Saab 9-5 im Fahrbericht: Erste Fahrt im neuen Saab-Flaggschiff

Saab 9-5

Den ersten Modellwechsel erlebt der Saab 9-5 ganze 13 Jahre nach seinem Erscheinen. Die zweite Generation soll die Marke aus schweren Fahrwasser bringen. Die überlegenswerte Alternative in der Oberklasse im Fahrbericht.

Wir wollen keine neuen Kunden, wir wollen unsere alten wiederhaben." Das ist der Taufspruch, den Victor Muller, Chef von Spyker und seit dem 26. Februar 2010 oberster Lenker von Saab, dem neuen 9-5 mit auf den Weg gibt. Denn das alte Modell hatte nach 13 Produktionsjahren viele potenzielle Saab-Käufer vertrieben, vornehmlich zu Audi. Um zu überleben, muss Saab sie so schnell wie möglich zurückgewinnen.

Saab 9-5 überragt die Konkurrenz in der Länge um rund zehn Zentimeter

Der Saab 9-5 versucht dies zunächst mit schierer Größe, denn ihre Konkurrenz überragt die Oberklasse-Limousine in der Länge um rund zehn Zentimeter, so als suche sie den Anschluss an die Luxusklasse. Vor allem die Fondpassagiere dürfen sich darüber freuen, denn die Beinfreiheit in Reihe zwei ist ausgezeichnet, und die gut ausgeformte Rückbank nimmt langen Strecken jede Mühsal. Aber auch Fahrer und Beifahrer sitzen alles andere als beengt, selbst wenn sie eine nordeuropäische Statur aufweisen. Weil Saab gern als besonders sportlich wahrgenommen werden möchte, sind die Sitze straff gepolstert. Gemeinsam mit dem ebenfalls etwas unnachgiebig ausgelegten Standard-Fahrwerk lässt der Komfort daher zu wünschen übrig. Unbefriedigend ist auch die um die Mittellage gefühllose Lenkung, die nicht zum Saab-Anspruch passt. Glücklicherweise kann man gegen 1.490 Euro Abhilfe schaffen. Drive Sense heißen die Zauberworte und sind die Bezeichnung für das adaptive Fahrwerk, das nicht nur einstellbare Dämpfer umfasst, sondern auch Hardware-Änderungen an beiden Achsen. Mit dem Drive Sense federt der 9-5 plötzlich viel geschmeidiger - selbst in Stellung Sport - und lenkt wesentlich zielgenauer. Diese Option sollte man also mitbestellen; sie wird für alle Motor-Varianten angeboten.

Der Saab 9-5 mit Basisdiesel kostet 35.900 Euro

Zur ersten Ausfahrt stand der 160 PS starke Basisdiesel für 35.900 Euro mit optionaler Sechsstufen-Automatik (2.200 Euro) zur Verfügung, dem mit nur 139 g CO2/km die Rolle der Öko-Variante zukommt. Freudlos tritt er mit 350 Nm Drehmoment trotz rund 1,7 Tonnen Leergewicht jedoch nicht auf. Er schiebt den großen Wagen munter voran und knurrt unter Last angriffslustig vor sich hin, das Geräuschniveau bleibt aber im Oberklasse-Rahmen. Hier hinein passen auch die weich schaltende Automatik und die gelungene Verarbeitung. Ehemalige Saab-Fahrer sollten also gelegentlich beim Händler vorbeischauen, denn es lohnt sich wieder - aber das gilt natürlich nicht nur für Fans der Marke aus Trollhättan.

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Christian Bangemann

Autor:

Wie groß ist die Chance, dass Saab unter Spyker langfristig überleben kann?
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