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Shuanghuan Ceo

Copy-Job

Foto: Hans-Dieter Seufert 25 Bilder

Die Lobby für Fahrzeuge aus dem Reich der Mitte ist derzeit noch schwach; China Automobile importiert den Shuanghuan Ceo nach Deutschland, einen SUV, der von hinten wie eine Kopie des BMW X5 aussieht.

19.05.2008 Marcus Peters

Die Legende vom China-X5 zum Preis eines BMW Einser hält genau so lange, bis man den Shuanghuan Ceo (sprich: Zeo) zur Probe fährt. Dann weiß man, warum die China Automobile GmbH den SUV mit zuschaltbarem Allradantrieb schon ab 25.990 Euro anbietet: Er ist ein aufgetoasteter Mitsubishi Pajero mit der Technik der dritten und dem Leiterrahmen der vierten Generation. Und damit von einem BMW X5 so weit entfernt wie Glutamat von frischen Kräutern.

Das Design ist ein ideologischer Irrtum

Zweite Desillusion: Wer seinen Nachbarn Wohlstand vorgaukeln will, muss den Ceo vorwärts in die Garage parken. Denn nur seine Heckpartie samt bauchiger Kotflügel kopiert den BMW-SUV. Die Front dagegen mischt den Honda CRV-Grill mit den Scheinwerfern des Opel Vectra. So bleibt das Design ein ideologischer Irrtum. Mit eigener Linie würden dem Ceo weit weniger Vorbehalte entgegenschlagen. So aber wird der China-SUV als Exot bestaunt oder als Albernheit belächelt – Abschreiben wurde schon in der Schule geächtet.

Testwagen für 27.990 Euro

Ein erster Blick in den weitläufigen Innenraum: Die Türinnenverkleidungen orientieren sich an der BMW-Linie, das Armaturenbrett an Toyota. Überrascht erfasst das Auge die Lederflächen; der Testwagen beinhaltet das Luxus-Paket und kostet samt 17-Zoll-Alufelgen und Einparkhilfe hinten 27.990 Euro. Die Preisliste weist auf „Ledersitzbezüge in Kombination mit hochwertiger Leder-Nachbildung“ hin, die Fingerkuppen ertasten schlicht Kunstleder. Dann die Überraschung: ein CD-Radio mit USB-Schnittstelle und Port für SD- und MMC-Speicherkarten.

Viel Ausstattung in der Basisversion

Mit dem Premiumpaket unterschreitet der Ceo knapp die 30.000-Euro-Grenze und bietet zusätzlich elektrische Sitzverstellung sowie Glasschiebedach. Schon in der Basisausstattung ist eine Klimaautomatik enthalten, elektrische Fensterheber, geteilt umklappbare Rücksitzlehne, Zentralverriegelung mit Wegfahrsperre sowie Nebelscheinwerfer und Servolenkung samt höhenverstellbarem Lenkrad. Viel Ausstattung fürs Geld. Damit entspricht der China-SUV zumindest keiner kärglich eingerichteten Sozialwohnung.

Den Hauch von Luxus wehen spätestens die verwendeten Materialien hinaus: Hartplastik, wohin die Hände greifen, teilweise immerhin aluminiumfarben (Luxuspaket). Der Ceo erinnert an die ersten Versuche aus Korea, ist in Sachen Verarbeitung auf keinen Fall vergleichbar mit seinen Konkurrenten, dem Hyundai Terracan oder dem Kia Sorento. Doch China Automobile Deutschland schickt fleißig Verbesserungswünsche ins Reich der Mitte – bislang über 1.000 Punkte wie Lackqualität und Spaltmaße. Und die werden nach Auskunft von Geschäftsführer Karl Schlössl prompt umgesetzt – wenn auch häufig ins komplette Gegenteil.

