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Shuanghuan Ceo

Eine lohnende SUV-Alternative?

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Noch haben die Produkte hierzulande keinen Namen: China Automobile importiert den Shuanghuan Ceo, einen großen Geländewagen, der von hinten wie eine Kopie des BMW X5 wirkt. Ob sich die Anschaffung lohnt, zeigt der Fahrbericht.

30.10.2008 Marcus Peters

Wäre doch zu schön: ein neuer BMW X5 für 25.990 Euro. Zumindest von schräg hinten sieht der Shuanghuan Ceo (sprich: Zeo) der ersten Generation des SUV mit weiß-blauem Wappen zum Verwechseln ähnlich - und bietet immerhin zuschaltbaren Allradantrieb. Die China Automobile GmbH sitzt in München, besteht derzeit aus knapp 20 Mitarbeitern und vertreibt den Fake-X5 deutschlandweit über 86 Händler.

Er basiert auf der Technik des Mitsubishi Pajero der dritten und dem Leiterrahmen der vierten Generation - von einem BMW X5 so weit entfernt wie China von der Demokratie. Im Übrigen gelingt die Vortäuschung falscher Tatsachen allenfalls aus gewissen Blickwinkeln. Denn nur die Heckpartie des Ceo samt ausgestellter Kotflügel ahmt den BMW-SUV nach; die Front dagegen kombiniert den Honda CRV-Grill mit den Scheinwerfern des Opel Vectra vor dem Facelift. Immerhin orientiert sich auch ein Teil des Interieurs an bayerischem Design: Die Türinnenverkleidungen nimmt BMW, das Armaturenbrett dagegen Toyota zum Vorbild.

Luxus-Paket inklusive

Die Preisliste verheißt "Ledersitzbezüge in Kombination mit hochwertiger Leder- Nachbildung" - Kunstleder wäre ehrlicher. Samt Luxus-Paket beinhaltet der Testwagen 17-Zoll-Alufelgen sowie Einparkhilfe hinten und ein CD-Radio mit USB-Schnittstelle sowie Port für SD- und MMC-Speicherkarten und kostet 27.990 Euro. Für knapp 30.000 Euro kommt der Ceo im Premiumpaket, welches zudem elektrische Sitzverstellung sowie Glasschiebedach enthält. Schon die Basisausstattung bietet Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, geteilt umklappbare Rücksitzlehne, Zentralverriegelung mit Wegfahrsperre sowie Nebelscheinwerfer und Servolenkung samt höhenverstellbarem Lenkrad.

Von den Materialien sollte man nicht zu viel erwarten: Hartplastik wohin das Auge blickt, fürs Luxuspaket immerhin aluminiumfarben kaschiert. Bei der Verarbeitung ist der Ceo auf Höhe der ersten Korea-Importe, erreicht keinesfalls das Niveau seiner Konkurrenten wie dem aktuellen Hyundai Terracan oder dem Kia Sorento.

Shuanghuan baut Ceo, Ufo, GX6

Doch die Chinesen sind lernfähig, setzen die Verbesserungswünsche des deutschen Importeurs prompt um, bislang über 1.000 Punkte wie Lackqualität und Spaltmaße - und schießen manchmal übers Ziel hinaus: Als Ladeboden dient eine massive Holzplatte, die nur widerwillig den Zugriff aufs darunterliegende Reserverad freigibt.

Hersteller des Ceo ist Shuanghuan. Daneben führt China Automobile den Jonway Ufo, ein Lizenzbau des früheren Toyota RAV4 (125 PS, ab 15.900 Euro) sowie den Gonow GX6 (145 PS, ab 21.900 Euro, Plattform des Mitsubishi Pajero) im Programm. Darüber hinaus folgt ab Juni ein Pickup namens Alster (ab 19.000 Euro) sowie ein Transporter der Ducato-Klasse mit 2,2-Liter-Diesel ab 19.900 Euro. Im September sollen ein Viertürer und ein Cabrio die Ufo-Familie erweitern, zusätzlich ein 4,78 Meter langer Kombi.

Ratternder Vierzylinder mit 110 PS

Mit einem 110 PS leistenden 2,5-Liter-Vierzylinder bestückt, soll dieser voraussichtlich ab 15.900 Euro angeboten werden. Und wie fährt er nun, der Ceo? In etwa so wie ein gebrauchter Mitsubishi Pajero der dritten Generation. Rau rattert der 2,4-Liter-Vierzylinder aus dem Pickup, stemmt mit seinen 125 PS die 1,9 Tonnen in der Stadt voran, wirkt dabei nicht einmal gestresst.

Zumal er sich bis zur mittleren Drehzahl vom Gebläse überstimmen lässt. Auch bei der Klimaanlage will China Automobile noch nachbessern lassen. Weitere Geräusche stören die Ruhe an Bord. Ab Tempo 80 etwa zischelt der Fahrtwind aus dem Bereich der Türdichtung. Wer nun überholen möchte, muss den dritten Gang einlegen und dabei sehr lange Schaltwege in Kauf nehmen. Auch das erinnert stark an den früheren Pajero.

Mit zunehmender Drehzahl wird der Motor brummiger. Zusätzlich schmälert das stelzige Abrollen der Starrachse auf schlechter Straße den Komfort. Rückmeldungen von Fahrwerk und Lenkung fehlt jegliche Unmittelbarkeit, das Spiel rund um die Mittellage ist gewaltig, ebenso das Wanken der Karosserie beim Ausweichen und das Nicken beim starken Bremsen.

ESP nur mit dem noch folgenden 2,5-Liter-Benziner

Bei extremen Fahrmanövern darf sich der Ceo-Fahrer nur auf ABS, nicht jedoch auf die Fahrdynamikregelung ESP verlassen. Diese soll erst in Verbindung mit dem noch folgenden 2,5-Liter- Benziner (155 PS) angeboten werden. Aller Kritik zum Trotz: Die erste Ausfahrt erweist sich eher als positive denn negative Überraschung; die Erwartungshaltung an das China-Auto war schließlich nicht übertrieben hoch.

Der Ceo ist eine Alternative für alle, die trotz eingeschränktem Budget ein großes Familienfahrzeug kaufen wollen, jedoch den Erwerb aus zweiter Hand scheuen. Einem BMW X5 hält der Vergleich allerdings nicht stand - nicht einmal einem gebrauchten.

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