlinie. Rover wollte zur rauschenden Premiere die Händler mit 2.700 Autos ausstatten. Es standen jedoch nur 1.400 zur Verfügung, weil immer wieder Streiks die Produktion in Solihull lahm legten. Arbeitsprozesse konnten nicht abgeschlossen werden, und teilweise mussten Arbeiter aus anderen Produktionsstätten einspringen. Die Qualität erfüllte dementsprechend nicht die in den attraktiven Wagen gesetzten Hoffnungen.

Doch zurück in das Jahr 1982, als nach sechsjähriger SD1-Bauzeit des Rover Vitesse kam. Die Kinderkrankheiten schienen nun behoben, und die Rover-Modellpalette erfuhr eine großzügige Modellerweiterung. Das SD1-Programm umfasste jetzt einen Vierzylinder-Benziner mit 101 PS, einen Vierzylinder-Turbodiesel mit 91 PS, zwei Reihensechszylinder mit 120 PS und 132 PS sowie zwei V8 mit 157 PS und mit 192 PS. Die Modellbezeichungen orientierten sich traditionsgemäß schlicht am Hubraum. Nur das neue Top-Modell mit 192 PS adelten die Rover-Manager mit dem Beinamen Vitesse. Großformatige Front- und Heckspoiler, eine tiefer gelegte Karosserie und 205/60er-Breitreifen auf Kreuzspeichen-Alu-Felgen unterstrichen den Anspruch nach Need for Speed. Kann der Rover Vitesse noch heute begeistern?

Moderne und sportliche Linie

Optisch zweifellos, wenngleich des Fotofahrzeug aus dem Jahr 1983 im Straßenverkehr kaum als angehender Oldtimer wahrgenommen wird. Das Schrägheck und reichlich Chrom-Zierrat sind nämlich derzeit wieder schwer in Mode. Nur ausgekochte Rover-Fans erkennen deshalb auf Anhieb die schnelle Sportlimousine Rover Vitesse.

Ganz anders, wenn man in den Wagen einsteigt. Jetzt beginnt der Zeitsprung zurück in die späten Siebziger. Schlanke A-Säulen und eine rundum niedrige Fensterlinie lassen viel Licht ins Innere. Alle Anzeigen-Instrumente des Rover Vitesse sind in einem schwarzen Kasten zusammengefasst, der auf einer großen Ablagefläche unter der Windschutzscheibe montiert ist. Entsprechend unkompliziert ist die Produktion von Rechtslenkern: Der Kasten wandert nach rechts. Für den Einbau des Lenkrads ist sogar schon eine als quadratische Belüftungseinheit getarnte Aussparung auf der Beifahrerseite vorgesehen.

Das Zweispeichen-Lenkrad mit quadratischer Prallfläche ist leicht oval geformt und erinnert an einen Citroën. Überhaupt hat hier Rover so ziemlich alles aus dem Wagen verbannt, was an alte, britische Classic Cars erinnert. Sogar die Rundinstrumente, die bis 1982 in dem schwarzen Kasten steckten, mussten im Rover Vitesse viereckigen Einheiten weichen.

Rover Vitesse schafft 212 km/h Topspeed

Fortschritt auch unter der Motorhaube. Hier arbeitet mit Lucas-Komponenten eine von Bosch übernommene L-Jetronic-Einspritzung. Der Stoßstangen-V8 aus Aluminium, den Rover bereits 1965 von Buick übernommen hatte, startet bei der ersten Zündschlüsseldrehung und läuft äußerst vibrationsarm. Nur ein verhaltenes Auspuff-Brabbeln verrät die acht arbeitenden Zylinder.

Das verstärkte Fünfgang-Schaltgetriebe des Rover Vitesse benötigt sanften Nachdruck, kommt aber nur selten zum Einsatz. Besonders auf der Autobahn, wenn bei 130 km/h gerade mal 2500/min anstehen, zeigt der Vitesse seine Qualitäten und zieht ruhig und relativ sparsam mit weniger als zehn Liter Super seine Bahn. Doch er kann auch anders: Dank 212 km/h Topspeed war der Rover Vitesse einer der schnellsten Wagen der oberen Mittelklasse. Selbst ein Mercedes 280 E oder BMW 528 i mussten ihn ziehen lassen. Dies und der Umstand, dass der SD1 das letzte große, rein britische Rover-Modell ist, machen den attraktiven Vitesse zu einem echten Klassiker der Zukunft.

Rover - Die Historie:
Die 1883 gegründete Marke kam 1904 über Fahr- und Motorräder zum Automobil. Nach 1945 Höhenflug als technikorientierte Nobelmarke (Turbinenautos, Land Rover etc.). Rover Group 1994 an BMW verkauft. BMW-Ausstieg 2000. Verkauf an Nanjing Automobile China nach Pleite im Jahr 2005.

Der Rover SDI im Motorsport
Dank seiner guten Aerodynamik und des relativ leichten Wagengewichts etablierte sich der Rover Vitesse trotz des antiquierten V8 zu einer festen Größe im Tourenwagen-Rennsport. 300 PS, 1.200 kg, 280 km/h.

Technische Daten
Rover 3500 SD1 Vitesse
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4730 x 1770 x 1410 mm
Hubraum / Motor3528 cm³ / 8-Zylinder
Leistung142 kW / 192 PS (298 Nm)
Höchstgeschwindigkeit212 km/h
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