Massive Holzplatte als Ladeboden

So hielt der erste Ladeboden dem Gewicht von Getränkekisten nicht stand, nun ist eine massive Holzplatte verlegt – rund einen Zentimeter dick und so schwer, dass sie eine Frau kaum anheben kann, um das darunterliegende Reserverad aus der Kuhle zu angeln. Schafft sie es doch, blickt sie auf offenliegende Bowdenzüge.

Noch prägt naiver Optimismus den Fahrzeugbau in China, wo Ingenieure selten einen Führerschein besitzen – und nicht selbst testen. Obwohl nur Importeur, will China Automobile Deutschland die Evolution eigenständig betreiben und hierfür die Technik- Abteilung ausbauen. Derzeit arbeiten in München knapp 20 Mitarbeiter und kümmern sich neben der Homologation um Marketing und Vertrieb. Bis dato umfasst das Netz 86 Händler.

Weitere China-Modelle folgen

Hersteller des Ceo ist Shuanghuan. Daneben sind der Jonway Ufo, ein Lizenzbau des früheren Toyota RAV4 (125 PS, ab 15.900 Euro) sowie der Gonow GX6 (145 PS, ab 21.900 Euro) im Programm, Letzterer wiederum auf der Plattform des Mitsubishi Pajero. Ab Juni folgt ein Pickup namens Alster (ab 19.000 Euro) sowie ein Transporter der Ducato-Klasse mit 2,2-Liter-Diesel ab 19.900 Euro.

Im September sollen ein Viertürer und ein Cabrio die Ufo-Familie erweitern, zusätzlich ein 4,78 Meter langer Kombi. Dieser wird mit einem 110 PS leistenden 2,5-Liter-Vierzylinder voraussichtlich ab 15.900 Euro in der Preisliste stehen. Um möglichst viele Gleichteile auf Lager zu haben, will sich China Automobile künftig auf Mitsubishi- Derivate konzentrieren.

Eine Fahrt im Ceo ist eine Zeitreise – zum seligen Pajero der dritten Generation. Rau läuft der 2,4-Liter-Vierzylinder, der nur im Pickup verbaut war. Seine 125 PS stemmen die 1,9 Tonnen in der Stadt tapfer voran. Hier wirkt der Motor nicht einmal überfordert, zumal er bis zur mittleren Drehzahl im Getöse des Gebläses untergeht; selbst auf der ersten Stufe übertönt die Klimaanlage den Vierzylinder. Auch hier will China Automobile noch nachbessern lassen.

Mit Komfort moderner SUV nicht zu vergleichen

Bei Landstraßentempo übernimmt der Fahrtwind, zischelt aus dem Bereich der Türdichtung. Zum Überholen muss der dritte Gang bemüht werden, wobei die sehr langen Schaltwege auffallen – ebenfalls typisch für den früheren Pajero. Mit der Drehzahl steigen auch die Vibrationen an. Hinzu kommt das Trippeln der Starrachse auf unebener Fahrbahn. Erträglich, aber mit dem wattigen Komfort moderner SUV nicht zu vergleichen.

In Watte gehüllt sind stattdessen Rückmeldungen von Fahrwerk und Lenkung. Das Spiel rund um die Mittellage ist enorm, ebenso das Wanken der Karosserie beim Ausweichen und das Nicken beim starken Bremsen. Wie sich der Ceo ohne ESP bei extremen Fahrmanövern verhält, wird der spätere Test klären. Erst in Verbindung mit dem noch folgenden 2,2-Liter-Benziner (155 PS) wird neben ABS auch eine Fahrdynamikregelung erhältlich sein.

Alternative für kleines Geld

Trotz der Unpässlichkeiten erstaunt die erste Fahrt eher, als dass sie enttäuscht; schließlich war die Erwartungshaltung bei diesem China-Auto nicht gerade hoch. Es ist eine Alternative für alle, die für überschaubares Geld viel Platz kaufen wollen – und den Gebrauchtwagen scheuen. Doch die Illusion sei den Schnäppchenjägern hiermit genommen: Der Shuanghuan Ceo ist keine Alternative zum BMW X5.

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