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Schnäppchen-Kauf Triumph TR 6

Schnäppchen? - TR6 für 9.500 Euro

Triumph TR 6, Baujahr 1973 Foto: Frank Herzog 17 Bilder

Der Triumph TR6-Kreis schließt sich: Vor 36 Jahren kaufte Motor-Klassik-Fotograf Frank Herzog seinen ersten Triumph TR6 , Mitte der Achtziger folgte der zweite. Der dritte Roadster soll nun ein reines Spaßauto werden - eines für Vater und Tochter.

21.01.2011 Alf Cremers Powered by

Ein Triumph TR6 belebt die Leidenschaft für altes Blech bei Motor -Klassik-Fotograf Frank Herzog wieder. Dabei schien seine Vorliebe für britische Automobile längst überwunden. Mit einem Rückfall war nach über 20 Jahren nun wirklich nicht mehr zu rechnen. Nach einem Austin-Healey Sprite, einem MG A, zwei Jaguar Mark II und zwei Triumph TR6 war jahrzehntelang bürgerliche Ruhe bei Frank Herzog eingekehrt.

Nach verschiedenen Familienkombis war wieder Zeit für pures Autofahren

Das junge, wilde Autoleben allein und zu zweit fand sein jähes Ende im begradigten Lauf des Lebens, dessen Karriere-Strömung immer stärker wurde. Der Fotografenberuf mit großer Ausrüstung und die Familie mit bald zwei Töchtern erforderten eine pragmatische Auto-Wahl. Motorrad fahren und sein Privatflugzeug zogen Herzog in knapp bemessener Freizeit genügend in den Bann.

Mercedes W 123 und W 124 T, BMW Fünfer-Touring und Audi A6 Avant hielten nacheinander in modellgepflegter Vielfalt Einzug in die Reihenhaus-Garage, gern auch als hubraumstarke Dieselversionen mit wirtschaftlichem Vielfahrer-Bonus. Nun ist es ein weißer 94er Mercedes 230 GE als langer Stationswagen, der die großen Zarges-Boxen aus Aluminium aufnimmt. Der weiße Riese spukte dem drahtigen 60-jährigen Pfälzer schon lange im Kopf herum. Ein braver Mitsubishi Pajero weckte die Allrad-Leidenschaft des Profi- Fotografen, der für die Magazine sport auto und Motor Klassik auf vielen Rennstrecken zu Hause ist und den Hockenheimring zuweilen als sein Wohnzimmer bezeichnet. Herzog, in Aussehen und jungenhaftem Lächeln an den jüngeren Paul Newman oder Clint Eastwood erinnernd, mochte es schon immer ein wenig härter, cooler und taffer als andere. Doch der 230 GE will nur von der jüngsten Neuerwerbung ablenken. 

Herzog bekommt den virtuellen Zuschlag

In seinem formatfüllenden Schatten versteckt sich schüchtern ein Triumph TR6 in British Racing Green, kurz BRG, ein 73er US-Import mit 95 PS zahmem Stromberg-Zweivergaser-Sechszylinder. Er ist dem Hobbyflieger Herzog mit der Leichtigkeit eines Mausklicks und im Sekundenbruchteil eines elektrisierenden Tastendrucks buchstäblich zugeflogen. Die eBay-Engel von Drei, zwei, eins, meins schickten ihr "Herzlichen Glückwunsch" an einem Abend im August durch den Glasfaser-Äther. Herzog ist bei seinen Autos durchaus preissensibel. "Ich hätte nie gedacht, dass bei 10.940 Euro schon Schluss ist. Der Triumph TR6 war ordentlich beschrieben."

"Gepflegt, restauriert, fahrbereit, hieß es, aber mit kleinen Mängeln, kein Concours-Exemplar. Er hat ein zugelassenes H-Kennzeichen und machte auf den Fotos einen properen Eindruck", sagt er, während er sich an die Fahrertür des Triumph TR6 lehnt und nach den Papieren auf dem Beifahrersitz greift. Auch der Reprint eines Werkstatthandbuchs liegt dort. Herzog will selbst Hand anlegen, die große Tugend des schrauberfreundlichen und einfach aufgebauten Triumph TR6 als Spaßfaktor nutzen. Zoll-Werkzeug liegt schon in der Garage, seine einmotorige Husky verlangt danach.

"Die Idee des persönlichen Triumph TR6-Revivals kam mir auf einem dieser Flugtage zwischen Schwarzwald, Alb und Allgäu, bei denen auch Oldtimer als publikumswirksames Extra eingeladen sind. Im Frühsommer entdeckte ich dort ein schönes Exemplar, ockergelb mit mattschwarzer Heckblende - wie mein erster Triumph TR6 P.I. von 1974. Es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, ein Flash von früher. So einer müsste es wieder sein, auch meine Frau Edith zog begeistert mit. Es war wie einst im Mai - im Triumph TR6 lernten wir uns damals kennen, lässt sich die Zeit zurückdrehen."

