Ruf CTR 3: Ruf der Wildnis

CTR 3 heißt der Supersportwagen, mit dem Porsche-Spezialist Alois Ruf sein Lebenswerk krönen will. Der eigenwillig geformte Mittelmotor-Bolide soll mit seinem 700 PS starken Biturbo-Boxer über 370 km/h schnell laufen.

Ein bisschen was hat er ja schon von John Wayne, der Alois Ruf aus dem bayerischen Flecken Pfaffenhausen: Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Ruf, einer der weltweit renommiertesten Hersteller von mild bis wild modifizierten Porsche- Modellen, hat sich sein Muss selbst gesteckt: ein ganz eigenes Auto bauen, einen Supersportwagen, der mit den Besten konkurrieren kann. Seit 1963 ist Ruf schon im Geschäft, doch erst jetzt ist es so weit: Die Eigenkreation nimmt Gestalt an, der erste Prototyp läuft. Vorhang auf für den Ruf CTR 3. Weil der Name Ruf zu einem Synonym für schnelle Porsche geworden ist, weil der Firmenchef nur Porsche denkt, Porsche fühlt und Porsche spricht, steckt natürlich auch im CTR 3 viel Hardware aus Zuffenhausen. Aber trotzdem ist es ein Auto, das bei den Serienmodellen kein Pendant findet. Der CTR 3 präsentiert sich als Mittelmotor- Zweisitzer der höchsten Leistungsklasse. Davon gibt es nicht wenige auf der Welt – Exoten wie den amerikanischen Saleen, den italienischen Pagani oder den schwedischen Koenigsegg. Keine leichte Aufgabe also, sich in diesem exklusiven Segment noch überzeugend in Szene zu setzen. Aber es geht, wenn man weiß, was man tun muss. Wer nur die technischen Daten des CTR 3 kennt, kommt womöglich auf falsche Gedanken. Ein verkleideter, nur mühsam für den Straßenbetrieb gezähmter Rennwagen? Das wäre zu einfach gewesen. Ein Hochleistungs- Automobil, das nicht nur auf Wunsch 375 km/h schnell rennen kann, sondern bei Bedarf auch zum Bäcker um die Ecke fährt? Das trifft die Sache schon eher. Denn der Spagat zwischen purer Sportlichkeit und braven Alltagsmanieren gilt als Porsche-Spezialität, womit er für Alois Ruf eine vollkommen natürliche Verpflichtung darstellt. Der Reihe nach. Der CTR 3 sieht aus wie ein Porsche. Besonders vorn, wo die gesamte Struktur bis zur Windschutzscheibe vom Elfer stammt. Schon das hört sich gut an, wenn man an weniger angenehme Dinge wie das Crashverhalten denkt. Auch das höchst eigenwillige Heck, das mit seinen sechs Schlitzen und dem zentral verlaufenden Kanal für die Ansaugluft aussieht wie der Buckel eines Gürteltiers, hat Porsche-Gene in sich, wenn auch heute kaum noch bekannte. Es erinnert an das 550 Coupé von 1953 – die extrem seltene, geschlossene Ausführung jenes Sportwagens also, der als Spyder berühmt wurde, weil James Dean damit auf einer kalifornischen Straßenkreuzung zerschellte. Unter dem Buckel verbirgt sich ein von Ruf selbst konstruierter Rohrrahmen, der nicht nur die ebenfalls in der Allgäuer Entwicklungsabteilung entstandene Raumlenker-Hinterachse trägt, sondern auch den Motor.

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Götz Leyrer

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