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Skoda Azubi Car "Atero" im Fahrbericht

So fährt Skodas Lehrlings-Coupé

Skoda Atero Fahrt hinten Seite Foto: Ivo Hercik 26 Bilder

Ein Skoda ist ja normalerweise nüchtern und pragmatisch. Macht seine Sache immer gut, manchmal perfekt. Ein echter Streber. Aber zuweilen auch etwas langweilig. Deshalb haben sich die Auszubildenden von Skoda einen Rapid Spaceback geschnappt und den Kombi im Rahmen eines Projekts zu einem schicken Coupé umgebaut.

25.05.2016 Natalie Diedrichs 1 Kommentar

Das Ergebnis ist der Atero - schwarz, laut, rote Unterbodenbeleuchtung, symmetrische Kiemen auf der Motorhaube, durch die LEDs blitzen. "Das Auto atmet", sagt Jakub (18) stolz. Der Mechaniker gehört zum diesjährigen Azubi-Team, das aus 27 Lehrlingen besteht. Sie alle waren an dem Projekt beteiligt und haben Karosserie, Innenraum und Accessoires des Ateros konzipiert.

Die Vorgabe lautete im September vergangenen Jahres: "Designt ein Auto auf Basis des Rapid Spaceback. Ihr habt acht Monate Zeit." Eine Drucksituation? "Ach was", sagt Jakub. Das mit dem Zeitmanagement haben sie von Vorneherein gut organisiert, erklärt er strebsam. So wie man es von einem Skoda-Azubi erwartet. Und warum ein Coupé? Ganz einfach: "Weil es so etwas bei uns nicht gibt." Zumindest aktuell nicht. Denn das letzte und bislang einzige Coupé haben die Tschechen 1985 mit dem Skoda 135 herausgebracht. Seitdem gab es nichts, was Scirocco, Mégane, A5 und Co. die Stirn hätte bieten können. Umso schneller waren sich die Azubis der Berufsschule Mladá Boleslav darüber einig, dass ihr Baby ein Coupé werden soll. Sportlich-elegant und ganz sicher nicht langweilig.

Skoda Atero frontal fahrendFoto: Ivo Hercik
Das Projekt dauerte acht Monate, in denen sich die Azubis die Karosserie abänderten sowie Innenraum und Elektronik nach ihren Wünschen gestalteten.
Skoda Atero Türverkleidung Steppmuster
Das Steppmuster der Türverkleidung hat Azubi Jakub (18) zu Hause an der Nähmaschine entworfen.
Skoda Atero Fond mit PassagierFoto: Ivo Hercik
Hinten bietet der Atero ganz Skoda-mäßig viel Platz, auch wenn die B-Säule des Autos um zehn Zentimeter nach hinten versetzt wurde, so unsere Autorin Natalie Diedrichs.
Skoda Atero Fahrt hinten Seite
Details zum schicken Lehrlings-Coupé 34 Sek.

Skoda Atero: Drittes Skoda-Azubicar nach "Cityjet" und "Funstar"

Es ist das dritte Auto, das die Skoda-Lehrlinge in Kooperation mit dem Autobauer und der Berufsschule entworfen haben. In den Jahren zuvor hatten sie ein Cabrio namens "Cityjet" und einen Pick-Up namens "Funstar" konstruiert. Für die Umsetzung teilte sich das Team in verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Spezialgebieten auf, je nach Ausbildungsschwerpunkt. So war Jakub mit seinen Kollegen für die Accessoires zuständig, die anderen kümmerten sich um die Elektronik, das Interieur, die Karosserie, die Lackierung und um die Vermarktung des Prototypen. Letzteres war unter anderem Daniels (18) Aufgabe, der nun neben dem Atero auf einer Kartbahn in Prag steht. "Das Ding den ganzen Managern vorzustellen war schon aufregend", erinnert sich der 18-Jährige.

Da steht er nun, der Atero. Die Front sitzt tiefer und bekam einen sportlichen Schweller verpasst. Gemeinsam mit der Farbe "Black Magic" und den roten Zierleisten peppt das den sonst eher biederen Rapid ganz schön auf. Der eigentliche Clou des Autos ist aber das Heck, das die Karosseriebauer des Azubi-Teams vollständig abgeändert und zu einem wuchtigen Coupé geformt haben. Damit erstaunten sie selbst gestandene Skoda-Ingenieure, die das Projekt betreuten: "Die technische Entwicklung uns zu Beginn gesagt, dass es eigentlich unmöglich sei, das Coupé so zu bauen, wie wir es vorhatten", erzählt Jakub. Ihre Berechnungen scheiterten zunächst an mangelnder Stabilität. Doch die Jungs und Mädels ließen nicht locker: "Nach dem dritten Versuch hat es dann doch geklappt!" Die Plexiglas-Scheiben für das Showcar lieferte ihnen die Skoda-Protyp-Werkstatt, alles andere schafften sie selbst.