Nachverhandlungen drücken den Preis auf 9.500 Euro

Nun begann die Suche. Die autobegeisterte Tochter Christine, Industriekauffrau, 25 Jahre jung, sollte unbedingt an den Triumph TR6 behutsam herangeführt werden. Der knorrige, leicht verlebte, aber grundehrliche Roadster sollte ein Vater-und-Tochter-Projekt werden - so, wie sonst nur Väter und Söhne ihre Köpfe bei ihren Technik-Hobbys zusammenstecken. Die Suche endete an einem heißen Spätsommertag in München. Der Triumph TR6 stand zur Übergabe bereit.

Herzog umrundete den Triumph TR6 wortkarg und kritisch, ließ ihn erst einmal auf sich wirken. Legte sich unters Auto, checkte den Rahmen auf Rost und Stauchungen, kontrollierte die Spaltmaße auf gleichmäßige Großzügigkeit. Monierte nach ausgiebiger Probefahrt den laut Anzeige schwachen Öldruck und den öfter im Schiebebetrieb herausspringenden zweiten Gang. Kurzum: Es wurde nachverhandelt, bei 9.500 Euro war man sich schließlich einig.

Zustand 3 steht dem britischen Roadster am besten

Die Heimfahrt im Triumph TR6, 240 Kilometer bei 30 Grad auf der Autobahn, wird der gelernte Grafik-Designer so schnell nicht vergessen. Temperaturanzeige und Öldruck stets im Blick, die Ohren wachsam aufgestellt. Die vielen kleinen optischen Mängel am Triumph TR6 störten Herzog nicht. Er wollte keinen Hochglanz-Oldtimer mit manieriertem Moto-Lita-Lenkrad, blinkenden Speichenrädern und makellosem Birdeye-Wurzelnuss-Instrumentenbrett.

"Der  Triumph TR6 ist nicht der Typ dafür, er ist kein schicker Designer-Italiener, sondern ein herzhaftes Raubein, der nicht nur im Kurvengrenzbereich eine strenge Hand braucht." Am liebsten würde Herzog die verchromte Zylinderkopfhaube gegen das schwarze Originalteil tauschen, die auftragende Gepäckbrücke abschrauben und den Wagen auf die schlichten, gelochten Stahlscheibenräder umrüsten.

"Ich liebe den Sound und die sehr ursprüngliche Art des Offenfahrens"

Inzwischen hat sich nach dem Wechsel auf 20 W 40 der Öldruck stabilisiert und auch der zweite Gang gibt sich versöhnlich. Doch ein neuer Tank war fällig, der alte entpuppte sich als undichtes Pulverfass. Und seitdem der frischgebackene Hobbyschrauber die Ventile des Triumph TR6-Motors dank instruktivem Handbuch und extra beschaffter Lehre eigenhändig eingestellt hat, läuft der elastische Sechszylinder auch im Leerlauf wie das sprichwörtliche Uhrwerk.

"Etwas mehr Leistung könnte der Triumph TR6 allerdings haben", moniert Herzog, "und auf der Autobahn wäre der Overdrive eine feine Sache". Aber Umrüsten auf leistungssteigernde Weber-Vergaser, Einbau der elektrisch zuschaltbaren Schon-Übersetzung, Fahrwerksoptimierung mit Koni-Teleskopdämpfern an der Hinterhand um das ausgeprägte Mitlenken zu kompensieren? "Kommt nicht in Frage", erklärt er entschlossen. "Ich gehöre nicht zu den Weicheiern, die eine elektrische Servolenkung im Motorraum verstecken."

Tochter Christine ist vom Triumph TR6 hellauf begeistert, auch wenn sie das Umsteigen vom neuzeitlichen BMW 318i-Coupé zunächst als krass empfunden hat. "Bremse, Kupplung und Lenkung gehen enorm schwer, der Roadster benahm sich auf meinen ersten Kilometern sehr zickig. Es brauchte eine Weile, bis ich das richtige Gefühl entwickelt hatte. Doch ich liebe den Sound und die sehr ursprüngliche Art des Offenfahrens. Allein die Schaltung ist ein Genuss, und die aufrechte Position hinterm steilen Lenkrad gibt einem die Chance, den Wagen stets gut zu beherrschen."

Kein Zweifel, der pragmatisch-preiswerte Triumph TR6 entpuppte sich als guter Kauf. Familie Herzog wird sich weiter um das Finish im Detail kümmern - neue Bodenmatten wären nicht schlecht, und das raue, pockennarbige Heckblech gehört auch frisch lackiert.

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Technische Daten
Triumph TR 6
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe3940 x 1470 x 1270 mm
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
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