Skoda Atero: 1.800-Watt Soundsystem und dazu der 1.4 Liter TSI aus dem Skoda Rapid Spaceback

Die beiden Hintertüren haben sie entfernt, dafür die B-Säule zehn Zentimeter nach hinten versetzt und die Vordertüren um das entsprechende Maß verlängert. So konnten sie die abgeflachte Heckpartie konstruieren. Die Materialien dafür stellte Skoda zur Verfügung, die Werkzeuge waren Eigentum der Berufsschule. Das Hinterteil des Atero ähnelt nun ein bisschen dem eines BMW Dreier Gran Tourismo. Auch wenn sie die Heckklappe des Rapid in der Höhe verkürzt haben, wirkt sie nach wie vor recht massiv. Bleibt mehr Platz für den Kofferraum und das aus gutem Grund: Dort ist nämlich ein 1.800 Watt Soundsystem untergebracht, das insgesamt 14 Lautsprecher im Atero umfasst. Passend zum Beat sind aufblitzende rote und weiße LEDs inklusive - spaßig statt spießig.

Den 1.4 Liter TSI-Motor ließen sie aber unberührt und das laut eigener Aussage völlig bewusst. Jakub schmettert nett gemeinte Anregungen wie einen V8-Sauger nüchtern ab: "Der hätte nicht zum Wesen des Atero gepasst." Dafür verliehen sie dem Motorblock einen farbigen Anstrich in schwarz-rot und zogen die sportliche Linie so zumindest optisch durch. Der Sound des Atero sollte dann aber doch nicht ganz so brav bleiben - deshalb statteten die Lehrlinge die Abgasanlage mit Endrohrstücken des Octavia RS aus. So kann sich der potenzielle Atero-Fahrer also wahlreise von einer 1.800-Watt-Bassanlage oder vom bösen, dunklen Wummern, Röhren und Knattern des aufgemotzten Doppelauspuffs beschallen lassen. So viel zum biederen Skoda.

Unterboden des Atero aus dem Skoda Citygo

Im Innenraum setzt sich das rot-schwarze Farbkonzept des Atero fort. Die Türverkleidungen sind teilweise in der originalen Außenfarbe lackiert und mit roten Akzenten versehen, die zu den Sitzen der Monte-Carlo-Ausstattung des Rapids passen. Auch hier herrscht Pragmatismus: "Die Sitze waren ja schon schwarz-rot. Da mussten wir nichts neu entwerfen", so Jakub. Stattdessen hat er aber das Steppmuster des Stoffes designt, der die Armlehnen verkleidet. Dafür lieh er sich die Nähmaschine seiner Mutter und entdeckte dabei gleich ein neues Hobby: "Nähen ist unheimlich beruhigend", findet er. Vielleicht mache er das nun häufiger mal.

Weil die Sitze wegen der zwei fehlenden Hintertüren zurückgeklappt und verschiebbar sein müssen, haben sich die Azubis am Unterboden des Skoda Citygo bedient, der ebenfalls nur drei Türen hat. So fällt der Einstieg relativ leicht und der Fond bietet ausreichend Platz, auch wenn er wegen der verlängerten Türen etwas an Volumen einbüßen musste. Dafür können sich die hinteren Passagiere jedoch am Panorama-Glasdach erfreuen, das das Raumgefühl über den Köpfen wiederum vergrößert.

Zuverlässiges Skoda-DSG-Getriebe und der Sound vom Octavia RS

Fahren kann der Atero mit den 18-Zoll-Turini-Felgen vom Octavia übrigens auch, wie eine kleine Kostprobe auf der Kartbahn beweist. Das DSG-Getriebe des Rapid erfüllt hier Skoda-mäßig solide seinen Dienst, ebenso wie der aufgeladene 122 PS Vierzylinder. Bremsen und Lenkung reagieren gewohnter Weise zuverlässig und gerade will man wieder die kühle Streberhaftigkeit des Tschechen monieren, da übertönt der dröhnende Auspuff beim Gas geben jegliche geschmackliche Kritik.

Also Klappe halten! Denn eines steht fest: Die Azubis von Skoda haben ganze Arbeit geleistet. Nicht nur, dass sich der Name "Atero" (von Lateinisch "ater" = schwarz) klanglich wunderbar in die Fabia, Octavia, Rapid-Reihe integriert - den könnte man einem Laien glatt als neuestes Modell der Tschechen verkaufen. Aber auch die Idee eines kleinen, peppigen Coupés ist absolut zeitgemäß und die Form würde den einen oder anderen Skoda-Käufer sicherlich direkt überzeugen. Die beleuchteten Kiemen, die Unterbodenbeleuchtung sowie die üppige Bassanlage wären vielleicht ein Fall für die Ausstattungsliste, aber ein angesetzter Serienpreis von etwa 30.000 Euro hat absolutes Serienpotenzial. Wobei Jakub da anderer Meinung ist: "Nach so viel Arbeit in den vergangenen Monaten ist der Atero für mich unbezahlbar!"

Neuester Kommentar

Ich würde gerne eine Produktionsversion von dieser sehen.
Ich vermisse die Zeiten mit günstigen Coupés!

lobito 26. Mai 2016, 00:56 Uhr
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